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Streit um Miete: Vonovia verprellt Mieter in Dresden

Neue Woba-Chefs ignorieren Mietspiegel Streit um Miete: Vonovia verprellt Mieter in Dresden

Die neuen Woba-Chefs ignorieren den Dresdner Mietspiegel und steigerten in der Innenstadt die Miete über Marktlage. Nach DNN-Recherchen lenken die Vonovia-Chefs jedoch ein und relativieren ihre Aussagen. Die Klage gegen einen Mieter wurde ebenfalls spontan zurückgezogen.

Egon Hoffmeier hat sich mit der Vonovia angelegt, um eine zu deftige Mieterhöhung für seine Wohnung auf der Maternistraße abzuwehren.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Ein 55 Jahre altes Wohnhaus in dürftigem Zustand, ein Gewerbekomplex direkt gegenüber und lautes Kopfsteinpflaster vor der Haustür – Egon Hoffmeier wäre nie auf den Gedanken gekommen, seine Wohnlage als „gut“ einzustufen. Sein Vermieter, die Vonovia (ehemals Gagfah, davor Woba), kam aber genau auf diese Idee. Dass der Wohnkomplex an der Maternistraße 1 bis 9, in dem Hoffmeier seit 2011 lebt, vom offiziellen Dresdner Mietspiegel als Wohnlage „mittel“ definiert wird, hat sein Vermieter offensichtlich ignoriert.

„Die letzten beiden Mieterhöhungen wurden ordnungsgemäß auf Basis der Wohnlage ‚mittel’ durchgeführt. Im Juli 2015 kam dann die Ankündigung, ab Oktober eine Mieterhöhung auf Grundlage ‚gut’ durchzuführen“, so Hoffmeier. Das bedeute für den Rentner im konkreten Fall eine Mieterhöhung von mehr als fünf Prozent statt der bisherigen zwei bis drei Prozent. Hoffmeier wehrte sich und antwortete der Vonovia, er akzeptiere lediglich eine Erhöhung auf Basis der regulären Mietspiegel-Einstufung. Der Vermieter antwortete darauf, der Mietspiegel diene nur als „Orientierungshilfe“ und man habe sich entschlossen, die Wohnlage rund um die Maternistraße neu zu bewerten. Im Einzelnen führte die Vonovia auf, dass sich sowohl die städtische Qualität als auch die kommunale Infrastruktur gebessert hätten. Deshalb setze man die Endwohnlage nun als „gut“ an.

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Diesen Plattenbau in der Maternistraße hat die Vonovia, seit ein paar Monaten neue Eigentümerin der alten Dresdner Woba-Bestände, mit der Lage „gut“ eingestuft und entsprechend üppig die Miete anheben wollen. Der Mietspiegel der Stadt hingegen sagt, die Lage ist „mittel“. Das sah auch Mieter Egon Hoffmeier so und wehrte sich.

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Als Hoffmeier die aus seiner Sicht überzogene Mieterhöhung im Oktober erneut ablehnte, verwies er noch einmal ausdrücklich darauf, einer Erhöhung auf Grundlage „mittel“ zuzustimmen. Mehrere Wochen antwortete die Vonovia nicht, bis schließlich Mitte Dezember eine Klage vom Amtsgericht Dresden bei Hoffmeier landete. Als der erste Schock verflogen war, staunte der Rentner nicht schlecht. In der Klageschrift hieß es nämlich, er solle einer Mieterhöhung aufgrund einer „mittleren“ Wohnlage zustimmen. Hoffmeier wandte sich an die DNN, um auf seine Situation aufmerksam zu machen. Wir befragten daraufhin den Anwalt der Vonovia, Peter Eich, warum die Firma auf eine Mieterhöhung auf Grundlage „mittel“ klage, wenn Hoffmeier dieser doch bereits mehrfach zugestimmt hatte. Eich wollte sich zwar zum konkreten Fall nicht äußern, gab aber zu verstehen, dass viele Klagen wegen formaler Fehler der Mieter zustande kämen. So hätte es Hoffmeier dem Anwalt zufolge verpasst, seinem Vermieter mitzuteilen, dass er eine Mieterhöhung auf Grundlage „mittel“ zustimme.

Da dies offensichtlich nicht den Tatsachen entsprach, baten die DNN die Vonovia, den Sachverhalt aufzuklären. Die Antwort ließ staunen. Der Vermieter teilte uns mit, „dass man sich im Zuge des Verfahrens und nach eingehender Beratung den Argumenten des Stadtplanungsamtes angeschlossen“ hätte. Da der Mieter einer Mieterhöhung um „mittel“ ja zugestimmt habe, würde man von der Klage „Abstand nehmen“. Kurioserweise hatte der Vonovia-Anwalt Eicher noch am selben Tag gegenüber DNN erwähnt, dass 95 Prozent seiner Anklagen „wasserdicht“ seien und es daran nichts zu rütteln gäbe. Egon Hoffmeier wusste zu diesem Zeitpunkt aber noch nichts über den Rückzug der Klage.

Doch damit nicht genug. Auf weitere Nachfrage der DNN gab die Vonovia bekannt, dass man im gesamten Wohnkomplex der Maternistraße 1 bis 9 insgesamt 25 Mieterhöhungen ausgesprochen habe und diese nun alle „prüfen und korrigieren“ werde. Doch ob die Mieter, die bereits einer zu hohen Mieterhöhung zugestimmt haben, auf eine „Korrektur“ hoffen können, bezweifelt Matthias Wagner vom Mietverein Dresden. „Wer einmal zugestimmt hat, kann das nicht mehr in Frage stellen. Deshalb sollten alle Mieter ihre Mietanpassungen genauestens überprüfen. Wer blind zustimmt, leistet einen nicht unerheblichen Beitrag zur langfristigen Steigerung der Ortsvergleichsmiete“, so der Mietexperte.

Ob noch weitere Häuser im Bereich zwischen der Freiberger Straße und der Ammonstraße betroffen sind, ist offen. Neben der Vonovia betreibt auch die Sächsische Wohnungsgenossenschaft Dresden (SWGD) in diesem Gebiet mehrere Objekte. „Wir halten uns strikt an die Vorgaben und Richtlinien im Mietspiegel. Die Wohnlage für dieses Gebiet ist unverändert ‚mittel’“, so SWGD-Sprecherin Katrin Papke.

Von Sebastian Burkhardt

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