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Schon 32 Mal Feinstaubalarm in Dresden

Schon 32 Mal Feinstaubalarm in Dresden

Dresden wird in diesem Jahr mutmaßlich die Luftdreck-Grenzwerte der EU wieder mal nicht einhalten: Schon 32 Mal hat die Messstation an der Bergstraße bisher Feinstaub-Alarm geschlagen.

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Aus einer Studie zu Ultra-Feinstaubpartikeln aus dem Europa-Projekt UFIREG stammt diese Grafik. Unter anderem Wissenschaftler der TU Dresden haben gesundheitsschädigende Wirkungen von ultrafeinen Partikeln festgestellt. Solche Partikel werden neben den größeren Feinstaub-Partikeln auch bei Grill- und Lagerfeuerabenden wie der Walpurgisnacht freigesetzt.

Quelle: Senghaas, Monika

Erlaubt sind pro Jahr aber nur maximal 35 Überschreitungstage und das feinstaub-"freundliche" Winterwetter ist noch gar nicht über die Stadt hereingebrochen. Diese Grenze hatte Dresden bereits in den Jahren 2009 bis 2011 immer wieder gerissen. Im kommenden Jahr muss die sächsische Landeshauptstadt aber gegenüber der EU ihren Luftreinhalteplan abrechnen und beweisen, dass der mehr taugt als eine Umweltzone mit Fahrverboten für Altautos.

Dass allerdings solch eine Umweltzone die Feinstaubbelastung in Dresden nachhaltig senken könnte, glaubt inzwischen aber ohnehin kaum noch ein Experte. Auch Maria Krautzberger, die Präsidentin der Bundesumweltamtes, hatte erst jüngst erklärt, dass diese Umweltzonen in den Städten, die sie eingeführt hatten, inzwischen praktisch wirkungslos im Anti-Feinstaubkampf seien. Hauptargument: Weil die Deutschen in den vergangenen Jahren fleißig Neuwagen gekauft haben, erfüllt mittlerweile fast jeder Privat-Pkw die Kriterien für eine grüne Abgasplakette und damit die Einfahrt-Kriterien in Umweltzonen.

In seiner Kritik an Umweltzonen bestätigt sieht sich nun insbesondere auch Prof. Matthias Klingner, der Leiter des Dresdner "Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme" (IVI): "Dass Umweltzonen kaum geeignet sind, um die Feinstaub-Konzentrationen in den Städten zu senken, haben wir schon vor sieben Jahren durch eine aufwendige Studie ermittelt", betonte er. Aber damals hätten sich viele Politiker in Deutschland von "pseudowissenschaftlichen Vorstellungen" leiten lassen. Umweltzonen seien derart en vogue gewesen, dass kaum einer auf die Dresdner Fraunhofer-Experten hören wollte. "Unsere Erkenntnisse galten als unpopulär, weil man den Individualverkehr lieber maximal behindern wollte." So habe die Weltgesundheits-Organisation seinerzeit weltweit jährlich 310 000 Tote durch Feinstaub prognostiziert. "Auf Dresden runtergerechnet, wären das rund 500 Feinstaub-Tote im Jahr. Wo sind die geblieben?", fragt Klingner rhetorisch.

Das IVI war in seiner Studie seinerzeit zu dem Ergebnis gekommen, dass die Feinstaubkonzentrationen in den Innenstädten nur sehr wenig durch den Autoverkehr beeinflusst wird, sondern vor allem durch die Wetterlage und den Feinstaub, der aus Russland und aus der Sahara nach Mitteleuropa geweht wird. Dresden sei insofern gut beraten gewesen, auf einen Luftreinhalteplan mit vielen kleinen Maßnahmen zu setzen statt eine Umweltzone, meint Klingner.

Wie man den Messwerten aber eben auch entnehmen kann, sichert auch dieser Luftreinhalteplan nicht wirklich eine stabile Einhaltung der Feinstaub-Grenzwerte in Dresden. Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte in seiner Verzweiflung sogar schon darauf gedrängt, die höchstbelastete Messstation einfach ein Stück von der Bergstraße wegzurücken. Um dies zu simulieren, hatte er die Bergstraße im August sogar für eine Woche teilweise sperren lassen - so richtig senken konnte er die Messwerte aber auch damit nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.11.2014

Heiko Weckbrodt

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