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Software aus Dresden stellt althergebrachtes Personalmanagement auf den Kopf

Software aus Dresden stellt althergebrachtes Personalmanagement auf den Kopf

Wenn Unternehmen Stellen zu besetzen haben, läuft das oft nach einem festen Schema ab. Eine Ausschreibung formuliert ein Profil von Anforderungen, und am Ende wird jener Bewerber eingestellt, der diese am besten erfüllt.

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Katja Ziesche, Karsten Jänsch und Tobias Dietze (v. l.) bieten mit ihrer Software Personalabteilungen ein interessantes Werkzeug an.

Quelle: Holger Grigutsch

100 Prozent Deckungsgleichheit sind dabei eher ein Glücksfall als die Regel. Also werden Mitarbeiter in unternehmenseigenen Qualifizierungsprogrammen für den Job fit gemacht.

"Das ist zeit- und kostenintensiv und ergibt sich vor allem aus den starren Stellenprofilen", sagt die promovierte Organisationswissenschaftlerin Katja Ziesche. Gemeinsam mit dem Wirtschaftswissenschaftler Dr. Karsten Jänsch und dem Medieninformatiker Tobias Dietze schlägt sie den umgekehrten Weg vor, also in den Unternehmen Arbeitsplätze so zu definieren, dass sie den Kompetenzen der Mitarbeiter entsprechen. Das stellt das althergebrachte Herangehen nicht nur auf den Kopf, sondern ist auch wesentlich komplizierter. Die Lösung soll Opox sein, eine Software, die als "Organisations- und Personalbox" sehr komplexe Planungen für Mitarbeiter- und Aufgabenpools bewältigen kann.

Um verborgene Schätze zu heben, muss die Personalabteilung sie erst einmal entdecken. Deshalb erfasst ein Analysetool auch Fähigkeiten der Mitarbeiter, die nicht der aktuellen Arbeitsplatzbeschreibung zuzuordnen sind. "Das geschieht transparent", erläutert Karsten Jänsch. Die Mitarbeiter könnten Zusatzqualifikationen selbst eingeben und ihr Profil auch jederzeit sehen. So könne Opox nicht nur bei der Neubesetzung von Stellen helfen.

Vor allem in innovativen Unternehmen werden oft Projektgruppen gebildet. Erhält ein Mitarbeiter für ein Projekt Zusatzaufgaben, muss eventuell ein anderer einen Teil seiner bisherigen Arbeit übernehmen. "Es erhöht die Motivation der Mitarbeiter enorm, wenn bei solch einem Ringtausch Interessen und Fähigkeiten berücksichtigt werden, anstatt ihnen einfach etwas aufs Auge zu drücken", sagt Katja Ziesche. Mitarbeiterzufriedenheit sei so neben der Wirtschaftlichkeit ein weiterer wichtiger Effekt.

Auch nach dem Durchspielen verschiedener Besetzungsszenarien führe am Ende an gezielter und auch kostenintensiver Qualifizierung oft kein Weg vorbei, räumen die Gründer ein. Denn Opox decke tatsächlich vorhandene Lücken auf. Angesichts des Fachkräftemangels, so Katja Ziesche, werde es für die Unternehmen zudem immer wichtiger, über die Karriereziele ihrer Mitarbeiter Bescheid zu wissen, um Karrierewege zu planen, drohende Fluktuation zu erkennen und gegebenenfalls die Nachfolge rechtzeitig regeln zu können.

Entstanden, sagt Karsten Jänsch, sei die Idee gewissermaßen als Nebenprodukt bei der gemeinsamen Arbeit im Rahmen eines Forschungsprojekts der TU Dresden, bei dem es um die Konkurrenzfähigkeit der ostdeutschen Wirtschaft ging. Das Laboratory for Architecting Innovation (LAI) entwickelt Analysetools, die helfen sollen, fehlende Kommunikation und Abstimmungsschwierigkeiten in Unternehmen zu erkennen und deren gravierende Folgen zu vermeiden. Die reichen von Kostenanstieg über Qualitätseinbußen und Vertrauensverlust beim Kunden bis hin zu frustrierten Mitarbeitern.

Die Opox-Gründer, die ein Exist-Stipendium des Bundesforschungsministeriums erhalten haben und auf eine Anschlussförderung durch die Sächsische Aufbaubank hoffen, wollen sich zunächst auf Unternehmen mit 50 bis 1000 Mitarbeitern als Kundenkreis konzentrieren. Dazu suchen sie Partner für den Vertrieb ihrer Software. Sie bieten Opox als Basisversion für die Analyse und in einer Premium-Ausführung für komplexe Planungsszenarien an.

Für ihre Strategie, die sie "Personalmanagement der neuen Generation" nennen, gebe es "einen rasant wachsenden Markt", schätzt Katja Ziesche ein. Vor allem in Branchen mit einem hohen Innovationsdruck stellen sie und ihre Gründerkollegen zunehmenden Bedarf fest. Dazu gehören Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie und im Maschinenbau ebenso wie Automobilhersteller und mittelständische Firmen, die sich noch Forschung und Entwicklung leisten. Allerdings rennen die Dresdner mit ihrem Angebot längst nicht überall offene Türen ein. "Vor allem große Konzerne betreiben hohen Aufwand bei der Personalplanung oft nur für die Chefetagen und lassen damit viel Potenzial ungenutzt", meint Karsten Jänsch.

"Nach unseren Recherchen wird eine Software wie die unsere weltweit noch nicht angeboten", sagen die Opox-Gründer. Diesen Vorsprung wollen sie nutzen. Ende 2014 soll ihre Firma stehen, in fünf bis sechs Jahren wollen sie 50 bis 80 Mitarbeiter haben, ein Drittel davon im Bereich Forschung und Entwicklung. Gut möglich also, dass sie schon bald selbst Opox für den eigenen Personalaufbau einsetzen.

Bis 30. Juni können Internet-Nutzer beim Gründerwettbewerb "futureSax" für den Online-Preis abstimmen. Auch Opox ist dafür nominiert. Alles zum Wettbewerb unter www.futuresax.de

Holger Grigutsch

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