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Slawisches Epos - der nach Prag zurückgekehrte Gemäldezyklus von Alfons Mucha kann jetzt neu bewertet werden

Slawisches Epos - der nach Prag zurückgekehrte Gemäldezyklus von Alfons Mucha kann jetzt neu bewertet werden

Heute beginnen mit einem Galakonzert in der Dresdner Dreikönigskirche die von den DNN präsentierten 14. Tschechisch-Deutschen Kulturtage. Im Rahmen des Festivals findet auch ein (allerdings bereits ausgebuchter) Tagesausflug zur Alfons-Mucha-Ausstellung "Slawisches Epos" in Prag statt.

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Alfons Mucha. Der Hussitenkönig Georg von Podebrad und der Papstlegat Fantine de Valle, 1923, Galerie der Hauptstadt Prag. Repro: Galerie

Alfons Mucha, der berühmte Künstler des Jugendstils, bekannt vor allem durch seine Buchillustrationen und Plakatentwürfe, hatte von 1910 bis 1926 zwanzig großformatige Darstellungen zur Geschichte der Slawen geschaffen und diesen monumentalen Gemäldezyklus, zweifellos sein Hauptwerk, damals der Stadt Prag übereignet. Aber die Zeitläufte brachten es mit sich, dass der Zyklus lange im Renaissanceschloss des südmährischen Städtchens Moravsky Krumlov (Mährisch Kromlau) untergebracht war und nun erstmals nach 79 Jahren wieder nach Prag zurückkehren konnte. Zunächst einmal für zwei Jahre wird er hier zu sehen sein, denn nach Renovierung des Schlosses will man Muchas Bilder unbedingt wieder nach Südmähren zurückholen.

Mucha nahm in seinem "Slawischen Epos" historische Schlüsselepisoden der slawischen Geschichte zum Anlass, um seine Vision der Menschheit auszudrücken. Er plante so etwas wie ein Pendant zu Richard Wagners "Ring des Nibelungen". Doch während Wagner vollständig aus dem Bereich von selbst adaptierten germanischen Mythen und Sagen schöpfte, hielt sich Mucha wesentlich mehr an historische Szenarien, er beriet sich über seine Vorstellungen auch mit Historikern. "Ich habe in allen Bildern das vermieden, was an raue Streitigkeiten oder an bei Fehden vergossenes Blut erinnern könnte. Zweck meines Werks war niemals niederzureißen, sondern stets aufzubauen, Brücken zu schaffen, denn uns alle muss die Hoffnung nähren, dass die gesamte Menschheit sich näher kommt, was um so leichter geschehen wird, je besser sie sich gegenseitig kennenlernt". Er wollte in den monumentalen Gemälden eine Botschaft an die Menschheit weitergeben, Frieden, Völkerverständigung, Nächstenliebe, ja auch Demokratie befördern. Fünf Jahre vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland gewann der Zyklus so eine besondere Bedeutung.

In den ersten Bildern lässt sich noch in starkem Maß der Einfluss von Muchas vorhergehender künstlerischer Periode erkennen. Sie sind mit ausgeprägtem Sinn für einen dekorativen Stil komponiert und vermengen mühelos die symbolische mit einer beschreibenden Darstellungsweise. Die Komposition "Die Schule der mährischen Brüder in Ivancice" weist dann bereits auf einen allmählichen Übergang zu einem illustrativeren Stil hin, der in den folgenden Bildern zu einer naturalistischen, akademisch-beschreibenden Art der Darstellung führte. Eine Ausnahme bildet die Komposition "Jan Milic aus Kromeriz", deren freiere Auffassung sich vielleicht Reminiszenzen des Malers an seine Pariser Jahre verdankt. Auf den letzten Leinwänden gewinnt die symbolische Darstellungsweise wiederum die Oberhand, wobei diesmal jedoch, besonders auf den beiden letzten Bildern, ihr Pathos einer modernen Sensibilität etwas angestrengt wirkt. Das Abschlussbild ist eine Allegorie, die in vier symbolischen Farbzonen die mythische Vorzeit (blau), das ereignisreiche Mittelalter (rot), die Knechtschaft (schwarz) und die jubelnde Freiheit (gelb) der Slawen darstellen sollte.

Das Slawenepos ist seinerzeit in der eigenen Heimat mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Kritiker sahen es in der Tradition der Darstellungen des Slawentums aus der Romantik im ersten Drittel des 19. Jh.s und damit nicht als zeitgemäß. Da Tschechien seit 1919 nicht mehr zu Österreich-Ungarn gehörte, stand das Nationalitätenproblem kaum mehr zur Debatte. Er hätte wohl auch die Entwicklungsgeschichte der Slawen nicht so sehr aus der Sicht der Einheit und Konti-nuität, sondern aus der Sicht der Pluralität und Diskontinuität sehen sollen. Doch liegt Muchas Leistung in der stilistischen Bewältigung von Realität und Allegorie, der Geschichte und ihrer symbolischen Bedeutung, des Menschen, seiner einstigen Götter und dessen Nachfahren. Am bemerkenswertesten ist die Verbindung von Historienmalerei und symbolischer Darstellung. Zweifellos hegte Mucha große Sympathien für die tschechisch/hussitische Reformation, zumindest in der von ihm selbstgeschaffenen Neuinterpretation, endet doch sein Epos in der "epochalen" Achse: Gottesmutter Maria, matriarchale Urmutter Slavia und die Inkarnation Gottes als Mensch: Jesus Christus.

Aus Begeisterung für die historische Chance des verhältnismäßig kleinen tschechischen Volkes, das nicht zuletzt durch die Verflechtung mit den großen geistigen Strömungen Europas zu einem der führenden Kulturvölker des Kontinents wurde, seit 1919 einen eigenen demokratischen Staat zu errichten suchte, hat er ein Epos geschaffen, das in unsere Zeit hinein ragt, in der Europa wieder zusammengerückt ist, und das nach Neubewertung verlangt.

Klaus Hammer

Sonderausstellung der Galerie der Hauptstadt Prag im Palais Veletrzni (Messepalast), Dukelskych hrdinu 47, tägl. (außer Mo) 10-18 Uhr.

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