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Rotwildbestände unter Druck

Rotwildbestände unter Druck

Wenn Heiko Zuppke, der Förster von Langebrück, frühmorgens mit seinem Mitsubishi-Geländewagen in die Dresdner Heide fährt, ist es noch stockdunkel.

Von Hauke Heuer

Alles Licht wird von den dicht stehenden Bäumen geschluckt - nur die Autoscheinwerfer beleuchten die schlammigen Rillen des Waldweges.

Der Baumbestand wird dünner und Zuppke hält an. "Hier werden wir uns hinsetzen", sagt er und zeigt mit dem Finger auf einen Punkt irgendwo im dunklen Nichts. Er schultert seine Repetierbüchse, Kaliber "7 x 64 mm", und geht mit der Taschenlampe voraus. Es fällt schwer, ihm zu folgen. Zu sicher bewegt er sich auf dem mit natürlichen Stolperfallen gespickten Untergrund. Immer wieder dreht er sich um und muss warten.

Nach einigen Hundert Metern ist der Ansitz erreicht. Zuppke legt das Gewehr ab und späht mit dem Fernglas auf die Stelle, an der Wild aus dem Wald auf die Lichtung wechseln könnte. Es ist noch zu dunkel, um etwas zu erkennen. Deshalb wird jetzt nach langem Schweigen wieder geflüstert.

Zuppke erzählt vom Rotwild in der Dresdner Heide. Wie man mit den großen Geweihträgern umgeht, sorgt derzeit im ganzen Land für Diskussionsbedarf zwischen Forstwirten, Jägern, Landwirten, Waldbesitzern und Tierschützern. Das Problem: In allen Deutschen Bundesländern außer in Mecklenburg-Vorpommern kommt das größte Wildtier in unserem Landen nur in Inselpopulationen vor. Durch die zunehmende Urbanisierung auch in ländlichen Gebieten wird das Rotwild, welches sonst in offener und halboffener Landschaften lebt, immer mehr in die Wälder zurückgedrängt. Hier schält das Wild zur Nahrungsaufnahme die Rinden insbesondere von jungen Nadelbäumen ab und beschädigt so den Baum nachhaltig, was die Erträge in der Forstwirtschaft erheblich senkt.

Das bringt das Rotwild in die Schusslinie von Jägern und Waldbesitzern. Die wollen dabei nicht nur ihre Erträge, sondern auch die Aufforstungsbemühungen der vergangenen Jahrzehnte verteidigen. "Wir pflanzen in der Heide Vogelkirschen, Weißahorn und Eschen, um die ursprüngliche Zusammensetzung des Mischwaldes wieder herzustellen. Mit hohem personellen und finanziellen Aufwand müssen wir neue Pflanzungen mit Wildzäunen absichern, um die Rothirsche fernzuhalten", erklärt Zuppke den Konflikt zwischen Tier- und Umweltschutz.

Um die Rotwildbestände zu schützen, wurden in den vergangenen Jahrzehnten in ganz Deutschland Rotwildgebiete mit einer durchschnittlichen Fläche von 250 Hektar ausgeschrieben, in denen die Tiere nicht geschossen werden durften. Diese Gesetzgebung erwies sich als wenig praktikabel, da das Wild sich in größeren Gebieten bewegt und außerhalb der Schutzzonen schnell abgeschossen wird. Deshalb sind in den vergangenen Jahren deutschlandweit Rotwildgebiete abgeschafft und die Hegegemeinschaften eingeführt worden, die eine Koordination der Abschüsse zwischen allen Beteiligten in größeren Gebieten sichern sollen. So auch in Sachsen mit der Novelle des Landesjagdgesetzes im September.

"Die Hegegemeinschaften in Sachsen sind wie Haifische ohne Zähne", kritisiert Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung das neue Gesetz. Zwar sind die Hegegemeinschaften im Gesetz festgeschrieben. Wie diese in der Realität ausgestaltet werden sollen, sei jedoch unklar, schätzt Kinser ein.

Ähnlich kritisch sieht Förster Zuppke die neue Regelung. "Es findet sowieso eine enge Zusammenarbeit zwischen den vier Forstbezirken in der Dresdner Heide statt. Von den rund 60 Stücken Rotwild in diesem Gebiet werden im Jahr rund sechs Tiere geschossen, was sehr wenig ist", sagt er. In seinen Augen liegen die Probleme eher in der isolierten Lage des Waldgebietes. "Die Heide ist von allen Seiten zugebaut. Nur auf der Nordseite gibt es durchlässige Stellen. So findet kein genetischer Austausch mit anderen Beständen etwa aus der Sächsischen Schweiz statt, was die Tiere schwächer werden lässt." Außerdem werde die Heide als Naherholungsgebiet genutzt. Die scheuen Tiere geraten dadurch zusätzlich unter Druck. Im Herbst, wenn die Dresdner zum Pilzesammeln in die Heide strömen, sei dies besonders schlimm, weil sie die Wege verlassen.

Tatsächlich: Nach dreistündigem Ausharren auf dem Ansitz zeigt sich nicht mal ein Rotfuchs. Hin und wieder kann man ein Knacken im Dickicht hören, aber das könnte auch nur Einbildung sein. "Heimlich" sind die Tiere in der Jägersprache, wenn sie lieber in Deckung bleiben. Bei einer Drückjagd mit Treibern kann das beobachtet werden, oder nach der Invasion der Pilzesammler.

So entlädt Zuppke sein Gewehr wieder, packt seinen Feldstecher und macht sich ohne Beute auf den Weg zurück nach Hause.

Der Rothirsch zeichnet sich unter den Hirscharten durch ein besonders großes und weit verzweigtes Geweih aus. Dieses wird nur von männlichen Tieren entwickelt. Die weiblichen Tiere werden als Hirschkuh und die Jungtiere als Kalb bezeichnet. In unserer Region können männliche Hirsche ein Gewicht von über 150 Kilogramm erreichen und eine Rückenlänge von zwei Metern aufweisen. Männliche Rothirsche werden nach der Endenzahl ihrer Geweihstangen kategorisiert. Zum Beispiel ist ein Zwölfender ein Rothirsch, bei dem mindestens eine Geweihstange sechs Enden oder Sprossen aufweist. Rothirsche, die sich bedroht fühlen, flüchten in schnellem und ausdauerndem Lauf, der dem Trab von Pferden gleicht, anders als Rehe, die springend flüchten.

Das Europäische Rehwild ist die kleinste in Mitteleuropa vorkommende Hirschart. Sie besiedelt Waldrandzonen und Lichtungen. Das männliche, ausgewachsene Reh wird als Rehbock oder auch nur Bock bezeichnet und trägt ein nur 15 bis 20 Zentimeter langes stangenförmiges, rundes bis ovales Geweih. Die weiblichen adulten Tiere heißen Ricke. Jungtiere werden in ihrem ersten Lebensjahr als Kitz und später als Schmalreh bezeichnet. Ausgewachsene Rehe haben eine Körperlänge von 93 bis 140 Zentimeter und erreichen eine Schulterhöhe zwischen 54 und 84 Zentimeter. Sie wiegen je nach Ernährungszustand zwischen 11 und 34 Kilogramm. Bei Gefahr sucht das Rehwild mit schnellen Sprüngen Deckung im Dickicht.

Das Damwild kommt ursprünglich aus Kleinasien und wurde im 19. und vereinzelt im 20. Jahrhundert von Großgrundbesitzern in Deutschland eingeführt. Er hat eine Kopf-Rumpflänge von 120 bis 140 Zentimetern, und eine Schulterhöhe von 80 bis 100 Zentimetern. Das Gewicht variiert bei den Männchen gewöhnlich zwischen 53 bis 90 Kilogramm. Die Haarfärbung ist jahreszeitlich und individuell sehr variabel. Bei den Tieren ist das Sommerhaarkleid hell-rostbraun mit auffallend weißen Flecken. Im Winter ist der Damhirsch an Kopf, Hals und Ohren braungrau und auf dem Rücken und an den Seiten schwärzlich. Das Geweih der männlichen Tiere besteht aus zwei Stangen, die sich durch eine ausgeprägte Verbreiterung, die sogenannte Schaufel, auszeichnet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.10.2012

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