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Städtische Krankenhäuser Dresden: "Über GmbH-Gründung werden wir nicht reden"

Städtische Krankenhäuser Dresden: "Über GmbH-Gründung werden wir nicht reden"

Während die Reform des verschuldeten Krankenhauses in Friedrichstadt Früchte trägt, bleiben die Erfolge in der Klinik Dresden-Neustadt bislang aus. Die Verluste sind höher als erwartet.

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Jürgen Richter schließt trotz Verlusten Entlassungen aus.

Quelle: DNN-Archiv

Zudem wird die ertragreiche Neurochirurgie nach Friedrichstadt verlegt. Der Management-Report warnt sogar vor mangelnder Zahlungsfähigkeit. Die DNN sprachen mit Verwaltungsdirektor Jürgen Richter, wie er das Dilemma auflösen will.

Die Verluste am Krankenhaus Dresden-Neustadt fallen mit über 2,9 Millionen Euro für dieses Jahr höher aus als geplant. Warum?

Ja, das ist richtig. Im Krankenhaus Dresden-Neustadt erreichen wir unseren Wirtschaftsplan nicht. Ein Grund dafür war der monatelang krankheitsbedingte Ausfall gleich dreier Chefärzte. Dadurch konnten unsere anvisierten Fallzahlen nicht erreicht werden. Viele Ärzte weisen ihre Patienten direkt an die Chefärzte und nicht an die Abteilungen. Außerdem konnten in den betroffenen Bereichen etwa 30 Prozent der OPs nicht durchgeführt werden. Das hat sich bemerkbar gemacht.

Der krankheitsbedingte Ausfall des Personals birgt solch ein Risiko?

In gewisser Weise ja. Manche OPs sind nur unter Aufsicht der Chefärzte möglich.

Wie soll es weitergehen? Sind Ihre Chefärzte wieder gesund?

Alle Chefärzte sind wieder da und einsatzbereit. Zu Jahresanfang beginnen zudem zwei neue Chefärzte ihren Dienst. Im Januar startet Sönke Eger mit seinen Mitarbeitern in unserer neuen plastischen Chirurgie. Im März übernimmt Matthias Görnig die Verantwortung der Geriatrischen Rehabilitation und der Akutgeriatrie. Mit der komplexen Versorgung älterer Menschen füllen wir in Dresden eine Versorgungslücke. Von diesem Kaliber gibt es hier kein vergleichbares Leistungsangebot.

Wie wollen Sie das mit diesen Verlusten alles bezahlen?

Insgesamt wird das städtische Klinikum seine Ziele erreichen. Friedrichstadt verbucht schon in diesem Jahr ein positives Betriebsergebnis. Unterm Strich der Abrechnung wird am städtischen Klinikum im nächsten Jahr eine schwarze Zahl stehen. Das ist ein ganz wichtiger Meilenstein.

Das klingt sehr optimistisch!

Wir haben sehr erfolgreiche Bereiche, auch am Krankenhaus Dresden-Neustadt. In der Geburtshilfe stieg der Zahl der geborenen Kinder und damit der Leistungszuwachs auf bis zu 20 Prozent. Für die Psychiatrie und die Psychosomatik haben wir einen zusätzlichen Versorgungsauftrag und 15 neue Betten gewonnen. Die Neurologie hat mit zehn zusätzlichen Betten an beiden Standorten profitiert. Auch die Altersmedizin wurde ausgebaut - auf das Doppelte ihrer bisherigen Kapazität. Das Spektrum der medizinischen Versorgung ist erfolgreich und auf die Zukunft ausgerichtet.

Trotzdem warnt der Management-Report vor Zahlungsschwierigkeiten. Wie wollen Sie liquide bleiben?

Dazu werden wir gemeinsam mit unserem Träger - der Stadt Dresden - sinnvolle Lösungen finden. Es werden bereits Möglichkeiten erwogen. Das funktioniert jedoch nur in enger Abstimmung zwischen Politik und Medizin. Verstehen Sie bitte, dass wir uns dazu erst zu gegebener Zeit öffentlich äußern werden.

Werden Mitarbeiter gekündigt?

Diese Frage kann ich mit einem ganz klaren Nein beantworten. Niemand wird bei uns aus wirtschaftlichen und betrieblichen Gründen gekündigt.

Die ertragreiche Neurochirurgie kommt nach Friedrichstadt. Viele Mitarbeiter sehen sich dabei in Befürchtungen bestätigt, Neustadt werde benachteiligt...

Wir haben immer wieder betont, dass wir für Neustadt keine nachteiligen Veränderungen ohne Kompensation durchführen. Vorerst muss das Sozialministerium die Entscheidung offiziell bestätigen, dann beraten wir über einen Ausgleich. Es gibt verschiedene Modelle. In Bremen wurden beispielsweise Lizenzgebühren verrechnet. Langfristig jedoch müssen die Ergebnisse beider Krankenhäuser zusammen betrachtet werden.

Im Januar 2012 haben sich die Dresdner für die Krankenhäuser als Eigenbetriebe ausgesprochen. Dieser Bürgerentscheid ist für drei Jahre bindend und in wenigen Wochen abgelaufen. Steht eine GmbH erneut zur Diskussion?

Über eine GmbH-Gründung werden wir auch nach Ablauf der Frist nicht reden. Das ist auch im Kooperationsvertrag der neuen Stadtratsmehrheit festgelegt. Es gibt jedoch Abwägungsprozesse zur Frage: ein oder zwei Eigenbetriebe. Hierzu steigen wir geordnet in die Diskussion ein.

Wo liegen die Vorteile?

Erstens können wir Kosten sparen. Wir müssten nur noch einen Jahresabschluss machen und könnten unsere IT-Systeme zusammenführen. Das ist jedoch nur ein kleinerer Teil des Nutzens. Der viel größere Vorteil liegt darin, dass wir als städtisches Klinikum Dresden nach dem Chemnitzer Krankenhaus zur zweitgrößten Klinik in Sachsen avancieren. Damit würde uns die Öffentlichkeit ganz anders wahrnehmen. Unser Angebot käme dann dem der beiden Unikliniken in Dresden und Leipzig gleich.

Sie sind frohen Mutes nach Dresden gekommen. Haben Sie damit gerechnet, dass die Reform der Krankenhäuser so schwierig werden könnte?

Mir war klar, dass diese Reform komplex und mühsam werden könnte. Natürlich ist es nicht leicht, natürlich haben wir nicht alles erreicht, was wir uns erhofft haben. Doch Ziele muss man ehrgeizig setzen. Insgesamt erlebe ich jedoch eine unglaubliche Bereitschaft zur Veränderung und bin überzeugt, dass wir es schaffen: Im nächsten Jahr schreiben wir im städtischen Klinikum die berühmte schwarze Null. Damit bewegen wir uns sogar gegen den Trend - immer mehr Krankenhäuser in Deutschland verbuchen rote Zahlen. Wir haben uns dann vorerst in die positiven Zahlen gerettet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.12.2014

Katrin Tominski

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