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Reich an Gefühlen: Mor Karbasi sang zum Abschluss der Jüdischen Musik- und Theaterwoche Dresden

Reich an Gefühlen: Mor Karbasi sang zum Abschluss der Jüdischen Musik- und Theaterwoche Dresden

Jüdische Folklore ohne Schtetl-Romantik und schluchzende Geige? Das geht. Die Israelin Mor Karbasi ist dem sephardischen Erbe der jüdischen Kultur verpflichtet, das einst rund ums Mittelmeer anzutreffen war, wohin auch immer es Juden nach der Vertreibung aus Spanien aufgrund des Alhambra-Edikts nach 1492 verschlagen hatte.

Zum Abschluss der 16. Jüdischen Musik- und Theaterwoche, die dieses Jahr unter dem Motto "Auf den Spuren der Sepharden" stand, gab Mor Karbasi nun in der proppevollen Dreikönigskirche ein Konzert, begleitet von Joe Taylor an der Gitarre bzw. E-Gitarre, Davide Montovani am Bass und Andre Ticino an Schlagzeug.

Ladino nennt sich die Sprache, in der die Lieder gehalten sind. Da die Lieder aus dem Alltag, der Arbeit, der Liebe und dem Leid heraus geschrieben wurden, haben sie keine Mühe, auch in der Gegenwart zu bestehen, sogar das "Lob auf die Schwiegermutter", das zum Abschluss zu hören war.

Wer will, der kann Vermutungen anstellen, inwieweit Musikerinnen wie Yasmin Levy, Mariza, Umm Kulthum oder Amália Rodrigues geistig Pate standen. Sowohl Flamenco als auch Fado-Einflüsse sind jedenfalls nicht zu verleugnen, einmal liegt sogar regelrecht ein Hauch von Oriental(Bauch-)Tanz in der Luft. Die Bandbreite des Gesangs ist nur noch zum Staunen, beginnt beim filigranen, sinnlichen Hauchen und endet beim kraftvollen Klagen. Dazwischen passiert Karbasi alle leidenschaftlichen menschlichen Gefühlsäußerungen mittels ihrer nuancenreichen Stimme. Auch an großen Gesten ist kein Mangel. Der eine oder andere mag ein gelegentliches "Zuviel" an Pathos monieren, aber andere Völker haben eben auch andere Formen des Ausdrucks.

Ständig sind die Hände Karbasis in Bewegung, und ein ums andere Mal wird mit der Linken der Saum des Rockes ergriffen. Apropos: Die Kleiderfrage mag an sich unerheblich sein für die Beurteilung eines Konzerts, aber dass Karbasi vor und nach der Pause jeweils ein Kleid trug, das ob seiner Eleganz eine Augenweide war, trug zum runden Gesamteindruck durchaus bei.

Folklore pur ist das nicht, was Kar- basi und Co zu Gehör bringen, und revolutionär schon gar nicht - aber eine geschmackvolle Variante neu interpretierter traditioneller Musik. Die Arrangements sind durchdacht und - im gegebenen Rahmen - abwechslungsreich, es dominieren für Mitteleuropäer ungewohnte Melodien und Polyrhythmik. Traditionelle Rhythmen der iberischen Halbinsel und sowohl archaische wie auch populäre Perkussion sind die Grundlage der Musik. Der Einsatz von Taylors E-Gitarre gibt dem Sound dann das gewisse Etwas. C. Ruf

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.10.2012

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