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Stadt setzt nun doch auf große Asylheime - Am Jahresende über 2000 Flüchtlinge in Dresden

Stadt setzt nun doch auf große Asylheime - Am Jahresende über 2000 Flüchtlinge in Dresden

Derzeit leben 1618 Asylbewerber in Dresden, bis zum Jahresende werden es voraussichtlich 2000 bis 2200 sein. Das hat Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) einschätzt.

Er ringt nun darum, diese Menschen, die vor Bürgerkriegen, Armut und politischen Unruhen aus ihrer Heimat geflüchtet sind, unterzubringen - und zwar nicht in Zeltstädten oder ähnlichen Massen-Unterkünften, wie er immer wieder versprochen hat. Doch die ursprüngliche Idee, diese Flüchtlinge vor allem in Wohnungen und kleineren stillgelegten Hotels unterzubringen, ist nicht mehr zu halten: Die Stadt sucht inzwischen nach Standorten für größere Asylheime, teils in Containerbauweise, für jeweils bis zu 100 Bewohner.

Die Rede ist dabei nicht von den neuen großen "Erstaufnahme-Einrichtungen", die das Land den sächsischen Großstädten - und eben auch für den Dresdner Hammerweg - angekündigt hat (DNN berichteten), sondern von Quartieren, in denen die Flüchtlinge nach der Erstaufnahme für längere Zeit wohnen werden. Einige für Monate, andere vielleicht sogar auf Jahre. Manche werden Dresden zwar auch wieder verlassen, aber etwa 750 weitere Asylbewerber werden nach derzeitigen Schätzungen wohl erstmal "brutto" noch bis zum Jahresende in der sächsischen Landeshauptstadt eintreffen. Für die Familien unter diesen Flüchtlingen akquiriert die Stadt derzeit ständig Wohnungen, vor allem Gagfah-Platten in Prohlis, Gorbitz und Johannstadt. "Außerdem bieten uns Hotel- und Pensionsbetreiber und Hauseigentümer ganze Objekte, Wohnungen und Zimmer an", sagte Seidel.

Aber: Gesichert ist die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge vorerst nur bis Ende September. Für mindestens weitere 120 Asylbewerber, die noch bis zum Jahresende erwartet werden, fehlen derzeit noch Plätze. Zudem hat sich herausgestellt, dass Familien - die Seidel ja in Wohnungen unterbringen wollte - eben doch nur den kleineren Teil des Flüchtlingsstromes ausmachen. Die meisten Asylbewerber sind vielmehr junge Männer. Was auch nachvollziehbar ist, steckt doch die Odyssee zum Beispiel aus der Levante nach Deutschland voller Risiken und Entbehrungen.

Um diese Jüngeren unterzubringen, erwägt Seidel nun den Aufbau von "Mobilen Raumeinheiten", wie sie Dresden bereits als "Container-Kitas" so ähnlich kennt. Auch die Anmietung von Hotels durch die Stadt steht zur Debatte. "Eigentlich war es unser Ziel, höchstens 50 bis 70 Asylsuchende an einem Ort unterzubringen", sagte Seidel. "Das ist nicht mehr zu halten. Es zeichnet sich ab, dass wir bis Mitte 2015 etwa drei bis fünf zentrale Standorte für jeweils bis zu 100 Personen brauchen werden." Mögliche Orte würden derzeit durch die Verwaltung geprüft, zwei davon seien bereits in der engeren Wahl. Wo dies sein wird, wollte beziehungsweise konnte Seidel noch nicht verraten - wohl auch, um keinen prophylaktischen Unmut von Anwohnern zu schüren, wie man nur vermuten kann.

SPD und Linke äußerten sich aber bereits skeptisch über Seidels neue Pläne: Wenn überhaupt, dann komme der Aufbau größerer Heime und Containerheime nur übergangsweise in Frage, so der Tenor. "Großstandorten werden wir nicht zustimmen", kündigte Links-Stadtrat Hans-Jürgen Muskulus an, der auch im städtischen Ausländerbeirat sitzt. Es verwies auf einen ausdrücklichen Beschluss, die noch vom alten Stadtrat gefasst wurden, laut dem der Anteil dezentral untergebrachten Flüchtlinge (derzeit rund 50 Prozent) erhöht und nicht gesenkt werden solle.

Städte wie Leverkusen hätten bereits vorexerziert, dass eine vollständige dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern möglich sei, ergänzte Ausländerbeirats-Mitglied und SPD-Stadtrat Richard Kaniewski. "Es bringt nichts, Menschen aus verschiedensten Kulturen und Nationalitäten auf engstem Raum zusammenzupressen", sagte er - da seien Konflikte vorhersehbar. Sicher stecke die Stadtverwaltung wegen der wachsenden Flüchtlingszahlen in einem Dilemma, räumte Kaniewski ein. Aber größere Heime oder gar Containerburgen seien menschenunwürdig - gerade für Menschen, die eben erst vor Gewalt und Terror geflohen seien.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.08.2014

Heiko W.

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