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Robotron weicht dem “Lingner Altstadtgarten“

Viertel für die Zukunft Robotron weicht dem “Lingner Altstadtgarten“

Vom Stadtzentrum zum Deutschen Hygienemuseum flanieren, vorbei an modern gestalteten Wohnbauten, kleinen Geschäften und Cafés, umgeben von Grün, idyllisch und doch direkt im Zentrum – so stellt sich Peter Kulka seine „Lingnerstadt“ vor.

Das Konzept sieht unterschiedliche Fassaden für jedes Haus vor. Auch die Art und Weise der räumlichen Nutzungen soll variieren.

Quelle: Visualisierung: Peter Kulka Architektur

Dresden. Vom Stadtzentrum zum Deutschen Hygienemuseum flanieren, vorbei an modern gestalteten Wohnbauten, kleinen Geschäften und Cafés, umgeben von Grün, idyllisch und doch direkt im Zentrum – so stellt sich Peter Kulka seine „Lingnerstadt“ vor. Der Architekt, der auch schon die Centrum-Galerie und den Plenarsaal des Sächsischen Landtags entworfen hat, ist nun auch der leitende Kopf des großen Projektes „Lingner Altstadtgarten“, das bis 2025 das gesamte Areal zwischen St. Petersburger Straße, Grunaer Straße und Hygienemuseum in ein modernes Wohnviertel mit bis zu 3000 Wohnungen verwandeln wird. Die Kasseler Immovation AG kaufte das 98 000 Quadratmeter große Grundstück im November 2014 und plant seit dem das Mammutprojekt. Neben der Stadt und der Immovation AG gesellte sich schließlich der deutschlandweit renommierte Dresdner Architekt Peter Kulka hinzu, der das städtebauliche Werkstattverfahren mit seinem Konzept für sich entscheiden konnte.

„Es ist eines der interessantesten Gebiete in der Stadt“, so Kulka. Für den 79-Jährigen liege die Innenstadt derzeit noch zu „isoliert“, eingepfercht zwischen großen Schneisen wie der St. Petersburger-, Grunaer- oder Wilsdruffer Straße. Ziel sei es, eine „dichte und städtische Situation herzustellen“, wie sie einst vor der Zerstörung 1945 zu finden war. Auch das Hygienemuseum, das derzeit der Innenstadt noch „den Rücken zukehrt“, soll durch die „Lingnerstadt“ mehr ins Zentrum eingebunden werden. Geplant ist eine Straße zwischen den Wohnkarrees, die direkt zur Rückseite des Museums führen und zum flanieren einladen soll. Laut Kulka, der auch für die Sanierung des Museum zwischen 1999 und 2011 verantwortlich war, sei sogar ein zusätzlicher Eingang für das Museum in der Mittelachse von dieser Seite möglich.

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98 000 Quadratmeter, bis zu 3000 neue Wohnungen und ein vielversprechendes Konzept: Bis 2025 soll der „Lingner Altstadtgarten“ Dresdens Zentrum mit neuem Leben füllen

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Offen und vielseitig soll der „Lingner Altstadtgarten“ werden. „Wir wollen keinen Siedlungsbau“, so Kulka. So sind offene Karrees mit Häusern unterschiedlicher Typen und Fassadengestaltung geplant. Dafür sorgen soll die Aufteilung der einzelnen Häuser an verschiedene Architekten, die zwar der Grundidee Kulkas folgen sollen, sonst aber freie Gestaltungsmöglichkeiten haben. Um kostengünstig zu bauen, soll ein Großteil der Fassaden in verschiedenen Farbtönen geputzt werden. Alle Häuser sollen vielfältige Bauformen und inhaltliche Ausrichtungen haben. So sind kleinere Ladenzeilen oder Büroflächen in den Erdgeschossen geplant, in denen Cafés und kleine Geschäfte zum „Leben einladen“. „Wir wollen keine großen Märkte oder Firmen, sondern  ein städtisches Gefühl erzeugen, wie beispielsweise in Potsdam oder Teilen Berlins“, so Kulka. Vor allem die „Carusstraße“, die es schon einmal bis 1970 gab und die der Architekt nun wieder zum Leben erwecken will, soll das Konzept verdeutlichen. Bunt, facettenreich, lebendig, eng – städtisch. Bisher steht hierfür das Konzept, die Durchplanung soll mit unterschiedlichen Architekten nun folgen. „Diese inhaltliche Offenheit und der gemeinsame Lernprozess sind auch ein Teil des Konzeptes.“ Kulka übernehme hierbei dir Rolle des „künstlerischen Leiters“.

Doch einige Rahmenbedingungen sind bereits festgelegt. Die Häuser werden in Höhen von fünf bis sieben Geschossen geplant, in kubischer Form mit Flachdächern. In Richtung St. Petersburger Straße sollen die Gebäude eher etwas städtischer, dichter geprägt sein, auch um für Lärmschutz zu sorgen. In Richtung Blüherpark wird die Architektur dagegen etwas differenzierter und offener ausfallen. Die Erdgeschosswohnungen sollen weitestgehend einen Zugang ins Grüne bekommen, die Dachgeschosswohnungen Terrassen. Tiefgaragen wird es ebenso geben wie neue Straßen ins Wohnviertel. „Wir planen natürlich mit verkehrsberuhigten Bereichen im Inneren der Wohnkomplexe“, so Kulka.

Es gelte nun, das Werkstattverfahren in die Realität umzusetzen. Der Architekt erklärte zudem, dass es sich bei den aktuellen Entwürfen um keine Muster oder Ideen handele, sondern um die konkrete Konzeption für den Bebauungsplan, der auch in dieser Form der Öffentlichkeit und letztlich dem Stadtrat vorgelegt werden soll. „Wir gehen davon aus, dass der Plan im vierten Quartal dem Stadtparlament vorgelegt werden kann“, so Immovation-Sprecher Michael Sobeck. Wenn alles nach Plan laufe, könne bereits Anfang 2017 der erste Bauantrag eingereicht werden. Losgebaut werden soll zunächst auf dem ehemaligen Robotron-Areal, das gerade abgerissen wird. „Derzeit wird verstärkt an der Schaffung des Planungsrechtes für den Bereich St. Petersburger Straße, Lingnerallee, Zinzendorfer Straße und Bürgerwiese gearbeitet. Ein möglicher erster Bauabschnitt kann das Quartier an der Lingner Straße benachbart zur St. Petersburger Straße sein“, so Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain. In der Arbeit zum aktuellen Bebauungsplan gehe es vor allem noch darum, die Aspekte der Verkehrserschließung, des Umweltschutzes und der denkmalschutzrechtlichen Belange, wie beispielsweise die Nachbarschaft zu den Gartendenkmalen Bürgerwiese und Blüherpark, einzuarbeiten, erklärte der Baubürgermeister.

Die Immovation AG plant im Moment noch den Verkauf der fertigen Wohnungen an globale Investoren, die dann vermieten sollen. Ob man auch selbst vermieten werde, konnte Sobeck noch nicht sagen. „Das werden wir nach den ersten Bauabschnitten entscheiden.“ Laut Architekt Kulka sollen im „Lingner Altstadtgarten“ Wohnungen mit verschiedensten Grundrissen und unterschiedlichsten Größen für eine Vielzahl von Interessenten entstehen, von der Studentenwohnung über Drei- bis Vierzimmerwohnungen für Familien bis hin zu größeren Penthouse- und Loftwohnungen. „Das ist auch wichtig, um das Viertel möglichst bunt mit Leben zu füllen und für echtes ’Stadtgefühl’ zu sorgen“, so der Architekt. Über die Mietpreise könne aber auch er noch nichts sagen. Es ist aber kein Geheimnis, dass man als Investor in Dresden derzeit einen Neubau nicht für unter zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter rentabel vermieten kann. Kulka geht davon aus, dass bereits in zwei bis drei Jahren das erste Karree seines Herzenprojektes „Lingnerstadt“ – so wie er den „Lingner Altstadtgarten“ selbst nennt – stehen wird.

Von Sebastian Burkhardt

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