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Schandfleck an Bahntrasse verschwindet

Schandfleck an Bahntrasse verschwindet

Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte beim Pflanzen einer Stiel-Eiche an der Strehlener Straße gestern sichtlich Spaß. Er durfte nämlich Bagger fahren. Zum ersten Mal in seinem Leben, wie er versicherte.

20 000 Quadratmeter groß ist das Areal unmittelbar an der Trasse der Deutschen Bahn zwischen Uhland- und Franklinstraße, das enttrümmert wurde. Hier sollen Pkw-Stellplätze und Grünflächen entstehen. Die ersten Bäume sind schon gepflanzt. Das rote Gebäude links ist die neue Feuerwache an der Strehlener Straße.

Quelle: Norbert Neumann

Sinn der Übung: Die Stadtverwaltung wollte mit dem symbolischen Akt nicht nur deutlich machen, dass ihr Bäume und Stadtgrün wichtig sind. Sondern auch, dass der einstige Schandfleck nahe des Dresdner Hauptbahnhofes auf ihre Initiative fast verschwunden ist.

Auf dem fast 20 000 Quadratmeter großen Gelände befanden sich bis 2012 noch die Überreste eines ehemaligen Betonwerkes. Es war nach der völligen Zerstörung der vier- und fünfgeschossigen Gründerzeithäuser im Zweiten Weltkrieg auf dem Areal errichtet worden. Das Betonwerk stellte zu DDR-Zeiten Sanitärzellen für das WBS-70-Wohnungsbauprogramm her. 1990 wurde das Werk geschlossen und verfiel mit den Jahren. Übrig blieb eine Ruinenlandschaft, die - unmittelbar an der Bahntrasse gelegen - nicht nur ein schlechtes Aushängeschild für die Stadt darstellte, sondern auch eine Gefahr vor allem für Kinder und Jugendliche, die der Aufenthalt in den Ruinen natürlich reizte.

Um Nägel mit Köpfen machen zu können, investierte die Stadt Dresden etwa 869 000 Euro, um die betroffenen 34 Einzelflurstücke von verschiedenen Eigentümern abzukaufen. 2012 und 2013 fand der oberirdische Abbruch der Ruinen statt. Danach folgte die Enttrümmerung unter der Erdoberfläche. Denn dort befanden sich noch die Keller der während der Bombardierung zerstörten Gründerzeithäuser.

Aus diesen wurden nicht nur Brandbomben, Granaten und Gewehre geborgen, sondern auch die Skelette von sechs Menschen. "Die ersten drei waren ein Mann, eine Frau und ein junges Mädchen. Und wir fanden eine Luftschutzapotheke und einen Helm von einem Luftschutzwart", erzählt Bernd Richter, Sachgebietsleiter Altlasten und Sanierung im Umweltamt der Stadt Dresden. "Das war ein Punkt, wo man in sich gegangen ist und froh war, dass wir jetzt leben dürfen", so Richter nachdenklich. Identifizie- ren konnte man die Toten nicht. "Ich weiß aber, dass man über alte Adressbücher noch feststellen kann, wer mal in den Häusern hier gelebt hat." Die Skelette wurden geborgen und sollen laut Richter am 8. Mai auf dem Johannisfriedhof bestattet werden. Der Kontakt zur Kriegsgräberfürsorge sei geknüpft.

Mittlerweile sind auch die Keller zurückgebaut. Derzeit entstehen auf dem Areal mit Bäumen und Sträuchern bepflanzte Grünflächen. Der Teil unmittelbar gegenüber der Feuerwache soll als kleiner Park erlebbar werden. Gepflanzt wird schon fleißig. "Die Wege legen wir jedoch erst an, wenn Parkflächen gebaut werden", gibt Grit Heinrich vom gleichnamigen Landschaftsarchitekturbüro aus Radebeul Auskunft. Ein Parkplatz für und 500 Autos sol auf dem Areal entstehen. Die Planungen dafür laufen.

In die Enttrümmerung und Revitalisierung werden nach Angaben der Stadtverwaltung insgesamt rund 1,1 Millionen Euro investiert. 200 000 Euro davon werden für die Begrünung ausgegeben. 75 Prozent der Gesamtkosten trägt die Europäische Union über das EFRE-Programm. 25 Prozent sind Eigenmittel der Stadt Dresden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.04.2014

Catrin Steinbach

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