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Streit um den Bühnenboden: Bei der Ausstattung im Kraftwerk Mitte muss gespart werden - aber wo?

Streit um den Bühnenboden: Bei der Ausstattung im Kraftwerk Mitte muss gespart werden - aber wo?

Immer mal wieder steckt neugierig ein Schauspieler die Nase durch die Tür zur Probebühne, in der gut 20 Menschen intensiv auf den Fußboden schauen. Hier im Theater Junge Generation (tjg) in Cotta entscheidet sich, auf welchen Brettern die Künstler ab Ende 2016 wandeln: Der Bauherr Kommunale Immobilien Dresden GmbH & Co KG (KID) sucht den Belag für die Bretter, die die Welt bedeuten.

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Das Nonplusultra aller Bühnenböden im Vordergrund: die Schwarzkiefer. Aber der Belag ist teuer.

Quelle: Dietrich Flechtner

Zwei Welten prallen aufeinander: Die der Bühnenplaner, die ein massives Problem haben - sie müssen 200 000 Euro sparen. Mindestens. 14 Millionen Euro dürfen die Bühnen im Kraftwerk Mitte kosten, inklusive Ausstattung. Die Staatsoperette und das tjg würden gerne das Doppelte investieren, doch das geht nicht. Das Geld ist knapp. Bühnenplaner Christoph Hahn und der Projektleiter der Baufirma Züblin, Hartmut Beyer, hatten eine Idee: Sie entdeckten einen Bühnenbelag, der deutlich billiger war als der von den Theatern vorgeschlagene. Birke aus Finnland statt der teuren Schwarzkiefer könnte helfen, die Etatlücke zu schließen.

Könnte: Erst mussten die finnischen Bretter getestet und mit altbewährten Produkten verglichen werden. Vier Hölzer schickte Beyer auf der tjg-Probebühne in den Härtetest: Schwarzkiefer, Buche, finnische Birke beschichtet und finnische Birke unbeschichtet. Makellos und eben sahen die Fußbodenplatten Anfang Mai aus, doch dann ließ Beyer Studenten von der Leine. Die jungen Männer leisteten ein brutales Zerstörungswerk: Nacht für Nacht heizten sie mit schwer beladenen Bühnenwagen über den Holzboden.

Tagsüber probten die Mimen des tjg auf der Bühne, nachts rumpelte und quietschte es. Wassertanks rollten von A nach B, ein Klavier wurde quer durch den Raum geschoben, die Studenten rückten dem Holz mit Bohrer und Dübel zu Leibe. Die nackten Zahlen: 9172 Bewegungen und 1993 sogenannte "invasive Maßnahmen" wie Schrauben, Nageln und Dübeln mussten die Bretter innerhalb von drei Wochen über sich ergehen lassen. Das muss normales Bühnenholz in einem ganzen Jahr aushalten.

"Alle Hölzer sahen durch die Bank weg verheerend aus", erklärte Beyer. Deshalb seien die Proben geschliffen und neu lackiert worden. Dann mussten die Studenten noch einmal eine Woche ran. Rund 4000 Bewegungen setzten dem sanierten Holz zu, der Umsatz eines halben Jahres wurde simuliert.

Der Laie bemerkt keine Unterschiede: Überall haben sich Krater in die Oberfläche gefressen - Bohrlöcher, damit die Kulissen mit Schrauben befestigt werden können. Die schwarze Farbe ist an vielen Stellen abgeblättert, insgesamt ein trauriger Anblick. Die Experten erkennen feine Unterschiede: "Wir sind uns einig darüber, dass Buche ungeeignet für die Hauptbühne ist", sagt Lutz Hofmann, technischer Direktor des tjg. Zu hart sei das Holz, die Bühnenarbeiter könnten es mit ihren Bohrern nicht bearbeiten. "Wir kommen da nicht rein." Für die Nebenbühnen dagegen könne Buche durchaus verwendet werden.

Dann schlägt der günstigen Birke die Stunde: Hofmann und sein Kollege Mario Radicke von der Staatsoperette senken gnadenlos den Daumen: Durchgefallen! Weder beschichtet noch unbeschichtet sei der Belag zu verwenden, meinen die Herren über Bühnen und Technik. Die dünnen Furnierplatten würden brechen, die Risse sich immer weiter ausdehnen. "Die Oberfläche wird angreifbar", bringt Radicke seine Auffassung auf den Punkt. Birke sei zwar im Einbau billiger als die von den Theatern empfohlene Schwarzkiefer, dafür würden die Folgekosten aus dem Ruder laufen: "Wir müssten jedes Jahr sehr aufwendig sanieren", so Radicke und Hofmann.

So sehr Hahn und Beyer auf Vorzüge der Birke verwiesen, so sehr winkten Hofmann und Radicke ab. Wenn es nach den Theaterleuten geht, müssen die 200 000 Euro an anderer Stelle gespart werden. Doch die Theaterleute können nur empfehlen, entscheiden muss des der Bauherr. Morgen wollen KID-Geschäftsführer Axel Walther und Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) darüber beraten, welche Bretter die Bühnen bekommen werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.07.2015

Thomas Baumann-Hartwig

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