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Robotron: Dresdner Datenbank-Spezialisten ohne konkrete Wachstumsziele auf Wachstumskurs

Robotron: Dresdner Datenbank-Spezialisten ohne konkrete Wachstumsziele auf Wachstumskurs

Als Rolf Heinemann 1990 mit 25 Datenbank-Spezialisten aus dem ehemaligen Kombinat Robotron Robotron Datenbank Software GmbH, (RDS) gründete, hoffte er, dass seine Söhne Ulf und Björn in seine Fußstapfen treten.

Dresden.

Inzwischen führen die drei gemeinsam die Firma deren intelligente Lösungen Abnehmer in Verwaltung, Industrie und Energiewirtschaft finden. Die Firma tickt anders als andere und kann vielleicht deshalb auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Gestern eröffnete sie ein neues Firmengebäude im Gewerbegebiet Cochütz-Gittersee.

Rolf Heinemann, überlässt seinen Söhnen das operative Geschäft. "Die Jungs machen das schon", sagt er stolz. Ulf Heinemann leitet die Firma, sein Bruder Björn die Entwicklungsabteilung. Der Seniorchef kümmert sich um Planung, Finanzen und Personal. Im vergangenen Jahr konnte er 40 Leute einstellen. Auch deshalb wird das neue Schulungs- und Kongresszentrum dringend gebraucht.

Geplant hat den acht Milllionen Euro teuren Neubau mit 3500 Quadratmetern Nutzfläche die IGC Ingenieurgemeinschaft Cossebaude GmbH - wie schon den Firmensitz gleich gegenüber und auch das alte Robotron-Schulungszentrum nur einen Steinwurf entfernt an der Heidelberger Straße, das nun zum Verkauf steht. Bauausführende Firma war die Köster GmbH aus Dresden. Auch alle anderen am Bau beteiligten Unternehmen kommen aus Sachsen. Das sei Firmenphilosophie, erklärt Rolf Heinemann. Firmenphilosophie sind aber auch Dinge, die zeigen, dass Robotron anders tickt als andere und die die Söhne vom Vater übernommen haben. Jährliche Umsatzsteigerungen sind ganz normal. Im vergangenen Geschäftsjahr hat die RDS reichlich 31 Millionen Euro erwirtschaftet, für dieses Jahr rechnet Ulf Heinemann mit 32 Millionen. Zu Wachstumszielen sagt er aber: "Wir denken in Projekten", und fügt hinzu: "Wenn die erfolgreich sind, kommt Wachstum von ganz allein." Ein Credo der Firma lautet: "Es wird nur Geld ausgegeben, das vorher verdient wurde." Den ersten und letzten Kredit habe die RDS aufgenommen, als 1990 die neun Gesellschafter die 50 000 Mark für die GmbH-Gründung nicht zusammenbekommen hätten, bestätigt Rolf Heinemann.

Seitdem hat es mit dem Geldverdienen geklappt. Robotron-Software steckt in der Fördermitteldatenbank des Freistaates Sachsen und im Gesundheitsinformationssystem des Bundes. Die Staatlichen Kunstsammlungen und die Stadt Dresden setzen sie für ihre Informationssysteme ein. BMW nutzt die Software aus Dresden für die Analyse von Produktionsprozessen, sucht damit unter anderem nach Gründen, warum einige Autos während der Garantiezeit nie in die Werkstatt müssen, andere hingegen gleich mehrmals - vorerst in München und den USA. Ulf Heinemann hofft, auch das Leipziger BMW-Werk als Kunden gewinnen zu können.

Die Kernkompetenz der Dresdner liegt aber in Lösungen für den liberalisierten Strom- und Gasmarkt. Zählerauslesungen in Echtzeit sowie die Verarbeitung riesiger Datenmengen ermöglichen Energieversorgern und -händlern einen reibungslosen Anbieterwechsel ihrer Kunden. Neben allen großen deutschen Energieversorgern setzen auch global agierende Konzerne wie GDF Suez in Belgien und Shell auf Robotron. 70 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet die RDS im Bereich Energiewirtschaft. Die Energiewende bringt neue Herausforderungen. "Wir wollen Software-Infrastruktur für intelligente Energienetze entwickeln, die für erneuerbare Energien benötigt werden", sagt Björn Heinemann. Dazu gehört auch neue Software, mit der Betriebe in Industrie und Gewerbe ihre Stromkosten optimieren können.

In den rund 50 Projektteams brauche er Mitarbeiter, die wissen, wie die Kunden ticken. "Sie müssen nicht nur programmieren, sondern auch Visionen neuer Anwendungen entwickeln." Das bedeutet auch Fremdsprachen lernen. Die RDS hat Tochtergesellschaften in der Schweiz, Tschechien, Österreich und Russland, Partner unter anderem in Spanien, Norwegen, Bulgarien und Italien. 40 Mitarbeiter sind allein für den Bereich Beratung zuständig. Im neuen Schulungszentrum geht es neben Oracle-Produkten zunehmend um eigene Lösungen.

Zur Firmenphilosophie gehört auch, Fachkräfte zu binden. "Sie finden schnell neue Arbeitgeber, wenn sie sich nicht wohlfühlen", sagt Ulf Heinemann. Deshalb werden sie über Tantiemen und Jahresleistungen am Gewinn beteiligt. Und deshalb ging es bei der Gestaltung des neuen Hauses auch um Dinge, die dem Bauträger nicht immer sofort einleuchten wollten. Wandgestaltung und Möblierung von Kaffeeküchen im neuen Haus entführen die Mitarbeiter in jeder Etage in eine eigene kleine Welt. Sie können Pausen an einem rustikalen Holztisch im Wald verbringen, in der "Kältezone" umgeben von Eisbergen und Pinguinen oder sich in der Chaos-Zone Inspiration holen. In den Treppenhäusern prangen in verschiedenen Farben Begriffe, die an Geschäftsstellen, Projekte und wichtige Kunden erinnern. Dinge, wie individuell einstellbare Heizung, Kühlung und Beleuchtung an Arbeitsplätzen sieht IGC-Chef Olaf Lehmann als Ausdruck einer Philosophie, die Robotron und sein Unternehmen verbindet: "Nicht die Menschen müssen der Firma nutzen, sondern die Firma muss für die Menschen da sein."

In der geräumigen neuen Kantine wird das Essen für die Robotron-Mitarbeiter nicht mehr vorbereitet angeliefert, sondern frisch gekocht. Sie ist auch Veranstaltungssaal. An einer Seitenwand zeugt ein kleines Technikmuseum von mehr als 40 Jahren Datenbank-Erfahrung. Auch der legendäre PC 1715 aus DDR-Zeiten hat hier seinen Platz. Im Firmensitz gegenüber ist durch den Umzug mehr Platz für Fitnessräume und Sauna.

Wenn Ulf Heinemann davon spricht, dass Robotron gut aufgestellt ist, dann hat er auch im Blick, dass auf dem 15 000 Quadratmeter großen Grundstück an die zwei Gebäudeflügel, in die Schulungszentrum und projektrealiserende Abteilungen eingezogen sind, noch fünf weitere angebaut werden können - ohne dass die Arbeit in den anderen beeinträchtigt würde.

"Wir suchen kluge Köpfe" stand auf einem großen Plakat zum Einweihungsfest. 350 Mitarbeiter hat Robotron inzwischen einschließlich der Tochterunternehmen. Auch wenn sich Ulf Heinemann auf Wachstumspläne nicht festlegen will, deutet viel darauf hin, wohin die Reise gehen soll. Rolf Heinemann ist mit Pognosen weniger vorsichtig. Er will auch im nächsten Jahr wieder 40 Leute einstellen.

Holger Grigutsch

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