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Sachsen muss über Tausend unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen - Verfünffachung der Zahl

Sachsen muss über Tausend unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen - Verfünffachung der Zahl

Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die Sachsen im nächsten Jahr aufnehmen muss, wird sich verfünffachen. „Wir rechnen mit deutlich mehr als Tausend Kindern und Jugendlichen, die ab Januar 2016 nach und nach bei uns aufgenommen und betreut werden“, sagte Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) der Leipziger Volkszeitung und sprach von einer „großen Herausforderung“.

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Quelle: dpa

Momentan kann der Freistaat maximal 250 Flüchtlinge unterbringen, die unter 16 Jahre sind und ohne Eltern oder Verwandte nach Deutschland gekommen sind.

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Eindrücke aus Dresdner Asylbewerberheim in Pappritz

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Am Mittwoch will das Bundeskabinet in Berlin ein neues Gesetz beschließen, das die künftige Verteilung der jungen Asylsuchenden regelt.   Momentan sieht die gesetzliche Lage vor, dass unbegleitete Flüchtlinge, die unter 16 Jahre sind, von den Jugendämtern dort untergebracht werden müssen, wo sie in Deutschland angekommen sind. Grenznahe Bundesländer sehen sich deshalb benachteiligt. „Andere Bundesländer – Bayern, Hessen, das Saarland – laufen massiv Sturm gegen die bisherige Regelung: Denn die Anzahl der Flüchtlinge sprengt alle Konzepte, die Kinder und Jugendlichen angemessen zu betreuen“, erklärte Klepsch. In Sachsen sind die Flüchtlingskinder derzeit überwiegend in Leipzig, Dresden und Ostsachsen untergebracht.  

Der Freistaat Sachsen rechnet mit erheblich steigenden Kosten. So seien einige neue Unterkünfte und zudem Betreuungspersonal notwendig, sagte die Sozialministerin der LVZ. „Zur Zeit erfolgt die Unterbringung in Kinderheimen. Doch das wird nicht reichen. An dieser Stelle werden wir auch investieren müssen.“ Ziel sollte aber sein, so Klepsch, Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien unterzubringen oder Patenschaften zu ermöglichen. „Wir sind mit den Städten und Landkreisen in Gesprächen und haben eine Stabstelle eingerichtet. Momentan stimmen wir uns wöchentlich ab – weil die Zeit eilt.“  

Aktuell gibt Sachsen 8,5 Millionen Euro pro Jahr für diese Flüchtlingsgruppe aus. Diese Gelder werden bisher an die Bundesländer, die viele der unbegleiteten Minderjährigen aufnehmen, überwiesen. Bei einer Verfünffachung der Flüchtlingszahl ist von mindestens 40 Millionen Euro auszugehen, die vom Freistaat im nächsten Jahr zu zahlen sind. Für die Sozialministerin steht fest: „Wir müssen den Kindern helfen und das dafür Notwendige auf den Weg bringen. Sie haben ein Recht darauf, dem Kindeswohl entsprechend untergebracht, versorgt und betreut zu werden.“   

Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge machen nur einen Bruchteil der Asylsuchenden aus, der allerdings seit Jahren wie die Zahl der Bewerber insgesamt deutlich wächst. 2014 stellten laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 202 824 Menschen einen Asylantrag – davon entfielen 4399 auf unbegleitete unter 16-Jährige. Im Jahr 2008 waren es noch 763. Insgesamt leben derzeit in Deutschland rund 14 000 dieser jungen Flüchtlinge, die durch die Kinder- und Jugendhilfe betreut werden.  

Die Bundesrepublik behandelt diese Flüchtlinge grundsätzlich anders als Erwachsene oder Familien: Sie werden nicht abgeschoben, Jugendämter nehmen sie in Obhut. Die meisten der Flüchtlingskinder stammen aus Afghanistan, Somalia, Eritrea und Syrien. „Hinter jedem Kind steht ein Schicksal, das wir uns oft kaum vorstellen können, viele dieser Minderjährigen sind traumatisiert. Das heißt, dass wir uns intensiv um sie kümmern müssen“, sagte Klepsch.

LVZ

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