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Schlösserland Sachsen verteidigt Eintrittsgeld-Pläne für Schlosspark Pillnitz - Grüne nehmen FDP in die Pflicht

Schlösserland Sachsen verteidigt Eintrittsgeld-Pläne für Schlosspark Pillnitz - Grüne nehmen FDP in die Pflicht

Dresden. Der Besuch des Schlossparks Pillnitz in Dresden ist künftig kostenpflichtig. Vom 2. April an werde Eintritt verlangt, sagte eine Sprecherin der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten am Donnerstag.

Das Geld werde dringend für Pflege und Erhaltung der Anlage aus dem 18. Jahrhundert benötigt. Die staatlichen Zuschüsse würden nicht mehr ausreichen, um den Park in einem angemessenen Zustand zu halten. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagte der Direktor der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten, Christian Striefler.

Geplant sind künftig 2 Euro Eintritt, ermäßigt ein Euro. Speziell für Dresdner soll es eine Jahreskarte für acht Euro geben. Eine Regelung, wonach Dresdner komplett vom Eintritt befreit würden, sei aufgrund des EU-Rechtes nicht möglich, heißt es. Künftige Eingänge sollen am AHA-Graben an der Maillebahn unweit des Parkplatzes Leonardo-da-Vinci-Straße und am nördlichen Rundbogen neben dem Besucherzentrum »Alte Wache«, am Eingang von der August-Böckstiegel-Straße sein. Ausgänge sind darüber hinaus neben dem Wasserpalais, am Englischen Pavillon und am Palmenhaus geplant. Der Freistaat rechnet durch den Obolus bei 600.000 bis 800.000 Gästen mit etwa einer Million Euro zusätzlicher Einnahmen pro Jahr.

Damit sollen vor allem die Pflegerückstände abgebaut und das Pflegeniveau insgesamt nachhaltig erhöht werden, teilte die Verwaltung zur Begründung mit. Investitionen und Gestaltungsmaßnahmen im Bereich von Lustgarten, Heckengärten, Englischer Garten und Kaiserstück hätten dabei Priorität. Ohne die Zusatzeinnahmen müsste auf Teile der Bepflanzung verzichtet werden, Wege würden nicht mehr gepflegt werden können, Fontänen müssten abgestellt werden, zudem drohten Sperrungen von Teilen des Gartens.

Viele Gehölze seien überaltert. Derzeit werden jährlich 1,7 Millionen Euro für das Gartenensemble um die einstige Sommerresidenz der sächsischen Herrscher ausgegeben. Der Aufwand für die Bewirtschaftung des Areals, in dem unter anderem eine mehr als 200 Jahre alte Kamelie und 600 Kübelpflanzen stehen, liege um 500.000 Euro pro Jahr höher, sagte Striefler. Pillnitz erwirtschafte auch mit Veranstaltungen eine Million Euro, 700.000 Euro schieße der Freistaat zu. Er wisse um die nicht einfache Diskussion. „Aber es ist eine dringende Notwendigkeit, nur so kann nachhaltige Pflege geleistet werden". sagte Striefler.

Allerdings regt sich bereits Kritik an den Plänen. „Der Schlosspark Pillnitz muss frei zugänglich bleiben. Das gehört zum besonderen Reiz dieses wundervollen Stadtteils, der seine Schönheit mit allen Dresdnerinnen und Dresdnern wie auch mit den Besuchern teilt. Der Schlosspark ist keine von der Welt abgelegene Sehenswürdigkeit, sondern liegt in der Mitte des Ortes. Der Park gehört allen und nicht nur denen, die zahlen können", kritisiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Lames.

"Der Freistaat als Eigentümer kann sich nicht einfach damit herausreden, es stehe nicht genügend Geld zum Erhalt und zur Pflege zur Verfügung. Er ist gegenüber den Steuerzahlern verpflichtet, das Eigentum aller zu erhalten und zu pflegen." Es gebe genügend andere Gelegenheiten, beispielsweise durch Vermietungen, Eintritte in besondere Gebäude und ähnliche Maßnahmen Einnahmen zu erzielen.

Kritik kommt auch von den Grünen, die die FDP in die Pflicht nehmen: "Jetzt muss die FDP zeigen, was ihr Wort wert ist. In der vergangenen Legislaturperiode hatte sie in einem Landtagsantrag gefordert, keinen Eintritt für den Pillnitzer Park zu erheben. Nun hat sie die Möglichkeit, diese richtige Forderung umzusetzen", fordert Karl-Heinz Gerstenberg, der kulturpolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion.

Die Landesregierung gehe miserabel mit dem wertvollsten Eigentum des Freistaates um. "Sie kürzt ständig die Zuschüsse zur Unterhaltung der Schlösser, Burgen und Gärten und will dafür jetzt die Besucher zur Kasse bitten. Dort, wo selbst zu Königs Zeiten die Besucher frei spazieren konnten, will Finanzminister Unland jetzt absperren und abkassieren."

elbst zu Königs Zeiten die Besucher frei spazieren konnten, will Finanzminister Unland jetzt absperren und abkassieren."

"Jetzt für den Besuch der öffentlichen Parkanlagen noch Eintritt verlangen zu wollen, ist das falsche Signal, zumal der Betrieb ja bereits durch Steuern der Bürgerinnen und Bürger finanziert wird", meinen auch die Linken. "Bereits jetzt bezahlt man für einen geführten Parkrundgang fünf Euro und für den Besuch des Palmenhauses drei Euro. Und auch betreute Exkursionen von Schulklassen in den Schlosspark kosten 2 Euro pro Kind", weist die Landtagsabgeordnete Annekatrin Klepsch hin.

Der Fall hatte 2005 schon einmal Landtag und Juristen beschäftigt. Der Petitionsausschusses kam damals aber zu der Auffassung, dass Tickets rechtens sind. Der Park der einst höfischen Sommerresidenz, dem größten chinoisen Lustschloss Europas, ist das vierte staatliche Areal, das kostenpflichtig wird: Im Barockgarten Großsedlitz bei Heidenau wird seit 1994 Eintritt verlangt, aktuell vier Euro. Auch die Anlagen von Schloss Rammenau (Landkreis Bautzen) und Schloss Lichtenwalde bei Chemnitz können nur gegen Obolus genutzt werden.

Wir fragen auf Facebook: Der Besuch des Schlossparks Pillnitz in Dresden wird ab April kostenpflichtig - Haben Sie dafür Verständnis?

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Die Parforcehornbläser bei der Pillnitzer Schloßnacht.

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dpa / sl

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