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Stein-Reich: Christoph Blödner recycelt gebrauchte Legosteine und verschickt sie in die ganze Welt

Stein-Reich: Christoph Blödner recycelt gebrauchte Legosteine und verschickt sie in die ganze Welt

Millionen kleiner bunter Steine, das unverkennbare Rasseln und Klackern und vor allem eins: eine Idee. Christoph Blödner steht inmitten eines Kinderparadieses.

Um ihn herum lagern zirka fünf Millionen Legosteine in allen nur erdenklichen Formen und Farben. Das entspricht einem Gewicht von etwa fünf Tonnen. Die kleinen Steinchen werden nach dem Aufkauf in mehreren Teilschritten sortiert, gewaschen und weltweit verschickt. Seine Dresdner Firma "Bricksy" hat sich in nur sieben Jahren zum weltweit größten Internetversandhandel für gebrauchtes Lego gemausert.

Die Faszination Lego, die bis heute noch Kinder und Jugendliche begeistert, begann auch bei Christoph Blödner im Kindesalter. 1989 schenkten ihm seine Eltern vom Begrüßungsgeld eine Ritterburg aus Lego - von da an sein ganzer Stolz. Während seines Studiums absolvierte er Praktika bei großen Firmen wie Bosch. Schon dort sei ihm klar geworden, dass er zukünftig nicht unter einem Chef arbeiten will. Als er in seinem Keller eine Kiste mit altem Lego-Spielzeug fand, nahmen die Dinge ihren Lauf. "Mir kam die Idee, diese Sets zu verkaufen, um ein bisschen Geld neben dem Studium zu verdienen", sagt der heute 32-Jährige. Er verkaufte bei der Online-Plattform Ebay und stellte dabei erhebliche Preisdifferenzen zwischen kompletten Sets und einzelnen Steinen fest.

Ein-Mann-Firma wird zu Großhandel

Seine Geschäftsidee war geboren. Er kaufte für 1000 Euro, die er in den Praktika verdient hatte, 100 Kilogramm gebrauchter Lego-Steine. Während seines Studiums sortierte er so nach und nach Hunderte der kleinen, innovativen Einzelteile. Da viele der gekauften Miniatur-Bauklötzer verdreckt waren, wusch er sie auch - in einer handelsüblichen Waschmaschine. "Mein Stundenlohn lag damals bei einem Euro", sagt er lachend. "Da spielte wohl doch das Hobby noch eine größere Rolle als der tatsächliche Unternehmergeist."

Die fertigen Sets verkaufte er dann teurer weiter - für insgesamt 3000 Euro. Seine Idee eines Lego-Internetversandhandels wurde immer mehr zu einem Plan. Angst vor der Selbstständigkeit habe er nie gehabt. "Um das Risiko des Scheiterns zu minimieren, kümmerte ich mich zunächst parallel um den Versandhandel und mein Studium", erklärt der 32-Jährige. Direkt mit dem bestandenen Diplom in der Hand wurde es 2008 dann ernst. Mit einem Existenzgründungsdarlehens in Höhe von 20 000 Euro von der Sächsischen Aufbaubank gründete er die Firma "Bricksy".

Inzwischen hat sich seine einst kleine Firma zum weltweit größten Internetversandhandel für gebrauchtes Lego entwickelt. Täglich verlassen 50 000 Steinchen das selbst erschaffene Kinderparadies von Christoph Blödner, um Kinder, Jugendliche, aber auch Bastler und Liebhaber mit den letzten Bauteilen ihrer Projekte zu versorgen. Gerade vergrößert sich die Erfolgsfirma erneut - aus dem jetzigen 240-Quadratmeter-Domizil steht der Umzug in ein 600 Quadratmeter großes Objekt in Gorbitz an. Was 2008 als Ein-Mann-Firma begann, ist inzwischen ein Unternehmen mit insgesamt sieben Festangestellten und 15 Minijobbern, die fleißig sortieren, waschen und verpacken. Zusätzlich sei geplant, in diesem Jahr auch mit der Werkstatt für behinderte Menschen "Luby-Service" von Cultus Dresden, einem sozial ausgerichteten Dienstleistungsunternehmen, zusammenzuarbeiten. Die Verantwortlichen kamen nach einem Artikel in der Zeitung auf den Lego-Händler zu und fragten nach der Möglichkeit einer Kooperation mit dem erfolgreichen Unternehmen. "Ich war zuerst skeptisch, aber grundsätzlich bereit dazu", sagt Christoph Blödner. So holt die Werkstatt derzeit kistenweise Steinchen ab und bringt sie fein säuberlich sortiert am Ende der Woche wieder zurück. Eine Hand wäscht also die andere. "Die Zusammenarbeit mit Herrn Blödner war ein Glücksfall für uns", erzählt Moritz Glaser, Leiter der Werkstatt für behinderte Menschen. "Der Erfolg in der Gruppe zeigt uns zu 150 Prozent, dass es genau der richtige Weg war."

Doch wie läuft die Sortierung und Waschung der Lego-Teile ab? Christoph Blödner kauft zunächst von der Online-Plattform Ebay verschiedene Lego-Sammlungen auf. An fünf Sortiertischen werden die Steinchen dann nach Farbe und Form in insgesamt 20 verschiedenen Kategorien sortiert. Anschließend werden die Teile gewaschen. Doch wer jetzt denkt, dass eine komplizierte Industriereinigung in mehreren Schritten durchgeführt wird, liegt falsch. So wie einst in der Studienzeit werden die Legosteine auch heute noch in einem großen Sack in einer handelsüblichen Waschmaschine mit handelsüblichem Color-Waschmittel bei 30 Grad Celsius im Feinwaschgang gewaschen. "Inzwischen habe ich schon drei Waschmaschinen zerstört, deswegen habe ich mir dann eine mit mehr Leistung geholt, die auch bis zu zehn Waschgänge am Tag durchhält", erklärt Blödner.

Steine werden sortenrein sortiert

Anschließend werden die Bausteinchen auf riesigen Laken getrocknet. Dann kommen die sauberen bunten Miniatur-Bauklötzer wieder auf den Sortiertisch, um sortenrein zusammengestellt zu werden. So werden zum Beispiel nur Platten oder Vier-Punkt-Steine voneinander getrennt und in kleine Kisten, die mit Namen und Nummern versehen sind, geordnet. "Bei 20 000 verschiedenen Formvarianten sind wir in erster Linie Sortierer", erklärt der erfolgreiche Lego-Händler. So werden die Lego-Teilchen dann ins Internet gestellt und auf Bestellung in die ganze Welt versendet.

Neben dem neuen Domizil gibt es fortan auch eine weitere Neuerung, denn den einstigen Set-Verkauf über die Online-Plattform Ebay gibt es nicht mehr. Dort wurden ganze Bauprojekte der kleinen Steinchen mit Anleitung und den dazu benötigten Bauteilen geliefert. "Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte einfach nicht mehr, deswegen verkaufen wir jetzt nur noch einzelne Teile", erklärt Christoph Blödner. Über die Internetseite "Bricklink", auf der Händler ihre Teile neu und gebraucht anbieten, werden so einzelne Teile in die Welt verschickt. Vergleichbar ist dies mit Ebay, denn die Händler haben jeweils ihre eigene Plattform. So kann man ein Lego-Teilchen dort schon ab 15 Cent ergattern, aber auch Sammlerstücke von bis zu 30 Euro pro Stück sind dabei.

Insgesamt werden 70 Länder von dem Lego-Händler beliefert. "Einen großen Teil machen die USA und Japan aus, aber es gibt auch Bestellungen aus relativ unbekannten Ländern wie Brunei oder Macau", erklärt der Firmenchef. 80 Prozent der Bestellungen werden aus Europa geordert, zehn Prozent aus Amerika und fünf Prozent aus Japan. Besonders angesagt seien vor allem Piraten- und Rittersets aus den 1980er Jahren. Aber auch Star-Wars-Bauanleitungen seien wieder der Renner.

Heute macht das Unternehmen rund eine dreiviertel Million Euro Umsatz im Jahr. "Eigentlich wollten wir letztes Jahr schon die Millionen-Marke knacken", meint der erfolgreiche Lego-Händler verschmitzt lächelnd, "doch das haben wir nicht geschafft. So ist dieses Ziel eben für dieses Jahr wieder angesetzt."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2015

Juliane Just

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