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Schlangestehen für Zeitung aus Dresden - Russen wild auf News in Muttersprache

Schlangestehen für Zeitung aus Dresden - Russen wild auf News in Muttersprache

„Ist sie schon da, ist sie schon da, ist sie schon da?“ Im Minutentakt hört Dmitri Jampolski jeden Freitagmorgen in seinem Laden in der Dresdner Neustadt die immer gleiche Frage - auf russisch.

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Archivbild

Quelle: dpa

Seine Kunden warten auf Papier: Die neueste Ausgabe der „Moja Gazeta“ (Meine Zeitung). Das Neueste aus der Stadt, Klatsch und Tratsch, Tipps und die Weltnachrichten - alles für die Landsleute Wichtige steht drin, in ihrer Muttersprache. Karikaturen, Witze und manchmal auch Gedichte füllen die restlichen Spalten.

„Moja Gazeta“ ist eine von bundesweit 104 russischsprachigen Zeitungen und Zeitschriften. „Die russischsprachige Medienszene ist die größte fremdsprachige in Deutschland“, sagt ein Sprecher des Instituts Internationale Medienhilfe (IMH) Berlin. Meist werden die Blätter auch kostenlos verteilt. Während es in Berlin mehrere davon gibt, ist „Moja Gazeta“ laut Statistik des Instituts die einzige Ausgabe in Ostdeutschland außerhalb der Hauptstadt.

Jampolski hat das Blatt 1997 gegründet. Er kam wegen seiner jüdischer Wurzeln aus St. Petersburg als Kontingentflüchtling mit Frau und Sohn nach Deutschland. Er habe Mafia und Unsicherheit gegen normale Verhältnisse eintauschen wollen, sagt der 64-Jährige. Der Anker in der Fremde war sein Cousin, der Pianist Arkadi Zenziper. „Ich musste mir natürlich ein neues Lebensziel suchen“, erzählt Jampolski senior.

Dabei habe er sich an einen Satz von Lenin vor der Revolution erinnert: „Uns alle verbinden und vereinen kann nur eine Zeitung.“ Damals sprossen viele russische Vereine und Geschäfte aus dem Boden, aber ohne Infrastruktur oder Verbindungsglied, beschreibt der studierte Luft- und Raumfahrtingenieur seine Motivation. „Es lief alles nur über Mundpropaganda.“ Seine Idee mit der Zeitung kam daher auf Anhieb gut an.

Zunächst erschien sie nur zweimal im Jahr, schnell aber dann wöchentlich: Acht Seiten, im A 4-Format. Inzwischen muss er das Blatt im Laden rationieren, damit jeder Kunde eins bekommt. „Aber montags ist es trotzdem ausverkauft“, berichtet Sohn Oleg. Seit er 15 ist, schreibt der 22-Jährige kleine Beiträge und Kurznachrichten für die Zeitung - inzwischen viel über Kultur und rechtliche Themen in der russischen Heimat.

Vier Seiten werden wöchentlich gefüllt, der Rest kommt von der „Nowa Wollna“ (Neue Welle)“ in Nürnberg. Vier bis fünf Leute liefern regelmäßig Berichte, fast alle Laien. „Jeder schreibt, was er hat, meist ist das mehr Material als benötigt“, sagt Oleg. Layout und Schlussredaktion macht seine Mutter, eine Grafikerin. Eine Redaktion gibt es nicht, die Wohnung ist die Wiege jeder Ausgabe. Gedruckt wird „Moja Gazeta“ in Polen. „Jede Ausgabe kostet 150 Euro.“ Da das Blatt nicht verkauft wird, trägt es sich über Anzeigen.

Die 1000 Exemplare pro Woche sind am zweiten Tag schon vergriffen. „Bei gut 20 000 potenziellen Lesern im Vertriebsgebiet ist das zu wenig“, erklärt Oleg. „Jedes Exemplar geht eben durch viele Hände.“ Die „Moja Gazeta“ sei ja auch über Sachsen hinaus die einzige russische Wochenzeitung im Osten, mehr Auflage aber nicht finanzierbar. „Der Bedarf wird sinken, der Zuzug von Emigranten geht zurück“, weiß der Senior. Immer mehr hier lebende Russen sprechen auch gut Deutsch. „Und die jungen Leute nutzen sowieso das Internet.“

Daher haben die Jampolskis nun die Touristen im Visier. „Die brauchen Tipps zu Veranstaltungen und Shopping, für Autokauf oder medizinische Behandlung.“ Trotz der Serviceleistungen soll das Qualitätsniveau auch künftig gehalten werden. „Es geht uns um die Bewahrung der russischen Sprache, bessere Integration und Verständnis der deutschen Kultur“, sagt Oleg, der an der Medienakademie Mittweida studiert. „Ich will den Russen Wagner näherbringen.“

Simona Block, dpa

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