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"Semicon": Halbleiterbranche trifft sich in Dresden

"Semicon": Halbleiterbranche trifft sich in Dresden

Nach "zwei sehr guten Jahren für die Halbleiterindustrie" wird 2012 wohl ein Jahr der Konsolidierung mit nur geringem Wachstum.

Dresden .

Von Heiko Weckbrodt

Das prophezeite Heinz Kundert, Präsident des Branchenverbandes "SEMI Europe", im Vorfeld der Mikroelektronikmesse "Semicon Europe", die am Dienstag in Dresden beginnt. Zu diesem europaweit größtem Branchentreff werden 8000 bis 10 000 Fachbesucher aus aller Welt in der Dresdner Messe erwartet.

Allerdings sind am Horizont einige dunkle Wolken aufgezogen. So haben die großen taiwanesischen Auftragsfertiger TSMC und UMC wegen der Euro-Krise und der US-Haushaltskrise bereits ihre Umsatzerwartungen nach unten geschraubt. Die Analysten sind derweil noch unsicher: "Gartner Research" zum Beispiel geht inzwischen von einem stagnierenden Halbleiter-Weltmarkt in diesem Jahr aus, für das kommende Jahr haben die Analysten ihre Prognose von 8,6 auf 4,6 Prozent Wachstum gesenkt, die Kapitalausgaben für neue Chipwerk-Ausrüstungen sollen gar um ein Fünftel fallen.

SEMI-Präsident erwartet Delle, aber keine Megakrise

"Ich denke nicht, dass wir in eine Krise geraten - wenn nicht gerade eine globale Rezession dazu kommt", sagte Kundert. Die Lage der europäischen und weltweiten Halbleiterindustrie sei heute bedeutend besser als 2008/2009, als die Branche in ihre bisher tiefste Krise geraten war, die unter anderem zur Qimonda-Pleite geführt hatte. "Es gibt viele neue Produkte, die für eine gute Chipnachfrage sorgen", betonte der SEMI-Europe-Chef.

So stehe Apple mit seinem iPhone 5 in den Startlöchern, auch der Markt für andere Smartphones sei erst noch am Anfang. Auch Tablettcomputern (Tablets) wie dem iPad wird noch großes Potenzial vorausgesagt - laut der Analysefirma IDC haben sich allein im zweiten Quartal die Tablet-Umsätze vervierfacht. Im Weihnachtsgeschäft dürfte zudem Amazon mit seinem neuen "Kindle Fire"-Tablet zum Anti-Apple-Kampfpreis von unter 200 Dollar den Markt anheizen.

Hoffungsträger sind iPhone, Tablet und Cloud

Auch vom sogenannten "Cloud"-Trend erhoffen sich die großen Chipschmieden Wachstum: Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, ihre Daten nicht mehr in eigenen lokalen Rechenzentren, sondern in wolkenartig ("Cloud") via Internet vernetzten Computern abzulegen. Ein Alltagsbeispiel: Wer einen der erwähnten Amazon-Tablettcomputer kauft, soll gemäß Amazon-Konzept seine erworbenen eBücher, Musikstücke und Videos nicht auf dem Gerät speichern, sondern in der "Amazon-Cloud". Ähnliches wird für Apples nächstes iPad erwartet.

Verbessert hat sich laut Kundert auch der politische Rahmen: "Heute spricht man wieder von gezielter Industriepolitik auf EU-Ebene, nachdem das Wort jahrelang verpönt war." Denn wirtschaftspolitische Steuerungsinstrumente gelten traditionell in Europa als Sache der EU-Mitgliedsländer. "Nun beginnt sich der Gedanke durchzusetzen, dass das von einzelnen Ländern nicht mehr gelöst werden kann."

Neue teure Technologien stehen vor der Tür

Das beginnt schon beim Kapitaleinsatz: Heutige Chip-Großfabriken kosten um die vier bis sechs Milliarden Dollar. Zudem stehen ganz neue und teure Fertigungstechnologien vor der Tür: Die Chipfertigung mit weiche Röntgenlicht ("EUV-Technik") und der Umstieg auf größere Siliziumscheiben ("Wafer"), die dann 450 statt 300 Millimeter messen. Wenn Europa da im internationalen Ansiedlungswettbewerb mitspielen will, muss es sich gegen staatliche und private Milliardeninvestitionen in den USA oder in China durchsetzen. Daher sei es geraten, die vielen Förderprogramme einzelner Staaten und Bundesländer im EU-Raum künftig zu bündeln, fordert der SEMI-Europe-Präsident. Misslich seien auch die hohen Energiekosten in Deutschland, die dreimal so hoch wie in China seien.

Die Gastgeberstadt für die SEMICON indes zeigt, dass ein Chipstandort auch bei sinkenden Subventionsquoten wachsen kann: "Dresden hat sich von der Qimonda-Pleite gut erholt und steht jetzt besser da als vorher", lobte Kundert. "Besonders beeindruckt mich in Sachsen immer wieder, dass alle gemeinsam voran gehen: die Unternehmen, die Politik und die Forschung."

Mehr Infos im Netz: www.computer-oiger.de

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