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Rückenschule und Salat: Verkehrscampus trimmt städtische Müllfahrer

Rückenschule und Salat: Verkehrscampus trimmt städtische Müllfahrer

Eine ungewöhnliche Hospitanz hatten die Angestellten der Dresdner Stadtreinigung in diesem Jahr. Drei Tage war ein Fitness-Trainer mit den Müllmännern unterwegs gewesen und hatte sich die Bewegungsabläufe beim Entleeren der Abfalltonnen angesehen.

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Dank Lars Merkert bleiben Dresdens Müllfahrer fit.

Von madeleine arndt

Dies geschah im Auftrag des Unternehmens Verkehrscampus, das sich auf die Weiterbildung von Berufskraftfahrern spezialisiert hat und hier seit vier Jahren mit der Stadtreinigung Dresden (SRD) zusammenarbeitet. Jeden Monat nehmen etwa 30 Mitarbeiter vom SRD an den Fortbildungen teil.

2012 steht das Thema Gesundheit auf dem Programm. "Wir wollen den Leuten dabei praxisnah etwas mitgeben", erklärt Lars Merkert vom Verkehrscampus. Deshalb hatte in Vorbereitung auf die theoretischen Schulungen ein Sporttherapeut vom Thomas Sport-Center die Männer in Orange auf ihren Fahrten begleitet. Er sah sich unter anderem an, welche Haltungsfehler und rückenfeindlichen Bewegungen sich in die alltäglichen Routinen eingeschlichen hatten. Das beginnt beim falschen Tragen und Heben der Tonnen und endet bei der gekrümmten Sitzposition des Fahrers.

Laut Merkert, der seit wenigen Monaten die Geschäfte des Verkehrscampus leitet, ist es ein Trugschluss zu glauben, Müllfahrer bräuchten hier kein Gesundheitsmanagement, schließlich seien sie immer an der frischen Luft und hätten viel Bewegung. "Einer sitzt den ganzen Tag lang am Steuer, oft krumm und schief. Und das belastet dann die Bandscheiben", erklärt der 40-Jährige. Auch der Grund, warum man schwere Lasten besser aus der Hocke heben sollte, ist vielen nicht klar. In den Schulungsräumen des Verkehrscampus an der Pfotenhauer Straße, zeigt ein Sporttherapeut anhand eines Wirbelsäulen-Modells, wie der menschliche Rücken aufgebaut ist, funktioniert und welche Bewegungen schaden und zum Beispiel Bandscheibenvorfälle provozieren. Denn Rückenbeschwerden sind mit die größten Kostenverursacher bei den Krankenkassen. Und nach einer Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin kostete im Jahr 2009 der Arbeitsausfall auf Grund von Muskel- und Skeletterkrankungen 9,8 Milliarden Euro. Dabei entstehen Probleme wie Nackenverspannungen, Kopfschmerzen und Haltungsbeschwerden in der Regel durch zu wenig oder falsche Bewegung. Mit dem nötigen Wissen kann man dem einfach entgegenwirken.

Alle fünf Jahre müssen sich Berufskraftfahrer weiterbilden, das schließt auch die Mitarbeiter der Stadtreinigung mit ein. Neben Themen wie wirtschaftliches Fahren oder die vorschriftsmäßige Sicherung der Ladung schreibt das Gesetz seit drei Jahren ein Gesundheitsmodul vor. Dazu gehört auch das Wissen um die gesunde Ernährung. Ja hier stimmen die Klischees, bestätigt Merkert: "Die meisten essen ungesund und unbedacht." Man spricht bei sehr fetthaltigem Essen nicht ohne Grund vom Truckerfrühstück. Das liegt auch an dem Angebot - da Berufskraftfahrer viel unterwegs sind, holen sie sich meist an Imbissbuden was auf die Faust. Dass das auch anders geht, zeigt bei der Weiterbildung eine Ernährungswissenschaftlerin. Sie baut in den Unterrichtsräumen vom Verkehrscampus eine kleine Küche auf. Wenn die gestandenen Männer dann das ganze Grünzeugs sehen, gibt es erst einmal Protest. Manch einer wünsche sich dann lautstark seine Bockwurst zurück, berichtet Merkert.

Für die verschiedenen Fortbildungsmodule holt sich das mittelständische Unternehmen Spezialisten ins Haus. "In manchen Firmen versuchen die Mitarbeiter alle Schulungen selbst zu machen, das ist eher der falsche Weg", findet Merkert. Denn ohne die richtigen Experten säßen die Kraftfahrer ihre Zeit bloß ab und würden nicht wirklich geschult. Da könnte etwas dran sein. Der Salat jedenfalls, der gemeinsam mit der Ernährungsberaterin unter anfänglichen Protest angerichtet wurde, wurde bisher am Ende jeder Schulung von den Teilnehmern anstandslos und mit Appetit gegessen.

www.verkehrscampus.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.02.2012

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