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Restaurant im Kleinen Haus: René Kuhnt gestaltet das Bistro Klara nach Theater-Premieren

Restaurant im Kleinen Haus: René Kuhnt gestaltet das Bistro Klara nach Theater-Premieren

Bücher können vielseitig genutzt werden, der eine liest einfach nur die zahlreichen Geschichten, die sich zwischen den Buchdeckeln verbergen, der andere wiederum nutzt ein schweres Lexikon als Türstopper und der Dritte verwendet seine Lehrbücher, um Ahorn-, Eichen- oder Lindenblätter zu pressen.

Auf die Idee, auf Büchern zu essen, kommen aber wohl die wenigsten. Aber möglich ist es, wie René Kuhnt, Inhaber des Bistros Klara im Kleinen Haus des Staatsschauspiels, beweist. Nur 39 Sitzplätze zählt das kleine Lokal, in dem zwei Köche die Gäste vormittags in der Kantine, abends im Á-la-carte-Restaurant bewirten.

Die Hälfte der Tischplatten im Klara sind derzeit mit den verschiedensten Buchtiteln verkleidet, viele weitere schwere Wälzer liegen aufgestapelt um die Tischfüße herum und zieren die Wände des Bistros. Allerdings sieht es im Klara nicht immer so aus, wie René Kuhnt erklärt. "Ich gestalte das Restaurant gern themenbezogen", so der Inhaber. Das Thema selbst ergibt sich immer aus den Stücken, die im Kleinen Haus aufgeführt werden. "Die letzte Premiere war '20 000 Seiten' und genauso sieht es momentan bei uns aus."

Das Hauptanliegen von Kuhnt ist es, die Kunst nicht nur im Theater, sondern auch im anliegenden Restaurant zu bedenken. "Man kann eine Theatergastronomie nicht wie ein normale Gaststätte führen", erklärt der 45-Jährige. Vor drei Jahren hat er die Leitung des Bistros übernommen, setzte sich von Anfang an das Ziel, nicht nur die Theaterbesucher und die Schauspieler zu bekochen, sondern auch die Menschen aus der Umgebung. "Ansonsten würde sich das Geschäft nicht lohnen. Aber ich habe es geschafft, dass beispielsweise auch die Mitarbeiter aus dem Finanzamt gern zu uns kommen, um Mittag zu essen", erklärt Kuhnt. Das liege nicht nur an den guten Preisen (durchschnittlich vier Euro pro Gericht, die Suppe 3,10 Euro), sondern auch an der guten Hausmannskost, die in der Kantine täglich geboten wird. "Ich hatte lange nach einem guten Koch gesucht und habe dann vor zwei Jahren einen absoluten Glückstreffer gelandet", berichtet Kuhnt.

Der Glückstreffer heißt Steffen Fillmann, ist 54 Jahre jung und gelernter DDR-Koch. "Meine Ausbildung habe ich in Dessau gemacht, danach war ich in fast jedem Bereich der Gastronomie tätig, egal ob Catering, Sterneküche, Biergarten oder im Dresdner Kulturpalast", erzählt der Küchenchef. Seinen Mittagsgästen bietet er jeden Tag ein vegetarisches Gericht und ein Fleischgericht an. Die Küche ist typisch deutsch, von den deftigen Krautnudeln über die würzige Kartoffelsuppe bis hin zur selbst kreierten Senfei-Pfanne ist alles dabei. Auch ein paar einfache Wiener hat der DDR-Koch in seiner Küche immer parat.

Insgesamt beschäftigt René Kuhnt im Bistro Klara fünf Festangestellte und zusätzlich circa sechs Pauschalkräfte. Diese werden vor allem abends, kurz vor den Premieren eingesetzt. Für ihre Arbeit als Kellner erhalten die Aushilfskräfte in den ersten beiden Stunden zehn Euro, in der dritten Stunde fünf Euro. Zusätzlich können sie noch etwas essen und trinken. "Bei uns ist alles familiär gehalten. Meine Barchefin weiß zum Beispiel ganz genau, dass einer der Schauspieler nach seiner Aufführung immer noch ein Jever trinken will", berichtet Kuhnt. Auch Geburtstage feiern die Künstler gern im Klara. Kuhnts Prinzip: Die Schauspieler, Techniker und Produzenten sollen sich bei ihm wohlfühlen, den Tag entspannt ausklingen lassen. "Wer bei uns arbeitet, muss ein Gefühl für die Kunst mitbringen. Wer noch nie in einem Theater gewesen ist, könnte es schwer bei uns haben", erklärt der Dresdner, der neben dem Bistro seit 23 Jahren die Eckkneipe Café Kuhnt führt und eine eigene Event-Agentur hat. Feuerspucken ist seine ganz persönliche Leidenschaft. Um all seine Projekte unter einen Hut zu bekommen, geht er am Tag mindestens zwölf Stunden arbeiten, doch das mit viel Freude und Ehrgeiz.

Steinmann, Nadine

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