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Stadt sieht keinen Wohnungsmangel für Bedürftige in Dresden

Stadt sieht keinen Wohnungsmangel für Bedürftige in Dresden

In Dresden gibt es nach Angaben der Stadt derzeit genügend Wohnungen, die mit Belegungsrechten der Kommune gebunden sind. "Die Zahl monatlich freigemeldeter Wohnungen ist aktuell noch ausreichend, allen Wohnungssuchenden ein Angebot zu unterbreiten", erklärte Marco Fiedler, persönlicher Referent bei Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos).

Hinter der Wohnungsvergabe steckt jedoch ein kompliziertes Geschäft.

Die Stadt verfügt über 10000 belegrechtsgebundene Wohnungen, was mit der Gagfah Group WOBA Dresden GmbH vertraglich vereinbart ist. Einziehen kann in eine solche Wohnung aber nur, wer einen Wohnberechtigungsschein (WBS, Typ L) vorweisen kann, also wegen seines niedrigen Einkommens auf eine solche Wohnung angewiesen ist.

"Jeden Monat meldet uns die Gagfah aus dem mit ihr vereinbarten belegrechtsgebundenen Bestand die aktuell frei gewordenen Wohnungen", schildert Fiedler die Praxis. Das seien durchschnittlich 110 freie Wohnungen pro Monat. Dann beginnt die Arbeit für die Kollegen der kommunalen Wohnungsfürsorge beim Sozialamt. Die Vermittlung der Wohnungen erfolgt auf zwei Wegen. Einerseits können Wohnungssuchende gemeinsam mit den Mitarbeitern der Wohnungsfürsorge den Wohnungsbestand nach ihren individuellen Kriterien (Balkon, Aufzug, Badewanne, Barrierefreiheit etc.) durchsuchen.

Andererseits können die Sozialarbeiter im Sozialamt oder der sozialpädagogischen Betreuung bei freien Trägern der Wohlfahrtspflege (Diakonie, Heilsarmee u.a.) sich direkt in die Kontaktaufnahme und Vermittlung beim Vermieter einschalten.

"Ein Zuweisungsrecht in die Wohnungen der Gagfah hat das Sozialamt allerdings nicht", stellte Fiedler klar. Das macht die Sache nicht einfacher. Denn vornehmlich seien es nicht die niedrigen Einkommen von Betroffenen, die ihnen die Wohnungssuche erschweren. Vermieter lehnten die Aufnahme von Wohnungslosen in der Vielzahl deshalb ab, weil sie beispielsweise in der Vergangenheit bereits Mieten nicht pünktlich gezahlt haben, durch einen Schufa-Eintrag belastet sind oder sich "in anderer Weise bereits mietwidrig verhalten haben". In solchen Fällen helfen dann auch die Sozialwohnungen nicht weiter. "Denn auch für den Bezug einer Sozialwohnung muss gesichert sein, dass der Mieter seinen mietrechtlichen Verpflichtungen zukünftig nachkommen kann und nachkommen wird", erklärt Fiedler. Das heißt vor allem, der Interessent muss bezahlen können und das auch regelmäßig tun.

Daher ist in den meisten Fällen eine umfangreiche sozialpädagogische Betreuung notwendig. Dazu gibt es indi-viduelle Hilfeplanverfahren. "Mit den Betroffenen muss die aktuelle Situation aufgearbeitet werden", macht Fiedler deutlich. Ohne aktive Mitwirkung der Menschen gehe da gar nichts. Manche Wohnungslose hätten "einen sehr hohen Unterstützungsbedarf". In ganz schwierigen Fällen können die Betroffenen zunächst von der Landeshauptstadt selbst angemietete Wohnungen beziehen. Dresden verfüge aktuell über 13 Gewährleistungswohnungen mit 30 Plätzen, von denen Anfang Februar elf zur Verfügung standen.

Fiedler hält die soziale Arbeit in diesem Bereich durchaus für erfolgreich und verweist auf die Zahlen (siehe Kasten). Die Zahl der registrierten Wohnungs-losen lag in den letzten fünf Jahren zwischen 224 (2010) und 288 (2013), im vergangenen Jahr waren es 267. Dabei gibt Fiedler jedoch zu bedenken, dass Personen, die auf der Straße leben und weder beim Jobcenter noch im Sozialamt Beratungs- und Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen, nicht gezählt werden könnten. Bei im Schnitt 110 freiwerdenden Wohnungen monatlich liegt das Jahresangebot mit gut 1300 klar über dem registrierten Bedarf.

Einen oft kritisierten Nachteil der aktuellen Situation kann auch Fiedler nur konstatieren: Der Wohnungsbestand der Gagfah konzentriert sich auf einzelne Stadtteile. Das sind vor allem Prohlis und Gorbitz sowie Strehlen, Reick und Johannstadt Nord. Der Dresdner Mieterverein hat hier schon vor langer Zeit beklagt, dass darunter die Durchmischung der Stadtteile leidet. Sozial Schwache konzentrieren sich in bestimmten Regionen. Und auch Marco Fiedler stellt fest: "Natürlich wäre ein noch diversifizierterer und über das gesamte Stadtgebiet verteilter Bestand an Belegrechtswohnungen wünschenswert."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.02.2015

Ingolf Pleil

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