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Sommelier Jens Pietzonka betreibt eine besondere Weinbar

Sommelier Jens Pietzonka betreibt eine besondere Weinbar

Lässig im Kapuzenshirt steht Jens Pietzonka hinter dem Tresen seiner Weinzentrale. Ende August hat der mehrfach ausgezeichnete Sommelier, der in der Weinszene weit über Dresden bekannt ist, den Start in die Selbständigkeit gewagt.

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Bildunterschrift: Jens Pietzonka und seine Mitarbeiterin Jana Schüller wollen ihren Gästen zwanglos gute Weine einschenken.

Quelle: Lars Müller

Dresden. "Es läuft", sagt der Weinfachmann und lächelt zufrieden. Der ehemalige Lampenladen in der Hoyerswerdaer Straße habe sich zum Anlaufpunkt für Weinfreunde gemausert. Und tatsächlich gilt man unter Dresdner Weinfreunden als nicht ganz "up to date", hat man bei Pietzonka noch keinen Wein probiert. In der Adventszeit startet Pietzonka ein soziales Projekt mit einem Adventskalender. 400 Lose zu 5 Euro will er verkaufen. "Mit dem Kauf dieser Lose unterstützen die Gäste zu 100 Prozent den Sonnenstrahl e.V.", sagt der Sommelier. Er ist auf den Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche durch die Krankheit einer Schulkameradin seiner Tochter aufmerksam geworden und engagiert sich seitdem für den Verein. Geschäftspartner und Freunde unterstützen die Spendenaktion und stellen Preise für den Adventskalender zur Verfügung.

Mit der Weinzentrale hat Sommelier Pietzonka, der zuletzt Restaurantleiter bei Bean & Beluga auf dem Hirsch war, eine geerdete Basis geschaffen. Gute Weine will er nicht einer kleinen Elite vorbehalten, sondern allen Weinfreunden nahe bringen. "Wein soll Lebensfreude verkörpern." Das Vorhaben wollte der gebürtige Dresdner unbedingt in der Neustadt umsetzen, aber auch nicht direkt in der wilden Neustadt, wie er sagt. Insgesamt 40 Sitzplätze bietet die Weinbar, inklusive der Plätze am Tresen. Unkompliziert wird auch schon mal ein Weinfass, dass eigentlich Deko ist, zu einem Stehtisch umfunktioniert. Vorbilder hat Pietzonka durchaus und daraus macht er auch keinen Hehl: Seine Weinzentrale soll eine Mischung aus der Sansibar auf Sylt, der Cordobar in Berlin-Mitte und der Wein-Kultur-Bar von Silvio Nitzsche in Dresden-Striesen sein. Sein Kumpel Nitzsche ist auch an der Weinzentrale beteiligt. Pietzonka hat nach eigenen Angaben bewusst auf eine Kopie der bundesweit geradezu legendären Weinbars verzichtet, sondern etwas Eigenes geschaffen. Dabei musste der Sommelier natürlich auch berücksichtigen, dass die Dresdner Weinfreunde preissensibler sind.

Eines vorweg: Sommelier Pietzonka schenkt nur Weine aus, die er als Kenner auch selbst trinkt. Trotzdem gibt es - Zitat Pietzonka - "die Einstiegsdroge ab 2,40 Euro je 0,1 Liter". Das lockt auch Studenten an. Viele würden nach und nach auch hochwertigere Weine erkunden, beobachtet der Gastronom. Wer will, der bekommt intensive Beratung vom Fachmann. Wer seine Ruhe haben will, der sucht sich die Weine eben selbst aus und probiert auf eigene Faust. Geselligkeit ist allerdings schon ein fester Bestandteil des Konzepts der Weinzentrale. Wer auf der alten Laubegaster Kirchenbank an der langen Massivholztafel Platz nimmt, kommt früher oder später zwangsläufig mit anderen Weinfreunden ins Gespräch. Etwa 3000 Flaschen 500 unterschiedlicher Weine hat Pietzonka stets vorrätig - viele von namhaften deutschen Weingütern, aus Österreich, Südfrankreich, Spanien und einige auch aus Übersee. 30 Prozent der Weine würden flaschenweise außer Haus verkauft, denn die Weinzentrale ist auch ein Weinladen. Feine Port- und Madeira-Kreationen runden das Sortiment ab. Auch sächsische Winzer hat Jens Pietzonka im Sortiment, so Martin Schwarz, Schloss Proschwitz, Klaus Zimmerling, Andreas Kretschko und Frédéric Fourré. Wichtig bei der Auswahl sei, dass die Betriebe kontinuierlich qualitativ hochwertige Weine liefern können - auch in schwierigen Jahren. Übrigens schenkt der Sommerlier auch Bier aus. "Es mögen halt nicht alle Wein", sagt er gelassen.

Lars Müller

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