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Studentin paukt mit Flüchtlingsmädchen ehrenamtlich Deutsch

Helfen statt demonstrieren Studentin paukt mit Flüchtlingsmädchen ehrenamtlich Deutsch

Wort für Wort und Satz für Satz geht Annegret Hintze an diesem Nachmittag das Deutschlehrbuch mit dem afghanischen Flüchtlingsmädchen Kamila Afzali durch. Hintze ist mittlerweile ein regelmäßiger Gast in der Gorbitzer Plattenbauwohnung. Ein Mal pro Woche kommt sie vorbei, um ehrenamtlich bei den Hausaufgaben zu helfen oder Texte zu besprechen.

An einem kleinen Tisch der Plattenbauwohnung bespricht Kamila Afzali ihre Hausaufgaben mit Annegret Hintze.
 

Quelle: Stephan Hönigschmid

Dresden.  Wort für Wort und Satz für Satz geht Annegret Hintze an diesem Nachmittag das Deutschlehrbuch mit dem afghanischen Flüchtlingsmädchen Kamila Afzali durch. Geduldig hört sich die 30-jährige Studentin der FH Mitweida die Aussprache der Teenagerin an und korrigiert sie, wenn nötig. Hintze ist mittlerweile ein regelmäßiger Gast in der Gorbitzer Plattenbauwohnung, die Kamila mit ihren Eltern und ihren fünf Geschwistern bewohnt. Ein Mal pro Woche kommt sie vorbei, um ehrenamtlich bei den Hausaufgaben zu helfen oder Texte zu besprechen.

„In Zeiten von Pegida und Fremdenfeindlichkeit wollte ich gern etwas gegen diese negativen Entwicklungen in Dresden tun. Da ich aber nicht so der Demotyp bin, helfe ich lieber Flüchtlingen bei der Integration“, sagt Hintze. Über ihre Mutter, die Deutschkurse für Asylbewerber unterrichtet, sei sie auf diese Möglichkeit aufmerksam geworden. „Seit August vorigen Jahres übernehme ich montags die Kinderbetreuung, wenn die Eltern Unterricht haben, und besuche dienstags mehrere Stunden Kamila und ihre Familie“, sagt Hintze, die in Gorbitz immer wieder Alltagsrassismus beobachtet.

„Ich wohne ja selbst hier und höre regelmäßig Beleidigungen, wenn ich mit den Flüchtlingen unterwegs bin.“ So hätten erst vor Kurzem drei ältere Männer mit Bier die Ausländer im Gorbitz-Center als „Kanaken“ beschimpft und „Gute Heimfahrt“ gewünscht, erinnert sich die Masterstudentin der Kommunikationswissenschaft. Umso mehr freut sie sich, wenn sie sieht, wie ihre Arbeit Früchte trägt. „Man merkt, wie motiviert die Menschen sind. Jede Woche können sie mehr. Sie wollen die deutsche Sprache so schnell wie möglich lernen, um hier Fuß zu fassen“, sagt Hintze.

Bei Kamila zeigt sich die Liebe zur Sprache auch in ihrem Berufswunsch. „Mein Ziel ist es, später mal als Dolmetscherin zu arbeiten“, sagt das Mädchen, das momentan in der 101. Oberschule den Kurs „Deutsch als Zweitsprache“ belegt. Äußerst rasant ist auch die Entwicklung des 19-jährigen Habib Hussani, der beim DNN-Gespräch mit Kamila und ihrer Familie bereits als Dolmetscher hilft. Denn vor acht Monaten sprach der Afghane überhaupt noch kein Deutsch.

„Ich besuche zwar jeden Tag einen Deutschkurs, aber ich kann die Sprache vor allem deshalb so gut, weil ich mich oft zum Selbststudium in die Bibliothek gesetzt habe“, sagt er in nahezu fehlerfreiem Deutsch. Manchmal versuche er auch in Parks oder an der Elbe bestimmte Sätze mit Einheimischen zu bereden. „Ich frage Deutsche, ob sie mich korrigieren wollen. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Manche haben Lust und andere eben nicht“, so Hussani, der genauso wie Kamila und ihre Familie bei Fragen des Sprachunterrichts und bei Alltagssorgen vom Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk (SUFW) unterstützt wird.

„Im Ortsamtsbereich Cotta betreuen wir etwa 1300 Asylbewerber. Neben den hauptamtlichen 13 Sozialbetreuern, die sich vor allem um Probleme mit der Wohnung oder mit Ämtern kümmern, sind 60 Ehrenamtliche Teil unseres Teams“, sagt SUFW-Regionalkoordinatorin Mariana Seeboth. Die Menschen kämen aus allen Gesellschaftsschichten. „Es handelt sich beispielsweise um Studenten, Rentner, Lehrer, Ärzte oder Künstler“, sagt sie. Diese geben entweder Deutschkurse oder übernehmen eine Patenschaft für Einzelpersonen und Familien. Dabei schaut die Koordinatorin genau hin, dass Helfer und Flüchtling zusammenpassen. „Wir würden zum Beispiel keine 19-jährige Helferin in eine reine Männer-WG schicken. Ich führe deshalb immer ein einstündiges Gespräch, um auszuloten, wo jemand am besten eingesetzt werden kann“, sagt die 35-Jährige, die sich stets über neue Interessenten freut.

Von Stephan Hönigschmid

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