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Statistikstelle: „Zuzug von Asylbewerbern eine große Herausforderung“

Interview Statistikstelle: „Zuzug von Asylbewerbern eine große Herausforderung“

Die Arbeit der Kommunalen Statistikstelle Dresden beinhaltet weit mehr als nur die Veröffentlichung von Infobroschüren und das Pflegen einer Online-Datenbank. Sie ist Voraussetzung zentraler politischer Entscheidungen in allen Abteilungen der Stadt und des Stadtrates.

Lioba Buscher, Leiterin der Kommunalen Statistikstelle

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Die Arbeit der Kommunalen Statistikstelle Dresden beinhaltet weit mehr als nur die Veröffentlichung von Infobroschüren und das Pflegen einer Online-Datenbank. Sie ist Voraussetzung zentraler politischer Entscheidungen in allen Abteilungen der Stadt und des Stadtrates. Egal ob Stadtplanungsamt, Sozialamt, Schulverwaltungsamt oder der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen - für alle bilden die Zahlen der Statistikstelle eine wichtige Grundlage. Im DNN-Interview spricht Lioba Buscher, Leiterin der Kommunalen Statistikstelle, über die Arbeit ihrer Behörde.

Wie ist die Statistikstelle aufgebaut und welche Aufgaben übernehmen Sie?

Unser Aufgabengebiet umfasst neben Statistiken zur Bevölkerung mit ihren vielseitigen Bereichen wie unter anderem Altersstruktur, Migrationshintergrund und Haushalten auch viele andere Themen wie zum Beispiel die kommunale Bürgerumfrage, der Wohnungsbestand und die Bautätigkeit, die Arbeitslosenzahlen und weitere Wirtschaftsdaten und vieles mehr. Zu unseren Aufgaben gehört es zudem, die erstellten Statistiken in geeigneter Form aufzubereiten, um sie allen interessierten Bürgern zur Verfügung zu stellen. Insgesamt sind wir 17 Mitarbeiter.

Wie erstellen Sie eigentlich eine Bevölkerungsstatistik?

Die Grundlage unserer Daten bildet das Melderegister der Stadt. Dort sind unter anderem Alter, Geschlecht und Adresse unserer Bürger enthalten. Auf dieser Grundlage können wir ermitteln, wie viele Personen welchen Alters und Geschlechts in den statistischen Bezirken wohnen. Diese Statistik erstellen wir vierteljährlich.

Und Prognosen?

Als Grundlage hierfür verwenden wir die aktuellen Bevölkerungszahlen und die Bewegungsdaten der Vergangenheit. Da die Prognosen auch für Kitas und Schulen verwendet werden, stützen wir uns dabei auf die Zahlen jeweils zur Jahresmitte. Der komplexe Rechenprozess selbst erfolgt mit dem Programm SIKURS. Prognosen werden grundsätzlich jährlich erstellt.

Was ist ihre älteste Statistik?

Gute Frage. Ich glaube, der Bevölkerungsstand kann bis 1603 zurückverfolgt werden.

Wie versuchen Sie, die Bevölkerungswanderung und beispielsweise größere Wohnungsbauten in den Prognosen zu erfassen?

Wir führen eine Statistik über alle geplanten und fertig gestellten Neubauten. Je nach Bauart verwenden wir verschiedene demografische Schlüssel, die wir aus Daten der Vergangenheit berechnen. In Ein- und Zweifamilienhäuser ziehen mehr Kinder im Alter bis sechs Jahre, als beispielsweise in Mehrfamilienhäuser. Aus den dokumentieren Zu-, Fort- und Umzügen der letzten Jahre erstellen wir Trends, die in unsere Prognosen einfließen. Unsere Annahmen diskutieren wir anschließend noch mit Experten in einer speziell dafür eingerichteten Arbeitsgruppe.

Dürfen Sie Fehler machen?

Demographische Prognosen sind keine Vorhersagen, sondern Wenn-Dann-Aussagen. Sie dienen der Orientierung und vorausschauender Planung. Vor allem unvorhergesehene Ereignisse, wie beispielsweise die „Wende“ oder der aktuelle Flüchtlingsstrom, können für größere Abweichungen sorgen. Natürlich versuchen wir in unsere Berechnungen sehr viele Faktoren so genau wie möglich einzubeziehen. Statistiken sind in der Regel sehr genau, da wir mit bereits bestätigten Zahlen arbeiten. Letztendlich hängt es aber auch vom Meldeverhalten der Dresdner ab.

Wie genau sind Ihre Prognosen denn im Einzelnen?

Das kommt immer ganz darauf an. Vorhersagen von Umzügen und Zu- und Fortzügen vor allem an und über die Stadtgrenze sind sehr unsicher. Bei den Geburten und Sterbefällen hingegen haben wir eine relativ hohe Sicherheit. Für 2014 hatten wir beispielsweise 6200 Geburten vorausgesagt, 6208 waren es dann.

Viele Dresdner sorgen sich momentan, ihre Kinder könnten keinen Kita- oder Grundschulplatz bekommen. Können sie Entwarnung geben?

Unsere Zahlen bilden in diesem Fall nur die Grundlage für das Schulverwaltungsamt und den Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen. Diese prognostizieren dann selbst, wie viele Plätze benötigt werden. Doch grundsätzlich behandeln wir gerade diese Zahlen mit ganz besonderer Sorgfalt und arbeiten eng mit den betroffenen Stellen zusammen. In diesem Bereich liegen wir mit unseren Prognosen in der Regel aber sehr gut. Wie sie der Grafik entnehmen können, gab es in den letzten drei Jahren sogar mehr Plätze als benötigt.

Stellt der enorme Zuzug von Asylbewerbern derzeit und zukünftig Probleme für Sie dar?

Das stellt in der Tat eine große Herausforderung dar. Die Grundlage der aktuellen Prognose war der 30. Juni 2015. Zu diesem Zeitpunkt gab es in der Stadt noch keine Erstaufnahmeeinrichtungen. Über den Umgang mit den aktuellen Zahlen stehen wir momentan in Gesprächen sowohl mit dem Statistischen Landesamt als auch mit anderen sächsischen Städten. Vor allem der Umgang mit den zum Teil nicht erfassten Personen ist sehr schwierig. Wir werden diese Aufgabe aber nicht allein bewältigen müssen, sondern setzen auch auf intensiven Austausch mit anderen Städten, Ländern und dem Bund.

Die meisten Flüchtlinge, die der Stadt aktuell zugewiesen werden, stehen nicht im Melderegister. Wie kommen sie an die notwendigen Informationen?

Wir stützen uns dabei auf die Bevölkerungsstruktur der gemeldeten Flüchtlinge aus den Jahren 2014 und 2015 und rechnen diese hoch. Auch hier diskutieren wir die Ergebnisse in einer Expertenrunde und passen die Zahlen so gut es geht an.

Wie wird sich die hohe Zahl der Flüchtlinge in den kommenden Jahren auf die Entwicklung der Bevölkerung der Stadt auswirken?

Das ist schwer zu sagen. Wir können in unseren Zahlen nur die Zuweisungen in die kommunale Trägerschaft berücksichtigen. Die Einrichtung, Verlagerung oder Schließung von Erstaufnahmeeinrichtungen ist nicht berechenbar. Nach Diskussionen in einer Arbeitsgruppe mit externen Experten gehen wir aber davon aus, dass sich die Asylbewerberzahlen wieder abschwächen werden. Zeitversetzt erwarten wir auch eine Rück- beziehungsweise Weiterwanderung eines Teils der Asylbewerber. Bundesforschungsinstitutionen gehen davon aus, dass westdeutsche Ballungsräume verstärkt das Ziel anerkannter Flüchtlinge sein werden. Dennoch wird die Gesamteinwohnerzahl der Stadt stärker ansteigen, als in den letzten Jahren prognostiziert.

Von Sebastian Burkhardt

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