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Seit 60 Jahren pflegt Heinz-Jürgen Klingner seinen Garten in Dresdens ältestem Kleingartenverein

Seit 60 Jahren pflegt Heinz-Jürgen Klingner seinen Garten in Dresdens ältestem Kleingartenverein

"Der Pfirsichbaum trägt dieses Jahr nicht so gut." Heinz-Jürgen Klingner lächelt sein herzliches Lächeln, das man bei ihm fast immer sehen kann. Dann schaut er zum Kirschbaum gleich neben der kleinen Hollywoodschaukel, auf der gerade Platz genug ist für ihn und seine Frau Erika.

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"Der Garten hält mich jung", sagt Heinz-Jürgen Klingner. Sein Garten ist ein Vier-Generationen-Projekt, mittlerweile kommen gern auch die Urenkel zu Besuch.

Quelle: Christian Juppe

Der Baum hängt voller Kirschen. Der Lohn der Gartenarbeit. Auch die Tomaten wachsen gut und der Blumengarten ist eine Pracht, kein Unkraut stört. Ungefähr 150 Quadratmeter groß ist die Parzelle des Ehepaars in Dresdens ältester Gartensparte, dem "Naturheilverein Dresden-Löbtau und Umgegend". Ein kleines Schmuckstück, gleich am Mittelweg. Heinz-Jürgen Klingner kennt jeden Quadratzentimeter genau. Seit 60 Jahren bewirtschaftet er das kleine Grundstück. Damit ist der 85-Jährige das am längsten aktive Mitglied der Sparte.

Die Gründungszeit hat freilich auch er nicht miterlebt, aber die Jahre des Neuanfangs nach dem Krieg. "Mein Nachbar war Tischler und ich Zimmerer", erinnert er sich. Aus der Stadt, die in Trümmern lag, haben sie sich damals die schweren Sandsteineinfassungen von Fenstern geholt. "Mit dem Handwagen haben wir die hier herauf gekarrt", beschreibt er die Anfänge, "die haben wir für das Fundament gebraucht". Auf diesem Fundament steht seine Laube noch heute. Ein kleines Häuschen aus dunklem Holz. "Das hier ist das Esszimmer", zeigt Heinz-Jürgen Klingner den ersten der zwei Räume mit einem Tisch, einer Eckbank und einer kleinen Küche. "Mit Kühlschrank, da ist Bier drin", lächelt er wieder. Dann erlaubt er einen Blick ins Schlafzimmer gleich nebenan. Zwei Holzliegen stehen dort über Eck. "Hier halten wir Mittagsschlaf und wenn die Kinder kommen, wird hier auch mal übernachtet, dann kann man die Liegen ausziehen."

Die grüne Oase, die der 85-Jährige gemeinsam mit seiner Frau bewirtschaftet, hat die Nummer 38. Schon viele Male sei der Garten umgestaltet worden. Zuletzt bekam er kleine Wege zwischen den Beeten. "Ich muss das mit 85 ja ein bisschen pflegearm gestalten", begründet Heinz-Jürgen Klingner die jüngsten Veränderungen. Sein Garten ist ein Vier-Generationen-Projekt. "Die Kinder sind hier groß geworden und mittlerweile sind die Urenkel da."

In der Sparte im Westen der Stadt ist Garten 38 einer von insgesamt 47 Gärten, die verpachtet werden können. Zwei weitere Gärten dienen dem Verein als Gemeinschaftsflächen. So, wie auch eine kleine Laube im unteren Drittel der Sparte, die so etwas wie das Vereinsheim ist. Gleich daneben befindet sich das einzige massiv gemauerte Gebäude: ein Toilettenhäuschen mit je einem WC für Männer und Frauen. Es ist ein Überbleibsel. Bis Kriegsende hatte die Sparte auch eine Gaststätte, das Toilettenhäuschen ist der Rest davon. "Das haben wir gemeinsam gebaut", berichtet Reinhard Laschner, der Vereinsvorsitzende.

"Wir sind klein und schnuckelig", beschreibt Laschner, der die Geschicke der Sparte seit fast 16 Jahren steuert, den "Naturheilverein Dresden-Löbtau und Umgegend". Nicht immer lief alles glatt, aber seit die kleine Sparte und der deutlich größere Nachbar, der Verein "Dölzschener Höhe" eigenständig sind, ist Frieden eingekehrt am Westhang. Dass die Löbtauer unter anderem das Toilettenhäuschen erneuern, die Elektroanlage erweitern und eine neue Abwasserleitung verlegen konnten, sei ohne diese Trennung "nicht in dem Zeitraum und der Qualität zu erreichen gewesen, in dem das gelungen ist", stellte Laschner bereits zum 100. Geburtstag der Sparte fest. Mittlerweile arbeiten die Vereine reibungslos zusammen.

Reinhard Laschner stapelt tief, wenn er über "seine" Sparte spricht. "Wir sind nichts Besonderes", sagt er. Und es sei nicht immer leicht, die Vereinsarbeit zu erledigen, denn sie verteilt sich in einem kleinen Verein auch auf weniger Schultern. Ein wichtiges Thema: Sind Gärten zu vergeben, wünschen sich Laschner und seine Mitstreiter möglichst junge Familien als Nachfolger, um den Generationenwechsel zu schaffen, wieder Vereinschef sagt.

Mit Erika und Heinz-Jürgen Klingner kann er da noch nicht rechnen. Sie wollen noch lange bleiben. "Der Garten hält mich jung", sagt der 85-Jährige. "Ich kann noch ganz gut mit meinem Wanderfreund 20 Kilometer laufen", meint der Spartensenior und halbiert erst, als sich seine Gattin hörbar räuspert. "Na gut, zehn Kilometer", lächelt Heinz-Jürgen Klingner, der älteste Gärtner in Dresdens ältester Gartensparte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.07.2014

Christoph Springer

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