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Sina Hundt betreibt eine der wenigen Pflegestellen für Katzen im Tierschutzverein Dresden

Sina Hundt betreibt eine der wenigen Pflegestellen für Katzen im Tierschutzverein Dresden

Betritt man die große Wohnung von Sina Hundt in der Nähe des Neustädter Bahnhofs, stolpert man unweigerlich über schwarze Katzen. Die Samtpfoten haben in ihrem kurzen Leben schon einiges an Leid erlebt.

Vernachlässigung, lästige und gefährliche Krankheiten wie Katzenschnupfen oder die Immunschwäche FIV (Felines Immundefizienz Virus), Verletzungen durch Unfälle, Schläge und Tritte, multiresistente Keime und nicht heilende Wunden. Und auch Sina Hundt hat in ihrer Zeit als Katzenpflegerin schon viel gesehen.

Die Kundenbetreuerin betreibt eine dauerhaft aktive Pflegestelle für Katzen im Tierschutzverein Dresden und nimmt auch die wirklich schweren Fälle auf. "Ich wollte mich schon immer im Tierschutz engagieren, aber nicht nur passiv Geld spenden", erzählt die Dresdnerin. 2009 nimmt sie, damals Besitzerin zweier Katzen, Kontakt zum Tierschutzverein Dresden und dem Katzenhaus Luga auf und bietet sich als Pflegestelle an. Seitdem herrscht in ihrer Wohnung ein mauziges Kommen und Gehen. Derzeit beherbergt sie neun Katzen - vier eigene und fünf Vermittlungskatzen, die dank ihrer aufopfernden Hilfe wieder völlig fit sind.

Und warum sind so viele ihrer Katzen schwarz? Per Telefon kam im Sommer 2014 die Info, dass auf einem Bauernhof völlig verwahrloste Katzen leben würden, darunter eine trächtige Katzenmama und ein abgemagerter schwarzer Kater. "Ob ich die übernehmen könnte, war die Frage. Ich sagte sofort ja", berichtet die 48-Jährige. Allerdings stellt sich schnell heraus: Es sind zwei trächtige Mütter, Bakira und Merle, die kurze Zeit später insgesamt 13 schwarze und ein graues Katzenkind in der Wohnung von Sina Hundt zur Welt bringen. "Wenn aus zwei Pflegekatzen plötzlich 16 werden, ist das mehr als anstrengend", blickt Sina Hundt auf diese Zeit zurück. Eine der Katzenmütter gibt nicht genügend Milch, so dass sie, ihr Lebensgefährte und hilfsbereite Freunde alle zwei Stunden mit der Flasche bereitstehen, auch nachts.

Trotz aufopfernder Pflege erkranken fast alle Katzenkinder an Katzenschnupfen, haben verklebte Augen, verstopfte Nasen und atmen schwer. Alle Minikatzen müssen Medikamente nehmen - doch wie auseinanderhalten, welches Kätzchen schon eine Tablette bekommen hat und welches nicht? Eine harte Zeit. Drei der Kleinen, darunter das einzige graue Tierchen, überleben nicht. Die anderen sind mittlerweile erwachsen, putzmunter und zum Teil auch schon in Familien vermittelt. Auf ein neues Zuhause warten derzeit noch die zwei Katzenmamas Bakira und Merle, dazu Kätzin Selene und die zwei inzwischen erwachsenen Katzenkinder Matze und Basti. Alle sind schwarz und bringen Trubel ins Leben von Sina Hundt. Trotzdem wäre sie über eine Vermittlung in ein neues Zuhause sehr froh.

"Ich liebe die Katzen alle so, wie sie zu mir kommen. Aber wenn dann eine weg ist, wartet schon die nächste auf meine Hilfe", erklärt Hundt. Der Abschiedsschmerz ist so meist nur von kurzer Dauer. Meldungen über verwahrloste Katzen kommen oft von Nachbarn, manchmal auch von Tierkliniken. Ein Aufeinandertreffen mit den Menschen, denen die Katzen scheinbar so egal sind, ist dabei meist unausweichlich. "Natürlich bin ich stinksauer, aber das darf ich nicht zeigen", sagt Hundt. Denn die Abgabe der Tiere an die Tierschützer kann nur freiwillig erfolgen.

So manches Katzenschicksal bleibt Sina Hundt, trotz der vielen Neuzugänge, lange im Gedächtnis. Zum Beispiel das von Kasi, einem rot getigerten Kater mit extrem schlechten Zähnen, Wunden und ausgeprägtem Katzenschnupfen. Natürlich hat das völlig verwahrloste Tier schlecht gerochen und wurde von Anwohnern mit Tritten verjagt. "Er muss jahrelang starke Schmerzen ertragen haben", weiß Hundt vom Tierarzt. Als Sina Hundt beginnt, sich um Kasi zu kümmern, ist die Dankbarkeit des Katers deutlich spürbar. "Er hat geschnurrt und sich vor Freude gewälzt, wenn ich ihn streichelte. Leider konnte ich ihm nicht mehr zeigen, dass es auch ein Leben ohne Schmerzen geben kann", erinnert sich die 48-Jährige unter Tränen an die Zeit im Oktober 2012. Denn Kasi hat die umfangreiche Zahn-OP, die am nächsten Tag stattfand, nicht überlebt. Sein Schicksal und das aller anderen Hundt´schen Pflegekatzen dokumentiert Sina Hundt auf ihrer Webseite. Außerdem setzt sie sich für Einführung einer Kastrationspflicht für freilaufende Katzen ein, damit vor allem in dörflichen Gegenden weniger Samtpfoten einfach ihrem Schicksal überlassen oder ertränkt werden.

lostcreature.weebly.com

Der Tierschutzverein Dresden e.V. betreibt das Katzenhaus Luga und den Gnadenhof für Katzen in Maxen. Wer sich ein Bild machen möchte, ist am 12. September herzlich zum Tag der offenen Tür im Katzenhaus an der Lugturmstraße eingeladen. Der Verein ist immer auf der Suche nach tierlieben Menschen, die Patenschaften für schwer vermittelbare Katzen übernehmen möchten. Auch Pflegestellen - kurzzeitig oder dauerhaft - werden dringend benötigt.

www.ts2014.tierschutzdresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.08.2015

Franziska Schmieder

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