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Sanierungsfalle Güterbahnhof Dresden-Friedrichstadt - doch Bahn bestreitet Altlasten

Sanierungsfalle Güterbahnhof Dresden-Friedrichstadt - doch Bahn bestreitet Altlasten

Das Umweltkataster der Stadt Dresden attestiert dem Gelände um den Güterbahnhof Friedrichstadt großflächige Umweltschäden. Nach DNN-Informationen gehört der Bahnhof, der bald stillgelegt werden soll, mit zu den größten Altlasten-Standorten in Dresden.

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Der Güterbahnhof Friedrichstadt gilt als stark umweltbelastet. Nach Aussage der Bahn befinden sich jedoch keine "sanierungsbedürftigen Altlasten" auf dem Areal. Wird der Bahnhof wie geplant stillgelegt und zur Freizeitfläche, steigen die Umweltanforderungen. Eine neue Sanierung würde mehrere Millionen Euro kosten.

Quelle: Andor Schlegel

Die Bahn bestreitet jedoch, dass es sanierungsbedürftige Altlasten gibt. Kauft die Stadt - wie ursprünglich angedacht - Flächen des Geländes, könnten Kosten in Millionenhöhe auf sie zukommen.

Vier große Punkte prangen auf der aktuellen unveröffentlichten Altlasten-Karte. Dort sind die Standorte festgehalten, an denen die Verseuchung des Geländes verursacht wurde. Doch damit nicht genug. Es existiert noch eine weitere Karte: Auf ihr ist die Verteilung der Schadstoffe durch das Grundwasser aufgezeichnet. Viele Schadstoffe - auch von umliegenden ehemaligen Industriegeländen - sind durch das Erdreich in das Grundwasser gesickert und werden von dort weiter in der Umgebung verteilt. Auch auf dieser Karte liegt der Güterbahnhof deutlich im Bereich der belasteten Flächen. Nicht zuletzt weist auch der aktuell zugängliche Umweltatlas der Stadt Dresden die Fläche als "altlastenverdächtig" aus.

Bahnhöfe sind kontaminiert

Bahnhöfe - nicht nur in der ehemaligen DDR - gelten grundsätzlich als belastet. "Man kann immer von einer Kontamination ausgehen", sagt Detlev Tondera, Forscher am Institut für Geotechnik der Bergakademie Freiberg. Besonders betroffen seien Güterbahnhöfe. Weil Kraftstoffe und Diesel oft im Erdreich versickert seien, würden aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe als häufigste Schadstoffe ausgewiesen. "Problematisch ist die Situation vor allem im Bereich von Lokschuppen", erläutert der TU-Forscher weiter. Hier bestünde oft Sanierungsbedarf, müsse das Erdreich abgetragen werden.

Heizöl und Diesel im Erdreich

Mit dieser Meinung ist er nicht allein: "Im Bereich von Bahnhöfen, besonders Güterbahnhöfen, ist mit Altlasten zu rechnen", schreiben auch Experten des Instituts für Geologie an der Universität Münster. Als Ursache nennen auch sie Tanklager für Heizöl, Dieselkraftstoff oder Benzin. "Während des zweiten Weltkrieges wurden Treibstoffe oft in den Boden abgelassen", erläutern sie. Zudem würden Bahnschwellen durch die Behandlung mit Teerölen eine Belastung darstellen.

Bahn: Keine Altlasten

"Auf dem Gelände des Güterbahnhofs Dresden-Friedrichstadt liegt keine Altlast vor, die nach der gültigen Rechtslage saniert werden muss", heißt es in der Antwort auf die DNN-Anfrage seitens der Bahn. Seit der Gründung der Deutschen Bahn AG seien alle Liegenschaften systematisch auf Altlasten untersucht und einige Flächen für drei Millionen Euro saniert worden. Unter anderem das ehemaliges Öllager, die Gleisbremsen sowie zwei Tanklager.

Sanierung hängt von Nutzung ab

Das könnte jedoch - sollte die Stadt wirklich den Stadtpark "West" oder gar Wohngebiete planen - nicht ausreichend sein. Denn die Notwendigkeit einer Altlasten-Sanierung hängt von der Nutzung der Fläche ab. Selbst wenn im Rahmen der aktuellen Nutzung als Güterbahnhof eine Sanierung nicht sofort zwingend erforderlich ist, könnte sich dies ändern, wenn der Bahnhof stillgelegt und anders genutzt wird. Kurzum: Die Anforderungen an ein Bahnhofsgelände sind laut Forscher Tondera weit geringer als an ein Wohngebiet. "Die zukünftige Nutzung entscheidet, wie mit den Schadstoffen verfahren wird", sagt Tondera. Der Eigentümer müsse dafür Sorge tragen, dass Schutzgüter, also Grundwasser, Luft und Erdreich nicht beeinträchtigt werden.

"Der Sanierungsumfang wird - neben der Schwere der Umweltbelastungen an sich - durch die planungsrechtliche Nutzung der Stadt bestimmt", heißt es aus der Stadtverwaltung. Je nachdem ob die Fläche also für Gewerbe, Wohnungen, Erholungsparks genutzt werden soll, desto mehr oder weniger muss saniert werden. "Auch wenn bei derzeitiger Nutzung kein Handlungsbedarf festgestellt wurde, kann bei neuen Nutzungsabsichten Sanierungsbedarf entstehen", schreiben die Umweltexperten der Stadt Dresden.

Im September des vergangenen Jahres hatte die CDU angekündigt, auf dem bald wahrscheinlich komplett stillgelegten Güterbahnhof Friedrichstadt eine Art zweiten Großen Garten, den "Stadtpark West", anlegen zu wollen. Die Vision scheiterte damals zwar am Veto des Stadtrates. Dieser einigte sich dennoch, als sozusagen kleinsten gemeinsamen Nenner, auf die Entwicklung eines Konzepts, bei der die Idee für einen neuen Stadtpark berücksichtigt werden soll. Schon damals hatte Grünen-Stadtrat Torsten Schulze vor "gefährlichen Erblasten" gewarnt.

Beseitigung kostet Millionen

Ein weiterer Aspekt könnte in dieser Angelegenheit nicht unbedeutend sein. Laut Gesetz muss der Rechtsnachfolger oder der derzeitige Eigentümer für die Sanierung von Altlasten auch finanziell aufkommen. Dies ist in allen zwei Fällen die Deutsche Bahn. Sollte die Stadt also wirklich einmal Flächen von der Bahn kaufen, blieben die geschätzten Sanierungskosten von mehreren Millionen Euro an dem neuen Eigentümer - der Stadt Dresden - hängen. "Bahnliegenschaften gelten in der Altlastenfrage als problematisch", erklärte Experte Tondera. Die Verantwortlichkeiten des ehemaligen Staatsbetriebs seien in Umweltfragen oft "nebulös". "Wer von der Bahn Grundstücke kauft, sollte grundsätzlich genau hinsehen".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.05.2013

Katrin Tominski

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