Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+
Steinerne Zeugen im Dresdner Lapidarium erinnern an Bombennächte

Steinerne Zeugen im Dresdner Lapidarium erinnern an Bombennächte

Krähen drehen kreischend ihre Runden um die Ruine der Zionskirche in der Südvorstadt. Der Winterwind pfeift sprichwörtlich durch das Blechdach, das über den Resten des am 13. Februar 2013 zerstörten Gotteshauses installiert wurde.

Im Innern des Gemäuers lagern - säuberlich registriert - steinerne Zeugen jener verheerender Bombenangriffe, die weite Teile Dresden vor 60 Jahren in Schutt und Asche legten. Und freilich weist auch die Kirchenruine, in der die Stadt seit den 1990ern ein Lapidarium unterhält, noch immer Spuren der Bombennacht auf, in der sie nicht einmal 33 Jahre nach ihrer Weihe ausbrannte.

Gerd Pfitzner vom Denkmalamt der Landeshauptstadt zeigt tiefe Wunden im Sandstein, die von einer unmittelbar neben der Kirche detonierte Sprengbombe stammen. Rund 7.000 architektonische Fragmente aus verschiedensten Epochen der Stadtgeschichte lagern derzeit im Lapidarium. Das älteste Stück ist eine Grabplatte aus Briesnitz, die auf das Jahr 1050 datiert ist. Erklärtes Ziel der Stadtverwaltung ist es, möglichst viele der Objekte aus einst zerstörten Gebäuden und Gartenanlagen wieder an öffentlich zugänglichen Orten einzubauen oder aufzustellen. Das trifft auch auf Bauelemente zu, die zunächst Sanierungen oder Modernisierungen weichen mussten. So wurden beispielsweise kunstvoll gestaltete stählerne Pfeiler einer früheren und inzwischen erneuerten Eisenbahnbrücke am Bahnhof Mitte bei der Gestaltung des öffentlichen Parks an der Ecke Harkort-/Großenhainer Straße eingesetzt. Einzelne Säulen liegen noch im Hof des Lapidariums, zeigt Pfitzner. Im Lapidarium lagern Objekte aus Stein, Bronze, Eisen, Keramik und sogar aus Holz. Selbst scheinbar simple Wohnungstüren - noch mit Namen am Briefkastenschlitz - haben die Denkmalpfleger eingelagert. Auch Architekturelemente aus den vier DDR-Jahrzehnten haben ihren Platz im Lapidarium gefunden, so etwa das Betondenkmal, das an den SED-Gründungsparteitag im Kurhaus Bühlau erinnert. Selbst für Laien unscheinbare Einfassungen aus den ehemaligen Touristengärten zwischen den heutigen Ibis-Hotels an der Prager Straße wurden als Muster erhalten und eingelagert.

Aus Kriegstrümmern sichergestellte Fassadenelemente werden unter anderem beim Wiederaufbau des Neumarktes eingesetzt. Bauherren erhalten die historischen Fragmente kostenfrei, müssen nur den fachgerechten Transport vom Lapidarium zur Baustelle organisieren. Ist der Zustand durch Verwitterung oder Kriegsschäden zu schlecht, um sicher in Gebäude integriert zu werden, lassen die Bauherren häufig Kopien anfertigen.

Den Grundstein für die Sammlung hatte Gerhard Ebeling (1899 - 1981) gelegt. Der ehemalige Lehrer und spätere Bauzeichner barg im Auftrag des Denkmalamtes mit einem Bautrupp gleich nach Kriegsende akribisch Tausende Trümmer, erklärt Pfitzner. Anfangs waren die Fundstücke in verschiedenen Arealen eingelagert, so in den Überresten des Schloss, im Taschenbergpalais und in den Kassematten. Bereits 1985 entstand die Idee, die Ruine der Zionskirche als Zentrallager einzurichten. Die Kirchgemeinde vollzog einen Grundstückstausch mit der Stadt, nachdem sie drei Jahre zuvor eine neue Zionskirche - erbaut mit Geld aus Schweden - in der Bayreuther Straße bezogen hatte. Mitte der 1980er Jahre begann recht schleppend die Beräumung des Schlosses für den geplanten Wiederaufbau. Dafür mussten dort eingelagerte Trümmerteile weichen. Fertig war das heutige Depot in der Zionskirch-Ruine aber erst zehn Jahre später. Hier liegen nun die meisten - mitunter tonnenschweren - Stücke vor Verwitterung geschützt in Hochlagern. Bei etwa 98 Prozent sei die genaue Herkunft nachgewiesen, hieß es. Von der Frauenkirche gab es hingegen keine Steine im Lapidarium. Die waren alle auf dem einstigen Trümmerberg verblieben. Mit dem Wiederaufbau wurden lediglich wenige Fundstücke des romanischen Vorgängerbaus ins Lapidarium gebracht.

Im Jahr 2010 hatte der Verein "Friends of Dresden" erstmals die Idee für ein sogenanntes Friedensmuseum auf dem Neumarkt öffentlich in die Diskussion gebracht. Dort sollten vom Krieg geschundene Bauelemente sowie von Feuer und Munitionseinschlägen gezeichnete Denkmale öffentlich gezeigt werden, um die Ausmaße der Zerstörungen für heutige Generationen erlebbar zu machen und vor dem Vergessen zu bewahren. Allerdings scheiterte das Vorhaben bisher an geeigneten Grundstücken zur Präsentation. Hin und wieder keime die Idee zwar noch auf, sagt Pfitzner. Pläne für eine konkrete Umsetzung gibt es aktuell aber scheinbar nicht. Der Verein selbst war trotz mehrerer Versuche nicht zu erreichen.

Zwar ist das Lapidarium kein Museum, trotzdem kann es nach Voranmeldung auch von Einzelpersonen besichtigt werden. Regelmäßige Gäste sind die Seniorenakademie, Architekturstudenten und Gymnasiasten. Führungen gibt es alljährlich zum Tag des offenen Denkmals im September. Anmeldung zu kostenlosen Besichtigungen unter Tel. 0351-4767819 oder 0351-4888936. Das Lapidarium befindet sich in der Hohen Straße 24 nahe des Nürnberger Eis.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.02.2015

Lars Müller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
25.11.2017 - 08:34 Uhr

Die Oberlausitzer empfangen Einheit Rudolstadt / Kamenz empfängt Wismut Gera

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.