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Serumwerk Dresden feiert 100. Geburtstag - ein Blick zurück

Serumwerk Dresden feiert 100. Geburtstag - ein Blick zurück

Es ist eines der traditionsreichsten Dresdner Unternehmen: das Sächsische Serumwerk. Im Jahr 1911 vom Dresdner Vorreiter in Hygienefragen, Karl-August Lingner, in der Friedrichstadt gegründet, feiert es in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.

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Impfstoffherstellung im Labor des Dresdner Serumwerkes: Reinheit ist oberstes Gebot, Schutzkleidung daher Pflicht.

Quelle: Archiv DNN

Dresden . Heute wird dieser historische Anlass gebührend mit einem Festakt begangen, und zwar standesgemäß im ehemaligen Refugium des Firmenvaters: dem Lingnerschloss. Doch bevor die Sektkorken knallen, lohnt ein Blick zurück auf 100 Jahre bewegter Firmengeschichte - und nicht zuletzt in die Zukunft des Standortes.

Von Jane Jannke

Von der Pharmaindustrie mag sich jeder seine eigene Vorstellung machen. Die Branche kämpft mit Vorurteilen und gegen den Ruf, bisweilen skrupellos zu Werke zu gehen. Vergessen wird dabei gern die andere Seite der Medaille: Forschung und Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe retten jährlich Millionen Menschenleben. Bei den Erben Lingners möchte man sich die Hochstimmung im Jubeljahr nicht verderben lassen. In der Broschüre, die das Werk in der Pillnitzer/Zirkusstraße anlässlich des Jubiläums herausgegeben hat, taucht jedenfalls das Wörtchen "Pharma" nicht ein einziges Mal auf. Vielmehr begreift sich das Unternehmen, das seit 2008 unter dem Namen GlaxoSmithKline Biologicals firmiert, als Gesundheitsunternehmen. "Mit der Entwicklung bzw. Herstellung von Impfstoffen leisten wir anhaltend einen wertvollen Beitrag zur Gesunderhaltung unserer Gesellschaft", schrieb Peter Schu, seit Anfang 2006 Serumwerkschef, in seinem Grußwort eingangs der Broschüre.

Zwischen Krieg und Planwirtschaft

Das tut das Traditionsunternehmen in der Tat seit Jahrzehnten sehr erfolgreich und trotzte dabei etlichen Widrigkeiten. An seinem heutigen Standort, der ehemaligen tierärztlichen Hochschule in der Zirkusstraße, in die es 1924 umzog, produzierte das junge Institut 1936 bereits rund 90 verschiedene Arzneipräparate und Diagnostika. Mit schweren Bombenschäden überstand es den Zweiten Weltkrieg und nahm schon kurz darauf die überlebenswichtige Produktion wieder auf. Bis Ende der 50er-Jahre ragte der Firmensitz wie eine Insel aus dem enttrümmerten, wüstenähnlichen Innenstadtgebiet. 1972 verstaatlicht, avancierte der VEB Sächsisches Serumwerk Dresden zum wichtigsten Impfstoffproduzenten der DDR und brachte 1975 seinen ersten Grippeimpfstoff auf den Markt. 1986 gelang die Herstellung des verträglicheren Spaltvirusprodukts. Im Jahr der Übernahme durch den britischen Konzern SmithKline Beecham, 1992, verließen bereits zwei Millionen Dosen Impfstoffe jährlich die Produktionshallen des Dresdner Spezialisten. Heute sind es bis zu 70 Millionen.

Der Weltmarktführer

Mit der Fusion von SmithKline Beecham und dem US-Pharmakonzern Glaxo Wellcome im Jahr 2000 zu GlaxoSmithKline wurde das Dresdner Serumwerk Teil eines der bedeutendsten Pharmazentren weltweit, das heute Niederlassungen in mehr als 100 Ländern unterhält. Dessen Unternehmensbereich GSM Biologicals, dem auch das Dresdner Werk angehört, beschäftigt weltweit mehr als 11 000 Mitarbeiter und 1600 Wissenschaftler und ist Weltmarktführer in Sachen Impfstoffproduktion.

In Dresden geht es dagegen beschaulicher zu, obgleich keineswegs weniger erfolgreich. Derzeit stehen hier rund 650 feste Mitarbeiter sowie mehr als 50 Auszubildende in Lohn und Brot - doppelt so viele wie noch 2005.

Es mag makaber klingen, aber insbesondere die Vogel- und Schweinegrippe-Epidemien der vergangenen Jahre haben für gute Zeiten im Hause GSK Biologicals in Dresden gesorgt. Allein der Auftrag der Bundesländer über 50 Millionen Impfdosen gegen die Schweinegrippe spülte im letzten Quartal 2009 mehr als eine Milliarde Euro Mehrumsatz in die Firmenkasse. Am Ende verschenkte das Unternehmen aufgrund der mangelnden Impfbereitschaft der Bevölkerung die Hälfte davon an die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Wachstum und Zelltechnologie

Die Zukunft im Blick, baute man ab 2005 ein neues Produktionsgebäude an der Zirkusstraße, wodurch sich die Produktionskapazität auf 70 Millionen Impfdosen pro Jahr verdoppelte. Anfang 2008 ging es in Betrieb. Derzeit kommt an der Ostflanke des Werksgeländes für 30 Millionen Euro ein modernes Büro- und Verpackungsgebäude hinzu, das 2013 fertig werden soll. Doch damit ist der Erweiterungsdrang des Dresdner Traditionsunternehmens längst nicht gestillt: Bereits Ende 2008 erwarb man von der Stadt für 2,8 Millionen Euro das sogenannte Güntzbad-Areal zwischen Stein- und Gerichtsstraße. Hier soll in nicht allzu ferner Zeit ein weiteres Produktionsgebäude entstehen, in dem mittels moderner Zellkulturtechnologie an neuen Impfstoffen gearbeitet werden wird, die sukzessive die Hühnerei-Methode ersetzen soll. "Der Zellkulturtechnologie gehört die Zukunft in der Impfstoffherstellung", so Serumwerkssprecherin Daniela Sepsi. Noch aber sei die Technik zu teuer. Gebaut werde erst, wenn die Produktionsmethode gereift und entsprechend weniger kostenintensiv ist.

Firmenvater Karl-August Lingner, dessen Erbe zu pflegen dem Unternehmen bis heute eine besondere Aufga- be ist, hätte das stetige Wachstum seines Zöglings wohl mit Freuden zur Kenntnis genommen. Und nicht weniger sicher die Millionenspende, die der Impfstoffspezialist beim heutigen Festakt dem Wiederaufbau des Lingnerschlosses an der Elbe zugutekommen lassen wird.

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