Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Schilddrüsenkompetenzzentrum am Dresdner St.-Joseph-Stift für ganz Mitteldeutschland

Schilddrüsenkompetenzzentrum am Dresdner St.-Joseph-Stift für ganz Mitteldeutschland

Am Krankenhaus St.-Joseph-Stift gibt es das einzige zertifizierte Kompetenzzentrum für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie in Sachsen.

Am Krankenhaus St.-Joseph-Stift gibt es das einzige zertifizierte Kompetenzzentrum für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie in Sachsen. Über 550 Patienten aus Thüringen, Südbrandenburg und Sachsen lassen sich hier jährlich operieren. In den neuen Bundesländern gibt es nur in Berlin ein vergleichbares Zentrum. Das Schilddrüsenzentrum ist zum Spezialisten für Patienten aus ganz Mitteldeutschland geworden.

Dienstagmorgen 10 Uhr im St.-Joseph-Stift. Bärbel Schmidt ist tapfer. Sie kneift ihre Augen zusammen, spitzt ihren Mund und setzt sich mit freundlichen Lächeln auf den Stuhl im Büro des Chirurgen. Vor wenigen Minuten hat sie ihren Mann an der Krankenhauspforte verabschiedet. Es wurde höchste Zeit. In den vergangenen Wochen quälten sie solche Schluckbeschwerden, dass sie vor Atemnot Panik bekam. Sie fühlte sich, als ob ihr zäher Schleim den Hals verstopft.

Alles nur wegen dieser etwa vier Zentimeter großen und 30 Gramm schweren kleinen Drüse unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre. Wenn die Schilddrüse nicht mehr richtig funktioniert, leidet der ganze Körper. Ihre Hormone regulieren den gesamten Stoffwechsel, das Herz- und Kreislaufsystem, die Nerven und die Muskeln. Doch damit nicht genug: Sie beeinflusst über ihre Hormone auch Persönlichkeit und seelisches Wohlbefinden, Sexualität und Fruchtbarkeit sowie das Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln. Die Symptome bei Erkrankungen der Schilddrüse sind fast ebenso vielfältig wie ihre Aufgaben. Deswegen fällt die Diagnose manchmal schwer.

So wie bei Bärbel Schmidt. Von Arzt zu Arzt ist sie gelaufen, hat immer wieder bei ihrem Hausarzt vorgesprochen, nach Ursachen gesucht. Schon lange war ihr klar, dass etwas nicht stimmt. Eindeutig wurde es mit der Halskrause, die ihr die Ärzte verordneten, weil sie den Kopf nicht mehr bewegen konnte. Weder Schmerzmittel noch Zeit halfen. "Ich fühlte mich furchtbar", erinnert sich die Frau aus Radeburg.

Jetzt sitzt sie auf dem Stuhl bei dem Chirurgen, lächelt sanft und stöhnt halb erleichtert und bedrückt: "Ich bin froh, dass das vorbei ist." Wahrscheinlich klingt ihre Stimme so schwer, weil es eben noch nicht vorbei ist. Die Operation steht unmittelbar bevor. Doch immerhin gibt es eine Operation. Immerhin ist endlich klar, was ihr fehlt, was die Ursache ihres langen Leidens ist.

Eigentlich sollte sie erst im Januar zur Voruntersuchung kommen. Doch als der Arzt des St. Joseph-Stifts ihre Werte sah, hat er sie sofort bestellt. Die Schilddrüsenszintigraphie - eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode - zeigte es eindeutig. Der linke Lappen der Drüse bildet keine Hormone mehr, der Rechte wiederum umso mehr. Die geschwollene Drüse drückt auf die Luftröhre. Eine Operation ist dringend nötig.

Bärbel Schmidt hatte sich für das Schilddrüsenzentrum am Sankt-Joseph-Stift entschieden, weil ihr Bekannte davon erzählten. Im Sommer wurde es durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie zum Kompetenzzentrum für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie zertifiziert. Weil dort Spezialsprechstunden durchgeführt werden, die Fachabteilungen interdisziplinär zusammenarbeiten und alle Diagnoseverfahren zur Verfügung stehen, hat die Klinik das Qualitätssiegel bekommen.

Bärbel Schmidt heftet ihre Blicke auf den Bildschirm. Oberarzt Christoph Blankenburg studiert noch einmal über Ultraschall die Schilddrüse vor der Operation. Er wird sowohl den rechten als auch den linken Schilddrüsenlappen entfernen. Über das Verfahren des Neuromonitoring verfolgt er die Stimmbandnerven. Denn diese laufen direkt hinter der Schilddrüse zum Kehlkopf. Werden sie beschädigt, könnte Bärbel Schmidt ihre Stimme verlieren. Doch darüber will sie sich keine Gedanken machen. Auch nicht, ob es Krebs sein könnte. "Es soll nur schnell vorbei sein", sagt sie leise.

Drei Tage später steht Bärbel Schmidt im blauen Morgenmantel auf dem Gang des St. Joseph Stift. Vor dem Abschlussgespräch möchte sie noch einen Tee trinken. Gelbes Desinfektionsmittel schimmert an den Rändern des dicken Verbands. Ihr Stimme klingt brüchig. "Mir geht es den Umständen entsprechend gut", erklärt sie und zuckt mit den Schultern. "Wie es einem eben so geht nach einer Operation."

Chirurg Blankenburg erklärt, dass sich ihre Drüse komplett "knotisch umgewandelt habe und verwachsen" gewesen sei. "Die Operation war schwieriger als gedacht." Deswegen habe es auch 135 Minuten gedauert, ehe die Drüse herausgelöst werden konnte. "Doch glücklicherweise hatten wir keine Komplikationen." Er strahlt seine Patientin an.

Bärbel Schmidt hat Halsschmerzen und noch Probleme mit der Stimme. Doch das ist alles nichts gegen die gute Nachricht: Es ist kein Krebs. Sie kann weiterleben, ohne Angst und ohne Schmerzen. Nur mit ein paar Tabletten. Sie liefern die Hormone, die ihr die Schilddrüse nicht mehr geben kann.

Katrin Tominski

Dr. med. Christoph Blankenburg, Chirurg am Schilddrüsenkompetenzzentrum am St. Joseph-Stift Dresden

Die Schilddrüsen ist nur eine kleine Hormondrüse im Hals. Warum ist sie so wichtig?

Die Schilddrüse ist für das Leben unverzichtbar, weil sie für alle Stoffwechselvorgänge nötig ist. Funktioniert sie nicht, minimieren sich alle Körperfunktionen gen Null.

Was passiert bei Erkrankungen der Schilddrüse?

Schilddrüsenhormone wirken auf Herz und Kreislauf. Störungen der Schilddrüse können eine Unter- oder Überfunktion hervorrufen. Das führt entweder zu Müdigkeit und Antriebsarmut oder im Fall einer Überfunktion zu Haarausfall, Durchfall und feuchten Händen. Außerdem kann es durch eine kranke Schilddrüse zu Störungen des Hormonstoffwechsels kommen. Gefährlich ist auch Jodmangel. Er begünstigt die Knotenbildung an der Schilddrüse.

Warum ist die Schilddrüse gerade für das Wachstum so wichtig?

Schilddrüsenhormone regulieren das Wachstum des Neugeborenen und die Entwicklung von Zellen insbesondere des zentralen Nervensystems. Ein Mangel dieser Hormone kann in den ersten Lebensmonaten zu schweren neurologischen Störungen und zu Kleinwüchsigkeit führen.

Kann der Mensch ohne Schilddrüse leben?

Nein. Muss die Schilddrüse aus medizinischen Gründen entfernt werden, sind die Patienten gezwungen, Hormone zu nehmen. Ohne diese wären sie nicht überlebensfähig.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.12.2011

iEndokrinologische Spezialsprechstunde, Schwerpunkt: Schilddrüse/Nebenschilddrüse. Eine Überweisung von Fachärzten für Innere Medizin und Chirurgie ist erforderlich. Krankenhaus St. Joseph-Stift, Wintergartenstraße 15/17, Di: 13 bis 15 Uhr, Mi: 08.30 bis 13 Uhr, Telefon: 44 40 - 24 60

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.