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Scheidender Präsident der Handwerkskammer Dresden blickt auf zehn Jahre im Amt zurück

Scheidender Präsident der Handwerkskammer Dresden blickt auf zehn Jahre im Amt zurück

Nach zehn Jahren an der Spitze der Handwerkskammer Dresden tritt Dachdeckermeister Claus Dittrich am 6. Juni sein Präsidentenamt an seinen Nachfolger ab.

Dresden .

Dresden (DNN). Nach zehn Jahren an der Spitze der Handwerkskammer Dresden tritt Dachdeckermeister Claus Dittrich am 6. Juni sein Präsidentenamt an seinen Nachfolger ab. Ganz anders als vor zehn Jahren, als die Kammer in unglaublichen Turbulenzen steckte und mit Untreueprozessen, Kampflisten von Gegnern der Pflichtmitgliedschaft und DGB-Vorwürfen zu kämpfen hatte, scheint es diesmal eher beschaulich zuzugehen. Claus Dittrich findet das nicht schlimm. Das Leise, Unaufgeregte liegt ihm. Vielen gilt er als Integrationsfigur.

Von Barbara stock

Diese Wahl wird anders. Nicht wie vor zehn Jahren, als die teuren Affären um die alten Chefs, um doppelt besetzte Leitungsfunkionen und das Gerangel um unvollständige Listen die Protagonisten regelmäßig vor Gericht sah. Und auch anders als 2007, als Claus Dittrich ohne Gegenkandidaten wiedergewählt wurde. Denn wenn die neu gewählte 39-köpfige Vollversammlung der Handwerkskammer am 6. Juni ihren neuen Präsidenten kürt, wird wohl auch Dittrichs Sohn Jörg (42) seinen Hut in den Ring werfen.

Amtssessel für den Sohn?

Vorwürfe von Erbhof-Politik und Familienwirtschaft machen prompt hinter vorgehaltener Hand die Runde: "Ich kann als Präsident dazu nichts sagen", erklärt der 72-Jährige um Verständnis bittend. Er wisse derzeit von vier Bewerbern ums Amt, und alle vier hätten das Zeug dazu, es gut zu machen. Auszuschließen sei kei- neswegs, dass am ersten Juniwochenende noch mehr Kandidaten antreten.

Das schafft die langsam anrollende Diskussion um Jörg Dittrich sicher nicht aus der Welt. Doch wagt sich derzeit auch noch niemand aus der Deckung. Der 42-Jährige leitet als geschäftsführender Gesellschafter des Dachdeckermeisterbetriebes Claus Dittrich gemeinsam mit seinem Vater das Familienunternehmen in vierter Generation. Er ist mit den Ehrenämtern seines Vaters aufgewachsen und sicher berechtigt, die Frage zu stellen: Warum soll ich mich, nur weil mein Vater Präsident ist, nicht bewerben dürfen?

Claus Dittrich schweigt sich zu dem Thema fast beschwörend aus und blickt gespannt auf den 6. Juni. Bis dahin wird auch seine Amtszeit bilanziert. Und für die nimmt er gern in Anspruch, aus der "zerworfenen Kammer ein Team geschweißt" zu haben. Um sofort nachzuschieben" "Das war keine Einzelleistung, ich bin kein General!". Er sei damals angetreten als "primus inter pares" - als Erster unter Gleichen - und habe sich dafür eingesetzt, Probleme nicht dirigistisch anzugehen, sondern gemeinsam anzupacken.

Dittrich begreift die Kammer als Selbstverwaltung der Handwerker und wird nicht müde, das auch all jenen klarzumachen, die von "Zwang statt von Pflicht" reden. In den Innungen seien nur noch 20 bis 25 Prozent der gegenwärtig 22 678 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Dresden organisiert, sagt er. Fiele die Kammer weg, müsste die Verwaltung in ein Ministerium verlagert werden. "Das würde erstens auch was kosten. Und dass das besser sein soll als die Selbstverwaltung, das muss erst noch bewiesen werden", ruft er kämpferisch. Denn die Belange der Handwerker seien so verschieden wie ihre Professionen. Wer bringt schon - um mal die Palette aufzufächern - Friseure, Bauhandwerker und Metallhersteller lässig unter einen Hut? Unter seiner Ägide habe die Kammer immer versucht, das Ohr an den Menschen zu haben, sich um den Nachwuchs zu kümmern. "Wir haben Bildungszentren, organisieren Prüfungen, reden mit Politik und Verbänden, wenn Gesetze in der Pipeline oder schon da sind und unsere Rahmenbedingungen verschlechtern", zählt Dittrich auf, was ihm an der Arbeit am wichtigsten erscheint.

18-Millionen-Bau für Dresden

Und dann leuchten seine Augen. Denn gemeinsam mit seinem Vorstand hat er einen Coup gelandet, der ihm sehr am Herzen lag. "Wir bauen." Die Kammer habe an ihrem Dresdner Standort "Am Lagerplatz" Flächen dazugekauft und gehe nun daran, für 18 Millionen Euro ein neues Bildungszentrum zu bauen. "In den Neubau hinein - da bin ich richtig glücklich drüber - kommt auch ein kleiner Hörsaal", erzählt er und schwärmt schon mal davon, künftig für Meisterfeiern oder Fachtagungen keine Räume mehr anmieten zu müssen. Das Bildungszentrum Großenhain werde künftig nur noch einen Teil der Aufgaben übernehmen - Sanierung und Ausbau dort wären zu teuer geworden, erklärt der Noch-Präsident. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das Projekt, das der Freistaat zu 70 Prozent fördert, ist in einer frühen Phase, die Ausschreibungen für die Architekten laufen gerade erst an.

...einmal ein Haus abreißen

Was ihm in den zehn Jahren nicht gelungen ist, benennt Dittrich ebenso offenherzig: "Ich hätte es gern geschafft, den Eigentumsvorbehalt für Handwerker ordentlich zu regeln." Der würde dem Handwerker zusichern, bis zur vollständigen Zahlung des Kaufpreises Eigentümer der gelieferten oder eingebauten Teile zu bleiben. Doch die Realität sieht anders aus und kostet Betroffene mitunter die Existenz. Nämlich dann, wenn Bauherren sich zwar "wesentliche Teile" wie Fassaden, Dachstühle oder Heizungen bauen oder einbauen lassen, dann aber nicht zahlen können oder wollen. "Die Handwerker werden betrogen", schimpft Dittrich und fordert einen "vernünftigen Eigentumsvorbehalt". Er wolle ja Häuser nicht wieder abreißen. Andererseits...: "Vielleicht würde ich es doch wenigstens einmal tun. Dann würden die anderen vielleicht alle von sich aus bezahlen", ruft er mit spitzbübischem Lächeln.

Ohne mich geht das doch nicht

Seinem Nachfolger gibt Dittrich nach einigen Seitenhieben auf den Sächsischen Handwerkstag unter dem einstigen Präsidenten Joachim Dirschka nur einen Satz mit auf den Weg: "Er sollte keine Klientelpolitik betreiben." Auf die Frage, ob er der Kammer auch künftig in irgendeiner Form erhalten bleibt, hält er sich zurück. Nur eines sei sicher: "Ich rede niemandem rein." Vielleicht wage er sich an eine Betriebs-Chronik, um die ihn sein Sohn seit langem bitte. So recht vorstellbar scheint es allerdings nicht, dass sich Dittrich künftig aus allem raushält. Am Rande seines letzten Auftritts vor Journalisten am 7. Mai 2012 sagte er auf Nachfrage lächelnd: "Ohne mich geht das doch nicht..."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.06.2012

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