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Streit um Kita-Größen in Dresden

Streit um Kita-Größen in Dresden

Rund vier Prozent der Dresdner Kindertageseinrichtungen sind Groß-Kitas mit 300 oder mehr Plätzen - und Mitte 2013 kommt mit der Kita bei der Heeresschule an der Marienallee eine weitere solche Einrichtung hinzu.

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Viele der größeren Kitas in Dresden - hier die Mädchen und Jungen vom "Kinderhaus Leubnitz" entstanden ursprünglich zu DDR-Zeiten.

Quelle: Christian Juppe

Dieser Trend gefällt nicht allen Eltern. Mit steigender Einrichtungsgröße steige auch der Gruppendruck, dies schade der "Entwicklung von Individualität und Selbstbestimmung" bei den Kindern, kritisiert die Dresdner Elterninitiative "Lernorte für Dresden". Initiativ-Sprecherin Claudia Franke beruft sich dabei auf Fachliteratur zur frühkindlichen Bildung.

Von Heiko Weckbrodt

Dies sehen Kita-Eigenbetrieb und der Dresdner Kita-Experte Prof. Holger Brandes von der - auf Sozialarbeit und Bildung spezialisierten - "Evangelischen Hochschule Dresden" allerdings etwas anders. "Mir sind keine Forschungen über solch einen Zusammenhang bekannt", erklärte Prof. Brandes. Nach seiner Einschätzung könne man auch keineswegs pauschal annehmen, dass große Kitas eine schlechtere Betreuung für die Kinder oder eine mindere pädagogische Qualität mit sich bringen, wie von der Elterninitiative befürchtet. "Das kommt auf die Binnenstruktur an", sagte der Experte.

Ein offenes Konzept mit wechselnden Gruppen sei für eine große Kita sicher nicht empfehlenswert. Habe das Kind aber eine klare Bezugsgruppe mit höchstens 24 Kameraden, könne dies gut funktionieren.

Experte: Kinder identifizieren sich mit Gruppe, nicht mit Einrichtung

Für ihn sei nachvollziehbar, so Brandes, dass sich Eltern über Großkitas sorgen. "Für die Kinder hat das aber kaum Relevanz. Sie identifizieren sich zum Beispiel mit ihrer ,Pinguin'- oder ,Bären'-Gruppe, mit ihren Erzieherinnen, während sich Eltern stärker über die Einrichtung identifizieren." Eine große Kita biete unter Umständen gar Vorteile, da sie eigene Experimentierlabore, Werkstätten für kreatives Gestalten und dergleichen einrichten könne. Ein Spektrum, das kleine Kindergärten nur schwer anbieten können.

Das sieht auch Sabine Bibas, Leiterin des städtischen Kita-Eigenbetriebes, ähnlich. "Wenn in einer kleinen Kita mit wenigen Erzieherinnen eine krank wird, muss ich Ersatz von außerhalb besorgen und für die Kinder wechselt dann die Bezugsperson"; nennt sie ein Beispiel. In größeren Kitas seien hingegen Krankheits- und Urlaubsvertretung sowie lange Öffnungszeiten besser zu organisieren. "Außerdem können Sie in einer größeren Kitas mehr Bandbreite anbieten, weil es einfach mehr Erzieherinnen mit unterschiedlichen Talenten und verschiedenen Alters gibt: Die eine kann Gitarre spielen, die andere singt oder tanzt gern und so weiter."

Kritik an "chinesischen" Verhältnissen

Entzündet hatte sich die Diskussion um möglicherweise überdimensionierte Kita-Bauten zuletzt an der erwähnten Kita an der Marienallee. Die wird - vor allem auf Initiative der benachbarten Offiziersschule des Heeres - von einem privaten Investor errichtet, soll im Sommer 2013 fertig sein und dann Platz für rund 300 Kinder bieten. Dieses Dresdner Bauprojekt war für die Bremer Sozialpädagogin und Regierungsberaterin Ilse Wehrmann Anlass, vor "chinesischer Massenunterbringung" in der ostdeutschen Kinderbetreuung zu warnen.

Zu Stande gekommen sei die nun projektierte Größe der Kita an der Marienallee auf Wunsch des Investors, der mehr Platzkapazitäten als ursprünglich vorgesehen angeboten habe, betonte Bibas: "Hätte ich das bei dem Platzmangel in der Neustadt abgelehnt, wäre ich genauso kritisiert worden."

Allerdings ist dieses Haus nicht das Einzige dieser Größe in Dresden: Ähnlich wie andere Kommunen in Sachsen nutzt der hiesige Eigenbetrieb einige der sogenannten "Kinderkombinationen" aus DDR-Zeiten weiter - Kitas in "Doppelwürfel"-Bauweise mit großen Kapazitäten.

16 von 376 Dresdner Kitas betreuen über 300 Kinder

16 der insgesamt 376 Kindereinrichtungen in Dresden haben laut den städtischen Verzeichnissen eine Größe von 300 oder mehr Kindern, größtenteils sind dies Horte, einige aber auch Kombinationen aus Krippe, Kindergarten und Hort.

"Die bereits seit Jahren existierenden Dresdner Praxisbeispiele zeigen sehr deutlich, dass man den Bedürfnissen von Kindern, Eltern und pädagogischen Personal auch in Kitas mit 300 Kindern sehr gut gerecht werden kann", schätzte Marco Fiedler ein, der persönliche Referent von Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos). "Es ist ganz wie im Leben jeweils eine Frage des Konzeptes."

Dass allerdings neue Kitas in dieser Größenordnung - wie im Falle der Marienallee - gebaut werden, ist laut Bibas trotz des akuten Krippenplatz-Mangels in Dresden eher die Ausnahme. Soweit der Eigenbetrieb nicht durch bauliche, denkmalpflegerische oder sonstige Vorgaben eingeschränkt werde, halte man bei Kita-Neubauten Größenordnungen zwischen 140 und 180 Plätzen für eine optimale Größe. "Dass kleinere Kitas die besseren Kitas seien, würde ich jedenfalls nicht sagen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2012

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