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Stasi-Spitzel aus Dresdner Hannah-Arendt-Institut nach Bautzen abgeordnet

Stasi-Spitzel aus Dresdner Hannah-Arendt-Institut nach Bautzen abgeordnet

Überraschende Wendung im Stasi-Fall Michael Richter: Der Historiker wird künftig am Sorbischen Institut in Bautzen arbeiten. Das bestätigte die Kuratoriumsvorsitzende des Instituts, Caroline Wagner, gegenüber den DNN.

Unter den Mitarbeitern in der Spreestadt löst die Angelegenheit Unruhe aus.

Richter war früher am Dresdner Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) tägig und hatte sich einen Namen als Forscher zu den Wendeereignissen 1989 gemacht. Ende 2010 wurde allerdings der breiten Öffentlichkeit bekannt, dass Richter zu DDR-Zeiten für die Stasi gearbeitet hatte. Von 1979 bis 1981 war er als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) "Thomas" aktiv. Er schrieb Berichte über Freunde und Kommilitonen. Richter nutzte die Tätigkeit fürs MfS, um in die Bundesrepublik ausreisen zu können, wo er die Mitarbeit aufkündigte. Hier setzte er sein Studium fort und arbeitete später unter anderem für die Konrad-Adenauer-Stiftung. Seit 1994 war Richter, Jahrgang 1952, am Hannah-Arendt-Institut tätig.

Am 23. November 2010 wurde ihm dort fristlos gekündigt, weil die Akten "über den bisherigen Kenntnisstand erheblich hinausgehende Aktivitäten Dr. Richters als IM" belegen würden, sagte HAIT-Chef Günther Heydemann seinerzeit.

Bei einer Überprüfung 1991 hatte die Gauck-Behörde Richter entlastet. "Die Personalie Richter war lange vor meiner Amtsübernahme 1997 durch das Kuratorium des HAIT unter Vorsitz des damaligen Staatsministers Matthias Rößler (CDU) positiv entschieden worden", erklärte der frühere Instituts-Chef Klaus-Dietmar Henke. Zudem habe der frühere Bautzen-Häftling Karl Wilhelm Fricke dem Wissenschaftler ein Entlastungszeugnis ausgestellt. Richter habe sich im Westen sofort als IM offenbart, sagte Fricke. Der heutige Landtagspräsident Rößler erklärte, er habe erhebliche Vorbehalte wegen der Vergangenheit Richters gehabt. Es hätten aber mehrere Gutachten vorgelegen, die das Kuratorium überzeugten.

Unruhe in der Belegschaft

Der Vorgang sorgte erneut für Wirbel rund um ein Institut, dass seit Jahren mit Querelen im Haus und politischen Ränkespielen rundherum zu kämpfen hatte. Unter anderen sprach der Stasi-Landesbeauftragte Michael Beleites von einem "Imageschaden" und der "maximal möglichen Katastrophe" für das HAIT.

Doch Richter wehrte sich in zwei Instanzen erfolgreich. Nach einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts ist die Kündigung unwirksam, erklärte Caroline Wagner. Details nannte sie nicht. Die Beamte aus dem Wissenschaftsministerium ist auch Vorsitzende im Kuratorium des Arendt-Instituts. "Wir müssen der Gerichtsentscheidung folgen", sagte Wagner. So viele Stellen gebe es im Freistaat aber auch nicht. Für die Weiterbeschäftigung werde Richter nun nach Bautzen abgeordnet, aber weiter vom Dresdner HAIT bezahlt.

Laut Betriebsrätin Susanne Hose gibt es unter den Mitarbeitern am Sorbischen Institut "Bedenken", welche Folgen die Personalie für die Einrichtung haben könnte. Sie hofft, dass diese heute bei einer Betriebsversammlung ausgeräumt werden. Mehr will sie nicht sagen. Institutschef Dietrich Scholze, der die Abordnung laut Wagner mitträgt, war gestern nicht zu erreichen. Der Professor war beim Wissenschaftsrat unterwegs. Und hier setzen wohl die Sorgen der Mitarbeiter an.

Nach allem was zu hören ist, wird ein Schaden für das Ansehen des Instituts befürchtet, wenn es als Auffangbecken für Mitarbeiter erscheint, die anderswo nicht mehr tragbar seien. Demnächst startet der Wissenschaftsrat eine Evaluierung für das Institut, das von der Stiftung für das sorbische Volk und damit aus Steuermitteln vom Bund und den Ländern Sachsen und Brandenburg finanziert wird.

Frau Wagner aus dem Ressort von Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) kann allerdings keinen drohenden Imageschaden erkennen. "Die wissenschaftliche Arbeit von Herrn Richter stand nie in Zweifel", sagt sie und will jetzt nach vorn schauen. Richter lerne bereits Sorbisch. Ingolf Pleil

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.04.2012

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