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Sektenvorwürfe gegen Dresdner Friseure Brockmann und Knödler: Lamprecht tritt aus Prüfkommission aus

Sektenvorwürfe gegen Dresdner Friseure Brockmann und Knödler: Lamprecht tritt aus Prüfkommission aus

Mit einer Prüfkommission wollten die Dresdner Star-Friseure Brockmann und Knödler die gegen sie erhobenen Scientology-Vorwürfe entkräften. Am Montag erklärte der Sektenbeauftragte der evangelischen Landeskirche Sachsens, Harald Lamprecht seinen Austritt aus der Kommission.

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Als Friseure sind Petra Brockmann und Thomas Brockmann-Knödler in Dresden respektiert und anerkannt. Eine Verbindung zu Scientology haben sie in der Vergangenheit stets abgestritten.

Quelle: Archiv/PR

"Ich sollte einen Vertrag unterschreiben, der einem Maulkorb gleichgekommen wäre", ärgert sich Lamprecht. Es sei von ihm gefordert worden, dass er alle alten und neuen Erkenntnisse der von Brockmann und Knödler beauftragten PR-Agentur "Zebra" mitteilt und nur diese mit der Öffentlichkeit sprechen darf. Letztlich gehe es darum, die Kritiker zu kontrollieren, aber nicht die Vorwürfe aufzuklären, betont der Sektenkritiker.

Keinen Wert auf eine Mitgliedschaft in der Kommission legt auch die ehemalige Sektenbeauftragte der Hansestadt Hamburg, Ursula Caberta, die Brockmann und Knödler ebenfalls angefragt hatten. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte sie: "Die ganze Prüfkommission von Brockmann und Knödler ist eine einzige Farce." Man habe ihr nicht einmal Rechtsfrieden zugesi- chert, wenn sie Schlimmes über das Unternehmen herausfinde, so Caberta.

Eine Verschleierungstaktik vermutet ebenfalls Janina Weiper, die von 2004 bis 2010 für Brockmann und Knödler als Trainerin für Fachseminare gearbeitet hat. "Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Sektenvorwürfe gerechtfertigt sind. Obwohl Brockmann und Knödler fachlich sehr gut sind, kann ich bestätigen, dass Petra Brockmann mich und meine Kollegen zu den Psycho-Seminaren bei Hans-Peter Hubers Firma Progredi gedrängt hat", sagt die 31-Jährige. Dort habe man bewusst nach den Schwächen der Teilnehmer gesucht und sie gedemütigt. Am Ende sei sie psychisch abhängig gewesen und habe viel Geld für Seminare ausgegeben.

Der Grund liegt für Weiper auf der Hand: "Petra Brockmann ist geldgeil. Menschen sind ihr nicht wichtig." Auch Harald Lamprecht kann von Friseurinnen berichten, die in dem Teufelskreislauf gefangen sind: "Zu mir sind einige Frauen gekommen, die wegen der Seminare 20 000 Euro Schulden haben." Auf diese Weise kämen sie nicht von dem Unternehmen los, argumentiert der Sektenexperte, und leisteten dann einerseits wegen der Schulden, andererseits wegen durch die Seminare verursachter Minderwertigkeitsgefühle viele Überstunden.

Problematisch sieht er besonders, dass die Friseure ihre allseits anerkannte Fachkompetenz für diese Zwecke einsetzen: "Eigentlich wollen Menschen eine berufliche Weiterbildung erfahren, kriegen aber unter der Hand eine Art Psychotherapie. Da sehe ich die Grenzziehung nicht gewahrt, die aber notwendig ist." Die Alarmglocken hätten bei ihm geschrillt, als sich bereits 2011 drei Menschen - unabhängig voneinander - an ihn gewandt hätten. Darunter eine Auszubildende aus dem Dresdner Friseurunternehmen. "Die junge Frau hat mir diverse Dinge berichtet. Unter anderem seien sachliche Konflikte zum Beispiel bei der Urlaubsplanung so gedeutet worden, dass es Probleme mit der Kommunikationsfähigkeit gibt und es somit notwendig sei, ein entsprechendes Seminar zu besuchen."

Bei einer Auseinandersetzung nicht die Kritik in den Mittelpunkt zu stellen, sondern den Kritiker als Problem anzusehen, sei ein typisches Merkmal der Vorgehensweise von Sekten, so Lamprecht. Er findet es "von der Sache her gut, dass das Friseurpaar die Flucht nach vorn angetreten und die Verbindung zur Progredi AG gekappt hat". Allerdings könne er nicht glauben, dass die Dresdner Friseure nichts von den Inhalten der Seminare gewusst hätten. "Bestimmte überlieferte Praktiken in dem Seminarbetrieb wie z.B. das Nachstellen von Lebenssituationen mit Bauklötzern, der Umgang mit interner Kritik und die internen Überwachungs- und Kontrollstrukturen erinnerten an Methoden der Scientology-Organisation. Herr Huber hat mir gegenüber am Telefon zugegeben, dass er über Scientology-Materialien verfüge. Allerdings hat er behauptet, dass er sie sich erst übers Internet gekauft hat, nachdem bereits vergangenen Herbst Vorwürfe laut wurden. Ich halte das für unglaubwürdig." Petra Brockmann und Thomas Brockmann-Knödler waren für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2014

Stephan Hönigschmid/Catrin Stei

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