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Studenten operieren am offenen Schweineherzen

Studenten operieren am offenen Schweineherzen

Einen besonderen Workshop hat das Herzzentrum jungen Studenten und Schülern offeriert: Am offenen Schweineherzen konnten die Jungmediziner erstmals das Nähen und Knüpfen üben.

"Das Schöne ist, dass Anatomie und Größe des Schweineherzens dem eines menschlichen Herzens sehr ähnlich ist", erklärt Professor Dr. Sems-Malte Tugtekin, Kursleiter und Oberarzt der Klinik für Herzchirurgie.

Allein Material kostet 3400 Euro

Einmal im Jahr wird Studenten diese Möglichkeit geboten. "Öfters sind diese Workshops leider nicht machbar, weil allein das Nahtmaterial auf dem Tisch um die 3000 Euro kostet", erklärt Carola Lehmann, die den Kurs seit vier Jahren koordiniert. Auch die Herzklappen, ob nun biologisch, sprich vom Schwein, oder mechanisch, kosten um die 400 Euro. "Ohne unsere Partner aus der Industrie würde das alles gar nicht funktionieren. Von einer Klappenfirma bekommen wir beispielsweise die Schweineherzen", erzählt Professor Tugtekin. Nur so war es auch möglich, dass über zwei Tage vier Gruppen von Studenten ihr Können an einem Herzen ausprobieren konnten.

Unter der Anleitung von Professor Tugtekin und weiteren erfahrenen chirurgischen Kollegen lernten die Studenten schrittweise, eine Herzklappe einzunähen, dann eine Aortenprothese zu befestigen und einen Bypass zu legen. Der dreistündige Workshop war für alle Teilnehmer kostenlos und freiwillig. "Die Studenten machen dies außerhalb ihrer regulären Studienzeit", sagt Lehmann. Mit Begeisterung wurde ihr Angebot angenommen, denn solch komplexe Eingriffe erledigen sonst nur die Oberärzte mit Unterstützung durch die Assistenzärzte. Studenten können eigentlich nur zuschauen.

Ruhige Hand gefragt

Richtig engagiert arbeitete auch der 17-jährige Moritz Darbinjan an seinem Herzen. Mit ruhiger Hand näht er in der Aortenklappe kleine weiße Blättchen zu einem lückenlosen Kreis. Dies ist besonders wichtig, damit später durch die neu eingesetzte Herzklappe kein Blut in die falsche Richtung fließen kann. Die Tipps von den Oberärzten nimmt er gewissenhaft entgegen. Als der Kreis beendet ist, setzt Moritz die mechanische Herzklappe ein. Die Ärzte sind zufrieden mit dem Elfklässler des Sankt-Afra-Gymnasiums Meißen. Moritz will später Medizin studieren.

Extra aus Breslau angereist

Ihrem Traum schon ein Stückchen näher sind die Medizinstudenten Denise, Franziska und Stephan. Sie sind an der Medizinischen Fakultät eingeschrieben. Auch sie dürfen zum ersten Mal an einem echten Herzen üben. "Ich bin jetzt im sechsten Studienjahr. Dies ist das Praxisjahr, wo ich schon viel in der Klinik unterwegs bin. Aber so etwas wie heute darf ich noch nicht machen", erklärt Stephan.

Am benachbarten Tisch sind Anna und Krzysztof am Nähen, die für den Workshop sogar aus Breslau angereist sind. Sie haben bereits erfolgreich die neue Herzklappe eingenäht und mit einer Aortenprothese verbunden, so dass ihnen noch Zeit für einen Bypass bleibt. Dabei wird ein stark verengtes oder komplett verschlossenes Herzkranzgefäß überbrückt, um die ausreichende Blutversorgung des Herzmuskels wiederherzustellen. "Man kann dafür sowohl Venen als auch Arterien verwenden. Am besten geeignet für einen Bypass am Herzen ist die linke Brustwandarterie, da der Patient an dieser Stelle bereits offen ist, kein weiterer Schnitt, beispielsweise am Arm oder am Bein, gesetzt werden muss und die Brustwandarterie am längsten offen bleibt", erklären die Mediziner.

Tugtekin ist begeistert. Er wandert mit motivierenden Bemerkungen zwischen den Tischen hin und her und freut sich über die hochkonzentrierten Gesichter. "Die Studenten machen das toll. Besser hätte ich es nicht machen können." Lehmann sagt: "Am liebsten würde er einigen schon einen Arbeitsvertrag geben und sie in der Klinik behalten." Doch da wird der Oberarzt wohl noch ein paar Jahre warten müssen. Für die Studenten ist dies ein Riesenlob, mit dem sie motiviert zurück in den Hörsaal oder ins Klassenzimmer gehen. Nadine Steinmann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.03.2013

Nadine Steinmann

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