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Seit 50 Jahren gibt es vollautomatische Ampeln in Dresden

Seit 50 Jahren gibt es vollautomatische Ampeln in Dresden

Wer die Treppen an der stadteinwärtigen Haltestelle Carolaplatz hinunterläuft, trifft auf eine dicke Tür, hinter der einer der wohl wichtigsten Dresdner Technikräume liegt.

Von hier aus werden die Ampeln auf dem vielbefahrenen Knotenpunkt am Regierungsviertel geschalten - automatisch. Der Blick in die modernen Kästen voller rot und grün blinkender Lichter verrät es nicht unbedingt, aber bei der Steuerungsstelle aus den 1970er Jahren handelt es sich um die älteste noch aktive in Dresden.

"Wir haben die Geräte für einen Umlauf von etwa 110 Sekunden programmiert. Das heißt, so lange muss man auf Grün warten, wenn gerade Rot geworden ist. Das gilt für Fußgänger, Autos und Straßenbahnen", erklärt Dietmar Klinkigt, Spezialist für Lichtsignalanlagen beim städtischen Straßen- und Tiefbauamt.

Klinkigts Amtschef Reinhard Koettnitz lud gestern anlässlich des 50. Geburtstages der ersten vollautomatisch arbeitenden Dresdner Ampel zu dem Rundgang durch die für die Öffentlichkeit geschlossene Steuerungsstelle ein. Das Pioniergerät ging am 10. Dezember 1961 auf der Kreuzung Paul-Gruner-Straße - der heutigen Ecke Könneritz-/Schweriner Straße - in Betrieb. Ihr geistiger Vater war der heute noch in Coschütz/Gittersee lebende, aber inzwischen pensionierte Ingenieur Alfred Pamin. Er sei richtig stolz gewesen, als sie damals anlief, erzählt er den DNN.

"Die ersten Steuergeräte waren Einzelanfertigungen und speziell auf die Verkehrsverhältnisse der jeweiligen Kreuzung angepasst. Sie arbeiteten vorwiegend mit elektromechanischen Relais", beschreibt Koettnitz. Die Art und Weise, wie der Takt vorgegeben wurde, funktionierte damals ähnlich wie bei einem Uhrwerk. Inzwischen erledigen dies moderne Prozessoren, die ihre Daten zudem an die seit 2007 laufende Verkehrsrechnerzentrale an die Lohrmannstraße übermitteln. Hier sitzen Dispatcher, die auf großen Monitoren Störungen schnell erkennen und reagieren können.

Einmal abgesehen von einem Vorgängermodell, das schon vor 1945 am Hauptbahnhof stand, wurde mit Pamins Ampel vor 50 Jahren der Grundstein für die inzwischen 464 Lichtsignalanlagen im Dresdner Stadtgebiet gelegt. Das sind fast sechsmal so viele wie zu DDR-Zeiten.

Nun habe man, so Koettnitz, einen Punkt der Sättigung erreicht. Statt ständig neue Ampeln zu bauen, fließt inzwischen das meiste Geld aus diesem Investitionstopf in Instandhaltungen und Modernisierungen. Da gebe es Nachholbedarf, allein für bessere Steuergeräte seien zwischen 40 000 und 250 000 Euro zu berappen.

Nach der Wende war die Situation noch eine ganz andere. "Mit dem rasanten Ausbau der Straßen wurde die verkehrstechnische Infrastruktur stark erweitert", sagt Klinkigt. Pro Jahr waren es in Spitzenzeiten mehr als 30 neue Ampeln, die die Stadt plante, baute oder in Betrieb nahm. Während ursprünglich zur Datenübertragung robuste Fernmeldekupferleitungen eingesetzt wurden, haben mittlerweile moderne Lichtwellenleiter Einzug gehalten.

Zufrieden stimmen solche Neuigkeiten bei weiten nicht alle Dresdner. Wer stand nicht schon einmal an einer Kreuzung und verfluchte die aus seiner Sicht vollkommen unlogische Ampelschaltung. Koettnitz widerspricht dem allgemein verbreiteten Argument, gerade so würde die Stadt überhaupt erst für Stau sorgen, entschieden: "Stellen sie sich vor, wir hätten keine Ampeln. Chaos wäre die Folge. Wir müssen halt alle Verkehrsteilnehmer unter einen Hut kriegen - Straßenbahnen, Autofahrer, Fußgänger. Manche wollen abbiegen, jeder hat sein eigenes Tempo."

Augenscheinlich überhaupt noch nicht im Griff haben die Verantwortlichen im Rathaus die Verkehrsführung auf der Altstädter Seite seit der Freigabe der Behelfsbrücke neben der Albertbrücke. Auf dem Käthe-Kollwitz-Ufer staute es sich gestern Vormittag bis zum Thomas-Müntzer-Platz, weil Abbieger durch Fußgänger, die die Fahrbahn überqueren, ausgebremst werden.

Wegen dieses Ärgernisses haben sich schon viele Dresdner in der ADAC-Geschäftsstelle am Fetscherplatz beschwert, wie Mitarbeiter Markus Löffler berichtet. "Uns ist das Problem bekannt", betont Koettnitz. "Wir befinden uns seit Eröffnung der Behelfsbrücke in einer Eingewöhnungsphase, in der wir regulieren müssen. Genau das tun wir, da man die alten Taktzeiten nicht mehr verwenden kann."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.12.2011

Christoph Stephan

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