Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+
Selbstlose Hilfe für den kleinen Timur

Selbstlose Hilfe für den kleinen Timur

Konzentriert fügt der fünfjährige Timur das Puzzleteil mit dem Sonnenstrahl oben rechts in das "Der kleine Maulwurf"-Puzzle ein. Es passt. Stolz grinst er seine Lieblings-Krankenschwester Insa an, die neben ihm auf einem kleinen Holzstuhl in der Spielecke der Kinderchirurgie des Uniklinikums sitzt.

Voriger Artikel
Freie Fahrt und Sammlerspaß für die Kleinen
Nächster Artikel
Aufzug zur Brühlschen Terrasse lässt auf sich warten

Timur mit seiner Lieblings-Krankenschwester Insa: Nach zwei erfolgreichen Eingriffen geht es für den kleinen Jungen bald wieder zurück nach Hause.

Quelle: Anja Schneider

Das Puzzle ist ein Abschiedsgeschenk der Carl Gustav Carus-Klinik, denn es war nach mehreren Wochen Aufenthalt der letzte Tag im Krankenhaus für den tapferen kleinen Kirgisen.

Die Ärzte und Pflegenden der Klinik für Kinderchirurgie haben Timur ein großes Stück Lebensqualität zurückgegeben. Nach zwei Darm-Operationen und außerdem viel Toilettentraining, kann der Junge zum ersten Mal normal aufs Klo gehen. Notwendig wurde die OP, weil Timur ohne Anus auf die Welt kam. Diese angeborene Fehlbildung komme weltweit bei jedem 3000. bis 5000. Neugeborenen vor, wie Oberarzt Dr. Christian Kruppa erklärt. "Bei Nichtbehandlung kann das tödliche Folgen haben. Dadurch dass die verdaute Nahrung nicht abgeführt werden kann, kommt es in vielen Fällen zum Darmverschluss, der lebensbedrohlich sein kann.", so Kruppa weiter.

Aufgrund mangelnden Wissens der Ärzte in seinem Heimatland Kirgisistan konnte der Junge in einer Not-OP einen Tag nach seiner Geburt lediglich mit einem künstlichen Darmausgang versorgt werden. Dazu verlegten die kirgisischen Chirurgen den Dickdarm von Timur auf dessen Bauchdecke. Der Stuhlgang des Fünfjährigen wurde seitem in einem Beutel aufgefangen. Der Junge konnte sich so zwar zu einem ganz normalen und kräftigen Kind entwickeln, aber herumtoben und spielen waren dennoch nur eingeschränkt möglich. Dr. Kruppa erklärt weiter: "Ein künstlicher Darmausgang bereitet den Betroffenen oft mehr psychische als physische Probleme. Spätestens in der Pubertät stellen sich viele die Frage, warum ausgerechnet sie davon betroffen sind. Auch Schwierigkeiten bei der Partnersuche sind nicht selten", berichtet der Kinderchirurg.

Um Timur dieses Schicksal zu ersparen, hat der Oberarzt zusammen mit Prof. Guido Fitze, dem Direktor der Klinik für Kinderchirurgie, in einer ersten zweistündigen Operation am 1. Juli zunächst die Öffnung des Enddarms am Po rekonstruiert. Dazu musste der Darm des Jungen etwa drei Zentimeter umverlegt werden. "Die Muskulatur für den Anus war bereits angelegt, der Darm hat sich aber bei der Entwicklung des Kindes im Mutterleib schlicht im Weg dorthin geirrt", erklärt Dr. Kruppa. Nachdem der kleine Kirgise diesen Eingriff gut überstanden hatte, erfolgte drei Wochen später eine zweite OP, bei der der künstliche Darmausgang verschlossen wurde. Nachdem er weitestgehend gelernt hat, seinen Stuhl zu halten, braucht der Junge inzwischen nur noch nachts Windeln.

In Deutschland sind neben dem Dresdner Uniklinikum etwa 14 Kliniken auf solche komplexen Darm-Eingriffe spezialisiert. In Dresden werden jedes Jahr bis zu zwölf Babys versorgt. "Uns war es ein Herzenswunsch, Timur mit der Operation ein normales Leben zu ermöglichen. Wir haben an unserer Klinik die Expertise und die notwendigen Mittel für eine erfolgreiche Behandlung, da sollte es am Geld nicht scheitern", sagt Prof. Fitze. Um die OPs und die weitere Versorgung zu finanzieren, verzichtete zum ersten Mal ein Großteil der Kinderchirurgen auf klinikinterne Extrazahlungen, so dass mehr als 12 000 Euro zusammenkamen, über den die Stiftung Hochschulmedizin Dresden einen Großteil der Behandlungskosten finanziert. Ein Drittel der Kosten übernimmt das Klinikum direkt.

Bei der humanitären Hilfsaktion wurden die Ärzte außerdem vom Verein Friedensdorf International e.V. unterstützt, der Timur zur medizinischen Behandlung nach Deutschland geholt hat. Der Verein übernimmt auch die weitere Versorgung des Jungen, bis er in ein paar Wochen wieder nach Hause fliegt. Wilfried Winzer, Kaufmännischer Vorstand der Uniklinik: "Zwei komplizierte OPs hat er bei uns überstanden und es ist uns eine Freude, ihn jetzt wieder zu seiner Familie zurückzubringen."

www.friedensdorf.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.08.2015

Miriam Harner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Anzeige
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.