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Schlossbibliothek soll von der Dresdner SLUB nach Rötha zurückkehren

Schlossbibliothek soll von der Dresdner SLUB nach Rötha zurückkehren

Schloss Rötha, 1669 fertig gebaut, 1969, also genau 300 Jahre später von der kommunistischen Diktatur, gesprengt. Seit Jahren gibt es viel Bürgerengagement in der westsächsischen Kleinstadt, um mit einen Erinnerungsort samt rekonstruiertem Schlosspark lange verloren gegangene Geschichte zurück ins Bewusstsein zu holen.

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Prachtvoll: Die alte Röthaer Schlossbibliothek.

Quelle: Archiv von Friesen

Dresden/Rötha. Die Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig förderte besonders im Jahr des Gedenkens an die Völkerschlacht Projekte in und für Rötha. Auf dem Schloss hatten 1813 die Befehlshaber der gegen Napoleon verbündeten Truppen ihr Hauptquartier. In Erinnerung daran fand im vergangenen Jahr auch in Rötha ein vielbeachtetes Treffen der europäischen Adelshäuser statt. Röthas Schloss war bis 1945 in Besitz der Familie von Friesen. Ihre Mitglieder stellten über die Jahrhunderte immer etwas dar, sie machten Politik und hatten Einfluss auf die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche. Der letzte noch lebende Spross ist heute Heinrich Freiherr von Friesen, 1935 auf Schloss Rötha geboren. Der vitale alte Herr ist beglückt von dem, was sich in den vergangenen Jahren für die Renaissance seiner Familien­geschichte hier in Sachsen getan hat. "Als unsere Familie, meine Eltern und wir vier Kinder im Oktober 1945 aus Rötha fliehen mussten, war das ein Abschied für immer", so von Friesen. Er berichtet, wie die Familie mit nur sechs Gepäckstücken ihre Heimat verließ, um der drohenden Verhaftung durch die Sowjets zu entgehen. Die neuen Herrscher waren damals freilich schon dabei, das Schloss zu plündern, so wurden, wie sich der Freiherr erinnert, Bücher, auf Mistgabeln aufgespießt, in den Müll befördert.

Zum wertvollen Bestand von Schloss Rötha zählte eine Bibliothek, die mit ihren 10 000 Bänden als die größte Privatbibliothek Sachsens galt. Zu diesen Büchern muss nur die folgende Geschichte erzählt werden: Die Bibliothek war selbst in Berlin bekannt. So machte im Oktober 1757 Friedrich der Große auf einem Eilmarsch von Schlesien Richtung Rossbach unterwegs in Rötha halt. Er übernachtete und begehrte, die Bibliothek zu sehen. Lange sei er sodann lesend im Park spazieren gegangen.

Ein Großteil der Bücher, unter anderem die Schedelsche Weltchronik von 1493, sind verschollen, 4000 Exemplare befinden sich in Obhut der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (Slub) Dresden beziehungsweise des Landesamtes für Denkmalpflege. Zum Teil wurden die Bücher bereits restituiert, Freiherr von Friesen stiftet sie der Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig mit der Maßgabe, dass die Bibliothek in einem künftigen Erinnerungsbau in Rötha der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dafür gab es jüngst den vom Förderverein "Rötha - Gestern.Heute.Morgen" initiierten Architekturwettbewerb unter dem Titel "Zukunft durch Erinnerung".

"Mit seiner Schenkung setzt Heinrich Freiherr von Friesen das Wirken seiner Vorfahren in anerkennungs­werter Weise fort. Stifteten diese einst die beiden Silbermannorgeln für Rötha, die noch heute die Menschen erfreuen, so stiftet er nun die über mehrere Jahrhunderte entstandene Bibliothek seiner Vorfahren. Vorerst verbleiben die Bücher an den genannten Standorten. Freiherr von Friesen ist in der Tat spendabel. 2009 hatte er bereits die familiäre Ahnengalerie, die mit ihren über 100 Gemälden zu den bedeutendsten hierzulande gilt, dem Freistaat Sachsen vermacht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.07.2014

Thomas Mayer

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