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Sportvereine stehen im Abseits: Turnhallen reichen nicht für Schule und Vereinssport

Sportvereine stehen im Abseits: Turnhallen reichen nicht für Schule und Vereinssport

Dresdner Sportvereine werden immer öfter aus den Schulsporthallen verdrängt, weil die Schulen Eigenbedarf anmelden. "Ich bekomme immer wieder Anrufe von Vereinen, dass sie rausgeflogen sind", berichtet Robert Baumgarten, Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB), der etwa 70 000 Freizeit- und Spitzensportler vertritt.

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Schüler der 7. Klasse des Gymnasiums Bühlau spielen in der Dreifeldhalle ihrer Schule Ball. 883 Gymnasiasten und zahlreiche Vereinssportler, darunter vom TSV Bühlau, müssen sich die Halle teilen.

Quelle: Carola Fritzsche

Er kritisiert zudem die vielfach schlechten Trainingsbedingungen auf den maroden Kunstrasen- und Hartplätzen in der Stadt. DNN beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

In welchem Zustand befinden sich die kommunalen Schulsporthallen?

145 Hallen gibt es in der Stadt. Nach Informationen von Falk Schmidtgen, Leiter des Schulverwaltungsamtes, sind weit über die Hälfte davon, nämlich 91, nicht saniert. Unter anderem wegen Hochwasserschäden gesperrt sind im Moment die Sporthallen der Schule für Hörgeschädigte, der 95. und der 106. Grundschule sowie der 35. Oberschule. 17 neue Schulsporthallen hat die Stadt in den vergangenen fünf Jahren errichten lassen, 12 weitere sind im Bau und 24 in Planung.

Wie viele Vereine nutzen die Schulsporthallen?

Insgesamt 375 Sportvereine mit den unterschiedlichsten Sportarten gibt es in Dresden. Die Vereinssportler nutzen die Sporthallen nach Angaben der Stadtverwaltung 4500 Stunden pro Woche fürs Training und weitere 1800 Stunden für Wettkämpfe am Wochenende. Bis auf wenige Ausnahmen trainieren Vereinssportler ständig oder zumindest unregelmäßig in den Hallen. Die Schwimmer und Eishockeyspieler beispielsweise gehen im Sommer zum Ausgleichs- und Athletiktraining in die Sporthallen. Im Winter trainieren auch die Fußballer, vor allem Kinder und Jugendliche, in den kommunalen Hallen.

Werden die Sportvereine immer mehr aus den Hallen gedrängt?

Ja, ganz eindeutig. "Die Situation hat sich verschlechtert", sagt Robert Baumgarten, Geschäftsführer des Kreissportbundes. Er bekomme immer öfter Anrufe von Vereinen, die rausgeflogen seien aus den Hallen, weil die Schule Eigenbedarf angemeldet habe. Den Trend bestätigt auch Gert Küchler, Geschäftsführer der Dresden Titans mit 190 Basketballern, davon 140 Kinder und Jugendliche: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Schulen jetzt zum Teil sogar bis 20 Uhr Eigenbedarf für den Sportunterricht angemeldet haben", berichtet er. Auch für die Titans werde es immer schwieriger, die Hallen in den für junge Sportler attraktiven Zeiten zwischen 16 und 19 Uhr fürs Training zu bekommen.

Wie kommt es, dass die Vereine das Nachsehen haben?

Die Schulleiter können praktisch uneingeschränkt Eigenbedarf geltend machen - beispielsweise, um den Schülern mehr Ganztagsangebote zu unterbreiten. "Wir haben bislang vergeblich eine festes Zeitfenster angeregt. Unser Vorschlag ist nach wie vor: Schulsport in den Grundschulen bis 16 Uhr, in den Oberschulen bzw. Gymnasien bis 17 Uhr, danach Vereinssport." Die Anregung sei im Lenkungsausschuss, dem neben Schulleitern auch Vertreter der Stadtverwaltung und der Bildungsagentur angehören, erneut abgelehnt worden. Nicht möglich, habe es geheißen.

Was sagt die Stadt dazu?

"Es ist festzustellen, dass der Eigenbedarf der Schulen in den letzten Jahren in den Nachmittags- und Abendstunden zugenommen hat und den Vereinssportlern deshalb weniger Nutzungszeiten zur Verfügung stehen", heißt es aus dem Eigenbetrieb Sportstätten lapidar. Andererseits würden zusätzliche Hallen wie beispielsweise an der Weißiger Oberschule errichtet.

Wie ist die Nutzung der Sporthallen durch Vereine vertraglich geregelt?

Entsprechend der Sportförderrichtlinie müssen die Vereine ihre Trainings- und Wettkampfzeiten in den kommunalen Hallen jedes Jahr neu beantragen. Grundsätzlich erfolgt die Vergabe von Sportanlagen befristet für eine Saison, das heißt für ein Schuljahr. Vorrang hat immer der Eigenbedarf der jeweiligen Schule.

Wieviel müssen die Vereine jeweils zahlen?

Die Nutzungsgebühren liegen je nach Größe und Baujahr der Halle zwischen 18 Euro (12 mal 24 Meter, Altbau) und 80 Euro pro Stunde (20 mal 40 Meter, Neubau bzw. Sanierung ab 2000). Gemäß der Sportförderrichtlinie zahlen die Vereine je nach ihrem Anteil an Kindern und Jugendlichen einen Selbstkostenbeitrag, der zwischen 8 und 40 Prozent der Gebühren beträgt.

Unter welchen Bedingungen trainieren die Vereinssportler im Freien?

Unter teils miserablen Bedingungen. "Wir bräuchten Millionen Euro, um die Sportanlagen auf Vordermann zu bringen", erklärt KSB-Chef Baumgarten. Das Geld dafür habe es noch nie gegeben und gebe es auch nicht im Doppelhaushalt. Es gehe nicht nur um Sanitäranlagen, sondern auch um unbrauchbare, weil verschlissene Kunstrasenplätze. Handlungsbedarf bestehe für etwa zehn Hartplätze und ebenso viele Kunstrasenplätze.

Ein Beispiel: Unter äußerst misslichen Bedingungen trainieren seit vielen Jahren die Sportler des FV Dresden Süd-West. Obwohl mit 350 Mitgliedern, davon 250 Kinder, einer der größten und auch sehr erfolgreichen Dresdner Fußballvereine, haben sie nach Informationen des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Steffen Thiele nur einen heruntergewirtschafteten Kunstrasenplatz zur Verfügung, bei dem selbst der Elfmeter-Punkt fehlt.

"Täglich müssen drei Mannschaften gleichzeitig auf diesem Platz spielen", berichtet Thiele. Eine Zumutung seien insbesondere die verrotteten Container, in denen sich die Kinder und Jugendlichen umziehen. Es gebe kein Vereinshaus, auch keinen Trainerraum für die 30 Ehrenamtlichen. "Einige unserer Mannschaften spielen in der Landesliga, man schämt sich ja, wenn wir zum Beispiel Lok Leipzig zu Hause empfangen müssen", ärgert sich der Vereinssportler.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2013

Katrin Richter

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