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Straßenmusik: Bekannter Pianist vom Ordnungsamt Dresden abgeführt

Kein Platz für Künstler Straßenmusik: Bekannter Pianist vom Ordnungsamt Dresden abgeführt

Am Dienstagabend sorgte die Verordnung für Straßenmusik wieder einmal für Aufsehen. Der bekannte Straßenpianist Davide Martello wurde von Mitarbeitern des Ordnungsamtes rigoros vom Schlossplatz entfernt, weil er gegen die Regeln verstoßen habe.

Davide Martello begeistert am Theaterplatz regelmäßig hunderte Menschen mit seiner Musik. Am Dienstag wurde er auf Grund der Regelungen für Straßenmusiker vom Ordnungsamt abgeführt. Der Pianist hatte sich an einer Laterne festgekettet.

Quelle: DNN-Archiv/Babette Schneider

Dresden. Am Dienstagabend sorgte die Verordnung für Straßenmusik wieder einmal für Aufsehen. Der bekannte Straßenpianist Davide Martello wurde von Mitarbeitern des Ordnungsamtes rigoros vom Schlossplatz entfernt, weil er gegen die Regeln verstoßen habe. Hintergrund ist die neue Verordnung zur Straßenmusik vom Juni dieses Jahres. Demnach dürfen Künstler ohne Anmeldung maximal 30 Minuten an einem Ort spielen, danach müssen sie ihn wechseln oder 90 Minuten warten.

Der Künstler startete seine Darbietung gegen 19 Uhr, brach sie aber nach zehn Minuten wieder ab. "Ein Pfarrer berichtete mir, dass der Knabenchor der Hofkirche noch ein Konzert bis 20 Uhr gibt. Aus Respekt habe ich mein Spiel dann unterbrochen", so Martello. Als er gegen 20 Uhr sein Spiel fortsetzte, blieben ihm nur reichlich zehn Minuten, ehe ihn plötzlich auftauchende Mitarbeiter des Ordnungsamtes belehrten.

"Die Beamten nahmen meine Personalien auf und forderten mich auf, den Platz zu verlassen. Ich habe mich wie ein Verbrecher gefühlt", so der 34-jährige Pianist. Weil er sich bedroht und in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt fühlte, kettete er sich symbolisch an einer Laterne fest. Letztlich trennten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes den Künstler gewaltsam von seinem Piano. "Ich wurde im Polizeigriff abgeführt und in einen Transporter gesetzt", berichtet Martello.

Nach 20 Minuten durfte er dann gehen. "Das Ordnungsamt wies mich daraufhin, dass man bei einem erneuten Verstoß mein Piano in Beschlag nehmen werde und eine Strafe von mehreren Tausend Euro auf mich zukommt", so der Künstler weiter. Das Ordnungsamt bestätigte den Vorfall gegenüber den DNN. Martello habe sich laut der Behörde zunächst falsch ausgewiesen und sei der Aufforderung, das Spielen zu beenden, nicht nachgekommen. Deshalb führten die Beamten ihn unter Anwendung von körperlicher Gewalt zum Dienstfahrzeug. Laut Aussagen von Stadtsprecher Kai Schulz war Martello auch nicht angekettet.

Die aktuelle Regelung zur Straßenmusik bietet den Künstlern im Vergleich zur vorherigen deutlich mehr Rechte (DNN berichteten). Dennoch hat Martello dazu seine eigene klare Meinung: "Natürlich muss die Privatsphäre der Anwohner geschützt werden. Deshalb suche ich mir auch immer freie Zonen zum Spielen. Doch ich habe auf dem Schlossplatz niemanden gestört. Kunst darf nicht geregelt werden", erklärt der Pianist.

Die Straßenmusik ist seit Jahren Streitthema im Stadtrat. Während die CDU nach verschärften Regeln strebt, will Rot-Rot-Grün die Freiheit der Künstler stärken. Auch deshalb lockerte der Stadtrat im Juni die harten Regelungen . Trotzdem müsse man sich an diese Regelungen halten, so Christian Avenarius, Vorsitzender der SPD-Fraktion: "Diese Regelung soll für alle gleich gelten, egal, wie gut oder bekannt ein Künstler ist. Wenn wir eine Ausnahme zulassen, würde die vom Stadtrat beschlossene Verordnung an Gültigkeit verlieren."

Davide Martello wird heute Abend ab 19 Uhr erneut auf dem Schlossplatz musizieren. "Angst habe ich keine. Die Kulisse ist einzigartig und wunderschön. Ich will die Menschen dazu ermutigen, ihre Freiheit auszuleben", so der Pianospieler. Martello wurde für sein mutiges Spielen auf dem Maidan in Kiew, dem Taksim-Platz in Istanbul und gegen die gewaltbereiten Hooligans in Köln mit dem Europäischen Bürgerpreis 2015 ausgezeichnet.

Sebastian Burkhardt

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