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Sächsische Staatskapelle Dresden hat Musikliebhaber in Japan begeistert und fliegt weiter nach China

Sächsische Staatskapelle Dresden hat Musikliebhaber in Japan begeistert und fliegt weiter nach China

Jeden Abend Staatskapelle, Thielemann, Brahms und Wagner. Jeden Abend dasselbe? O nein. Gestern Abend war das Orchester in Taipeh zum einzigen Taiwan-Konzert auf seiner derzeitigen Asien-Tournee, vorher war es in den japanischen Städten Kyoto, Nagoya, Tokio und Yokohama zu hören.

Das dortige Gastspiel bedeutete, mal nur ein paar Dutzend Kilometer per Bus durch die von nahezu 36 Millionen Menschen bewohnte Metropolregion zurückzulegen, mal mehrere hundert Kilometer Hin- und Rückfahrt per Expresszug Shinkansen einzuplanen. Denn der jeweilige Ausgangspunkt der insgesamt 110 Reiseteilnehmer ist ein Hotel in der japanischen Hauptstadt gewesen. Dort logierten gleichzeitig mit den Dresdnern und ihrem Chef Christian Thielemann z.B. auch die Pianisten Maurizio Pollini und Radu Lupu sowie Dirigenten wie Sylvain Cambreling und Lorin Maazel.

Gleich zwei der fünf Japan-Konzerte gab es in Tokio, das erste, mit DVD-und Rundfunkaufnahmen verbunden, vor mehr als 3600 Zuhörern in der NHK Hall, am Freitag zum Abschluss das zweite in der ebenfalls ausverkauften Suntory Hall mit ihren gut 2000 Plätzen. Ein legendärer Ort, der übrigens ganz bequem zu Fuß erreicht werden konnte.

Dieser Abend war schon gleich gar nicht dasselbe wie die Konzerte an den vorangegangenen Stationen. Denn bislang wurden entweder die 1. und die 3. Sinfonie von Brahms zuverlässig mit Wagners "Rienzi"-Ouvertüre als Zugabe gekrönt oder bestand eine Programmhälfte statt Brahms' 3. aus den Ouvertüren zu "Tannhäuser" und "Rienzi" sowie Vorspiel und "Isoldes Liebestod" aus Wagners "Tristan und Isolde". Dazu dann jeweils das Vorspiel zum 3. "Lohengrin"-Akt.

Nein, der letzte Abend in Japan war ein Novum an diesem den meisten Kapellmitgliedern von früheren Auftritten gut vertrauten Ort. Denn nun brandete Bruckners Sinfonie Nr. 7 E-Dur nach Wagners wehem Wogen um den Tod der Königstochter auf. Was für ein Brodeln! Was für ein Beben! Was aber auch an Behutsamkeit! Thielemann bezwang in diesem akustisch besonders grandiosen Saal nicht nur sein Orchester und da vor allem die seidig auftragenden Streicher, sondern auch das gesamte Publikum: Absolute Stille schon vor dem ersten Einsatz, hohe Konzentration während des gesamten Konzertes, andächtiges Schweigen nach dem jeweils letzten Ton.

Kein Abend war einem anderen identisch, nur vergleichbar sind sie gewesen. Da gab es Konstanten wie die ergreifend forschen Paukenschläge von Thomas Käppler zu Beginn der Brahms'schen c-Moll-Sinfonie Nr. 1 oder den betörend sanften Übergang von der Solotrompete Viktor Spáths zur Streichergruppe am Anfang der Rienzi-Ouvertüre. Konzertmeister Matthias Wollong gelangen mit beseelter Präzision Violinsoli, die ein schier greifbares Erstaunen beim Publikum hervorriefen, das Holz entfaltete sich in Wärme und meist mit Prägnanz, das Blech überzeugte (wenn auch nicht durchgehend) mit Strauss-Qualitäten, und die Kontrabass-Fraktion hatte sichtlich ihre Freude, den "Rienzi"-Schwung auf das Auditorium zu übertragen.

Da ausnahmslos in Sälen mit herausragender Akustik gespielt wurde - im Grunde ein zusätzlicher Reisegrund, da Dresden mit etwas auch nur annähernd Ähnlichem nicht aufzuwarten hat -, ist jeder Abend ein Fest für die Ohren gewesen. Schön zu sehen, wie Christian Thielemann den Damen und Herren allabendlich die Aufwartung machte und sie zu beflügeln schien. Auch dafür wurde er immer nochmal extra herausgeklatscht, während die Musiker schon in ihren Garderoben waren.

Ein Kenner wie der Kulturwissenschaftler und Germanist Akiyoshi Shikina begründete dies so: Die Japaner lieben die Staatskapelle, und sie lieben Thielemann. Jetzt wollten sie wissen, wie das traditionsreiche Orchester mit dem neuen Chefdirigenten funktioniert. Der Mann weiß, wovon er spricht, schließlich hat er nicht nur ein Jahr in Dresden studiert und beinahe täglich Konzerte besucht, sondern er leitet in Tokio auch den Freundeskreis Sächsische Staatskapelle. Von den fünf Konzerten in Japan hat dieser Enthusiast gleich drei besucht. Und kein Abend war wie der andere.

Auch nicht der gestrige in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Dort, im vor 25 Jahren errichteten Nationalen Chiang Kai Shek Kulturzentrum, dirigierte der vom Tod des Komponisten Hans Werner Henze tief betroffene Thielemann wieder das Wagner- und Brahms-Programm. Schon heute reist die Kapelle weiter gen China, wo jeweils zwei Konzerte in Shanghai und Peking stattfinden werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.10.2012

Michael Ernst

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