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Studie an der TU Dresden: Werner Patzelt sieht bei Pegida rund 30 Prozent fremdenfeindliche Teilnehmer

Studie an der TU Dresden: Werner Patzelt sieht bei Pegida rund 30 Prozent fremdenfeindliche Teilnehmer

Eine neue Studie der TU Dresden kommt zu dem Ergebnis, dass rund ein Drittel der Dresdner Pegida-Teilnehmer rechtsnational und fremdenfeindlich ist. Einen Großteil der Pegida-Demonstranten ordnet die Studie als „besorgte Gutwillige“ ein, hinzu kommen sogenannte „empörte Gutwillige“.

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Quelle: dpa

Wie ihre Vorgänger krankt die Studie jedoch an den Möglichkeiten der Befragung.

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Patzelt kommt zum Schluss verschiedener Gruppen bei Pegida: Ein Drittel der teilnehmer bewertet er als fremdenfeindlich und rechtsnational. Die übrigen seien die oft zitierten "besorgten Bürger"

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Entstanden ist die Studie als Forschungsprojekt von drei Master-Studenten an der TU innerhalb eines Seminars des Politologen Werner J. Patzelt. Die Studenten beobachteten dabei seit November insgesamt zehn Mal die Pegida-Veranstaltungen, analysierten die Berichterstattung und die Kommunikation über und bei Pegida, befragten Ende Dezember und Anfang Januar dann erstmals Pegida-Teilnehmer, um dann am 25. Januar mit dem finalen Fragebogen auf dem Theaterplatz aktiv zu werden.

Angesprochen wurden dann 492 Personen, 242 davon beantworteten die Fragen. Die Stichprobe, also die Auswahl der Befragten, wurde anhand der Ergebnisse der Vorgänger-Studien getroffen, zudem wurde an verschiedenen Stellen des Theaterplatzes befragt.

Studie ist nicht repräsentativ

Wie Patzelt und seine Studenten einräumen, ist die Studie damit nicht repräsentativ. „Wir haben das Bestmögliche getan“, sagt Patzelt, räumt aber zahlreiche Verzerrungen ein. So sei die Stichprobe vergleichsweise „alt“, ordne sich wahrscheinlich zu sehr „links/mittig“ ein, beinhalte sehr viele Erstdemonstranten und habe zudem das Problem, dass die Befragung bei der ersten Veranstaltung bei Tageslicht stattfand und so mutmaßlich ein anderes Publikum anzog.

Hinzu kommt, dass wie schon in den Studien zuvor verschiedene Teilnehmerschichten nicht antworten wollten, die Verantwortlichen nennen hier zu allererst Hooligans und Rechtsextreme. Weiterhin konnten die Befrager nicht alle geplanten Sektoren befragen, da die Interviewer teils nicht durch die Menge kamen.

Hinzu addieren sich die methodischen Schwächen einer Demo-Befragung vor Ort: Beispielsweise sollten sich die Teilnehmer selbst einordnen, wo sie politisch stehen. Umfangreiche Studien arbeiten hier mit dutzenden Fragen, an Hand derer sich dann ein verlässliches Bild zeigt. Vor Ort auf der Demo reiche die Zeit dafür nicht aus. So mussten sich die Befragten auf einer Fünfer-Skala zwischen ganz links und ganz rechts selber einschätzen, 65 Prozent sahen sich „genau in der Mitte“. Gleichzeitig würden aber nur 14 Prozent etablierte Parteien von Linke bis CDU wählen, dafür mehr als 57 Prozent die AfD. Zudem habe sich auf den Demonstrationen immer wieder ein hoher Grad von Stammtisch-Rassismus gezeigt, berichten die Befrager. Dieser werde von den Menschen vor Ort aber nicht als problematisch wahrgenommen. Es sei daher sehr schwer, die tatsächliche politische Einstellung zu erfassen.

Widersprüchliche Ergebnisse

Die Ergebnisse die Patzelt und seine Studenten erhoben haben, sind widersprüchlich. So sei die öffentliche Wahrnehmung durchaus differenziert. Knapp ein Drittel der Befragten empfindet die Berichterstattung über Pegida als durchaus ausgewogen, zwei Drittel seien zudem grundsätzlich bereit, weiter Asylbewerber und Flüchtlinge aufzunehmen. Gleichzeitig sagen aber mehr als 60 Prozent, dass es zu viele Asylbewerber gibt, auch die Zahl der Bürgerkriegsflüchtlinge ist für etwa ein Drittel der Befragten zu hoch. Dass der Islam zu Deutschland gehört, lehnt jeder Zweite rundweg ab, selbst wenn es sich um einen friedlichen Islam handeln würde, der genauso marginalisiert sei wie das Christentum.

Für Patzelt und seine Studenten sind das Anzeichen dafür, dass es bei Pegida unterschiedliche Gruppen gibt. Etwa ein Drittel der Demonstranten wertet er als rechtsnational und fremdenfeindlich mit einer klaren Haltung gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Die übrigen Teilnehmer wertet Patzelt als empörte oder besorgte „Gutwillige“, diese würden sich eher politisch mittig verorten, würden eher den Islam akzeptieren und sehen sich eher als Europäer denn als Nationalisten.

Was in dieser Gruppe vor allem die „Empörten“ ausmacht, ist das Unverständnis über die Berichterstattung. Warum sich diese Gruppen aber mit fremdenfeindlichen Rechtsextremen bei Pegida zusammenschließen, können weder Patzelt noch seine Mitarbeiter erklären. Laut Patzelt seien die Demos für viele eine Chance, einfach ihren Unmut kund zu tun, die Teilnahme von Neonazis werde dabei vermutlich billigend in Kauf genommen.

Patzelt: Pegida ist im Zerfall

Pegida selbst ist nach Patzelts Einschätzung inzwischen im Zerfall begriffen. Die Bewegung zerlege sich gerade selbst, sagte er. Über die Grenze zwischen empörten Bürgern und Fremdenfeinden falle die Bewegung derzeit auseinander. Mit der Entstehung der Pegida in Dresden sei ein Vulkan explodiert, sagte Patzelt. „Jetzt regnet es nur noch Asche.“

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Stephan Lohse (mit Material von dpa)

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