Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 0 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Scheitern der Gläubigerversammlung bei der Infinus-Mutter FuBus: Eklat mit Ansage

Scheitern der Gläubigerversammlung bei der Infinus-Mutter FuBus: Eklat mit Ansage

Als am Dienstag um 8.30 Uhr die Tore der Messehalle 1 geöffnet werden, wartet schon eine große Menschenmenge. Insgesamt folgen über 1300 Gläubiger, die bei der Infinus-Mutter Future Business KG aA Geld in Orderschuldverschreibungen investiert hatten, der Einladung zur Wahl eines gemeinsamen Vertreters im Insolvenzverfahren.

Voriger Artikel
Drei weitere Quartiere vor dem Start: Das "Frieseneck" an der Landhausstraße wird als Erstes fertig
Nächster Artikel
Infinus-Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler: "Ich sehe keineVerfehlungen"

Bei Nieselregen strömten die Gläubiger am Dienstagmorgen in die Messehalle. Im Regen standen sie auch nach der Veranstaltung.

Quelle: Juergen-Michael Schulter

Dass es keine einfache Sache werden wird, ist klar, immerhin müssen - so schreibt es das Gesetz vor - 4852 Gläubigergruppen in jeweils getrennten Versammlungen abstimmen.

Stundenlanges warten

Um 10 Uhr, als Rechtspflegerin Rony Danko vom Insolvenzgericht die Versammlung eigentlich eröffnen will, warten immer noch Hunderte vor der Halle, im Foyer mühen sich Mitarbeiter der Karlsruher IT-Firma STP Solution GmbH an einer Handvoll Computern, die Daten von Gläubigern aufzunehmen, die sich nicht vorher angemeldet hatten, sondern spontan in die Messe gekommen sind. Anwälte laufen zwischen Saal und Foyer hin und her, weil Stimmkarten, die ihnen übergeben wurden, fehlerhaft sind oder weil ihnen nicht klar ist, wie die Stimmabgabe korrekt vor sich gehen soll. Im Getümmel verteilen Mitarbeiter der Jenaer Kanzlei "PWB Rechtsanwälte" Flugblätter mit Werbung für ihre Informationsveranstaltungen zum Infinus-Skandal. Auf den Zetteln steht auch: "Zeigen Sie der Mauschelei des Insolvenzverwalters die Rote Karte". Spätestens jetzt ist klar: Es dauert nicht nur, es gibt auch Streit.

"Soll ich nun einen Vertreter wählen, oder besser nicht?", fragt im Saal ein Dresdner Rentner, der eineinhalb Jahre vor dem Infinus-Skandal 3500 Euro angelegt hatte, seinen Sitznachbarn. Erst um 12.27 Uhr kann Danko die Versammlung eröffnen. In der Messehalle sitzen jetzt Anleger sowie Finanzvermittler, die FuBus-Produkte verkauft und auch selbst investiert hatten, sowie vor allem Anwälte beider Gruppen.

Zu Beginn erläutert Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler noch einmal das Geschäftsmodell der FuBus und gibt eine Übersicht über den Verfahrensstand. Im wesentlichen liest er seine Erklärung zur Insolvenzeröffnung am 1. April vor. Aber es gibt auch eine interessante Neuigkeit, allerdings für Gläubiger, die nicht im Saal sind. Es zeichne sich ab, so Kübler, dass auch die Genussrechte der FuBus, die eigentlich im Insolvenzverfahren nachrangig behandelt werden, wie die Schuldverschreibungen an der Insolvenzquote beteiligt werden müssten. Er habe dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Vorwürfe gegen den Verwalter

Als endlich der Wahlgang ansteht, wird es turbulent. Jetzt ist die Stunde jener Anwälte gekommen, die sich bereits im Vorfeld auf Kübler und den zunächst einzigen Kandidaten, den Nürnberger Rechtsanwalt Christian H. Glöckner eingeschossen hatten. Den Anfang macht der Münchener Rechtsanwalt Peter Mattil. Zuerst erklärt er, er vertrete 1000 Mandanten und habe nur eine Stimmkarte für ja oder nein. Er habe aber den Auftrag, unterschiedlich abzustimmen. Deshalb wolle er eine Stimmkarte für jeden seiner Mandanten. Dann greift er Kübler an. Der habe in der Einladung manipulativ formuliert, dass nur der gemeinsame Vertreter die Interessen der Gläubiger wahrnehmen könne, nicht aber erwähnt, dass das nur für den Fall gelte, dass auch einer gewählt wird. Kübler weist das zurück. Mattil setzt eins drauf und kündigt die Anfechtung aller Beschlüsse an.

Es kommt der Vorwurf, dass viele Anleger wohl auch die Möglichkeit in Küblers Schreiben vom 3. April missverstanden haben, Glöckner - damals noch einziger Kandidat - zur Wahrnehmung ihrer Interessen zu bevollmächtigen, indem sie seinen Namen ankreuzen oder einen anderen eintragen. In der Zwischenzeit hatten sich aber drei weitere Rechtsanwälte als Kandidaten aufstellen lassen: Klaus Nieding aus Frankfurt am Main, Klaus Rotter aus Grünwald und Klaus O. Steinhübel aus Tübingen.

Konzertierte Aktion

Ein Dresdner tritt ans Mikrofon und sagt, er sein kein Anwalt, sondern Tanzmusiker. Er verliest das Grußwort des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf zum 10-jährigen Bestehen der FuBus. Das hätte ihm Sicherheit gegeben. Auch der Staat, fügt er hinzu, habe viele Jahre durch Steuerzahlungen vom Geschäftsmodell der FuBus profitiert. Danko wird zunehmend nervös, hält ihm entgegen: "Und wo ist ihre Frage?". Als sie auch andere Anleger ähnlich behandelt, werfen die ihr Arroganz und mangelnden Respekt vor.

Mattil fragt Kübler, welche Absprachen es zwischen ihm und Glöckner gegeben habe. Schließlich habe Glöckner als Vertreter der Anlegerin, die den ersten Insolvenzantrag gegen die FuBus stellte, Kübler als Verwalter und sich selbst als Vertreter der Anleger mit Orderschuldverschreibungen im Gläubigerausschuss vorgeschlagen. Kübler lässt sich aus der Reserve locken und hält Mattil entgegen: "Ihnen geht es doch nur ums Honorar!" Mattil schlägt den Abbruch der Veranstaltung und eine neue Einladung vor. Danko erwidert, eingeladen habe das Insolvenzgericht, ein Schreiben des Verwalters sei nicht erforderlich gewesen, ein Abbruch käme nicht infrage.

Kübler muss sich sogar die Frage gefallen lassen, ob er mit der Insolvenzantragstellerin verwandt oder verschwägert sei. Er weist das verärgert als absurd zurück.

Der Bielefelder Rechtsanwalt Erik Brambrink, der rund 700 Gläubiger vertritt, wiederholt die Vorwürfe und erklärt, er habe das alles auch dem Amtsgericht mitgeteilt, sei jedoch abgebügelt worden. Brambrink hatte im Vorfeld in einem Rundschreiben Kollegen eine gemeinsame Initiative vorgeschlagen, um die Wahl eines Vertreters zu verhindern.

Axel Nagel, Chef der IG Infinus, in der sich Finanzvermittler und Anleger zusammengeschlossen haben, startet die nächste Runde. Er stellt in den Raum, dass der zu wählende Vertreter bis zu fünf Millionen Euro Honorar verlangen könne. Auch er fordert, dass für jeden der fast 4000 Anleger, die er vertritt, ein gesonderter Stimmzettel gedruckt wird. Danko entscheidet, dass so verfahren wird. Das könne jedoch Stunden dauern, sagt sie und verkündet eine Pause, um das zu klären.

Zankapfel Vergütung

Jetzt entwickelt die Veranstaltung eine Eigendynamik, bei der an Wahlgänge nicht mehr zu denken ist. Immer wieder die Frage nach der Vergütung des gemeinsamen Vertreters, immer wieder die gleichen Vorwürfe zum Rundschreiben von Kübler, immer wieder Fragen zum Wahlmodus und die Frage, wieviele Mandate Glöckner hat. Rechtsanwalt Daniel Blazek, wie Brambrink aus Bielefeld und auf die gerichtliche Vertretung von Finanzvermittlern spezialisiert, fordert, die Veranstaltung abzubrechen. Einige Kollegen unterstützen ihn mit dem Argument, 4800 Anfechtungsklagen würden unnötig Geld aus der Insolvenzmasse kosten. Immer wieder wird gefordert, die vier Kandidaten sollen sich vorstellen. Doch dazu kommt es nicht.

Befangenheitsanträge

Jetzt stehen die Anwälte an den Mikrofonen Schlange und stellen Befangenheitsanträge gegen Danko. Sie unterbricht die Versammlung bis 18 Uhr. Doch schon um 17.28 verkündet Insolvenzrichter Erwin Gerster seine Entscheidung, die Gläubigerversammlung auszusetzen. Aus 4852 Wahlversammlungen ist nichts geworden.

"Ziel erreicht", sagt Axel Nagel später und lacht. Allerdings sei er etwas erschrocken über die Ohnmacht von Insolvenzgericht und Verwalter gegenüber den vorhersehbaren Attacken. Steinhübel spricht von mangelnder Professionalität bei der Organisation und auch davon, dass mit der gleichzeitigen Durchführung so vieler Einzelabstimmungen vielleicht auch die Grenze dessen überschritten sei, was das Gesetz vorsieht.

"Was soll ich denn jetzt tun", fragt der Dresdner Rentner, der am Anfang darüber gegrübelt hatte, wie er bei der Vertreterwahl abstimmen soll. "Muss ich jetzt meine Forderungen nochmal anmelden?

Zumindest jene Anleger, die selbst in die Messehalle 1 gekommen waren und nicht einen Anwalt beauftragt hatten, stehen nach der geplatzten Veranstaltung genauso im Regen wie am Morgen vor dem Einlass - obwohl sich das Wetter längst gebessert hat.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.05.2014

Holger Grigutsch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
29.04.2017 - 21:03 Uhr

Rückschlag im Abstiegskampf der Landesklasse Ost für den Dresdner SC: In Neustadt an der Spree waren die Friedrichstädter letztlich ohne echte Chance und verloren 0:4.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.