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Reform der Städtischen Krankenhäuser Dresden: Vier Verbundzentren geplant - Bangen um Neurochirurgie

Reform der Städtischen Krankenhäuser Dresden: Vier Verbundzentren geplant - Bangen um Neurochirurgie

Vor über zwei Jahren hat der Dresdner Stadtrat über die Zulässigkeit eines Bürgerentscheids zur Zukunft der defizitären Städtischen Krankenhäuser entschieden.

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Jürgen Richter sieht nach vorn und setzt die Segel auf Reform.

Quelle: Andor Schlegel

Damals kochten die Wogen hoch, die Krankenhäuser wurden zum Politikum. DNN-Redakteurin Katrin Tominski befragte Verwaltungsdirektor Jürgen Richter, wie weit die Reform der Krankenhäuser in Friedrichstadt und Neustadt vorangeschritten ist.

Frage: Viele Gesundheitsexperten sehen die Zukunft vieler Krankenhäuser schwarz. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Sehr gut. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Reform der Krankenhäuser weiter positiv umsetzen. Das Institut für betriebswirtschaftliche und arbeitsorientierte Beratung (BAB), das damals die Zukunftsstrategie erarbeitet hat, bescheinigte uns im Krankenhausauschuss eine stabile Basis. Wir seien wirtschaftlich stabilisiert und auf dem besten Weg, im Jahr 2015 eine schwarze Null zu erreichen. Doch eine schwarze Null ist natürlich nicht unser alleiniges Ziel. Wir wollen auch eigene Investitionen erwirtschaften.

Welche Reformen konnten Sie bereits umsetzen?

Besonders bei den Korrekturen im nichtmedizinischen, administrativen Bereich sind wir weit gekommen. Wir haben einen neuen, viel günstigeren Stromvertrag, die Speiseversorgung steht auf neuen Füßen und das Labor arbeitet effizienter - um nur einige Maßnahmen zu nennen. Das BAB hat uns bestätigt, die Empfehlungen erfolgreich umgesetzt zu haben. Jetzt sollten wir unseren medizinischen Kernbereichen Priorität zukommen lassen. Im nächsten Krankenhausausschuss stellen wir den Stadträten die wichtigsten medizinischen Reformprojekte vor.

Wie sieht das neue medizinische Profil der Krankenhäuser aus?

Wir arbeiten mit Hochdruck an der Etablierung medizinischer Verbundzentren. Dazu gehört ein hoch spezialisiertes Herz- und Gefäßzentrum mit einem neuen Interventionsbereich für Katheter- und Stent-Eingriffe, einer kardiologischen Wachstation, einer sogenannten "Chest Pain Unit" für Patienten mit unklarem Brustschmerz sowie allen weiteren notwendigen Bereichen in Friedrichstadt. Das sanierte Haus R ist ein wichtiger Baustein für dieses Herz- und Gefäßzentrum. Durch die Konzentration der Fachbereiche werden Doppeluntersuchungen und lange Wege vermieden. Zudem haben wir die überregionale zertifizierte Schlaganfall-Station im Krankenhaus Dresden-Neustadt per Telemedizin mit dem Krankenhaus in Friedrichstadt verbunden. Damit können wir unsere Patienten nun noch schneller - und das ist bei Schlaganfällen sehr wichtig - versorgen. Dabei bleibt es nicht: Wir bauen das Zentrum für Onkologie, die Traumazentren und die Zentren für Endoprothetik weiter aus.

Die für das Krankenhaus Neustadt sehr wichtige Neurochirurgie stand schon einmal kurz vor dem Aus. Ein neuer Antrag sollte Sicherheit bringen. Nun ist der Fachbereich schon nach der ersten Lesung aus dem Entwurf des Krankenhausplans 2014/2015 herausgeflogen. Welche Folgen hat das?

Der neue Krankenhausplan ist derzeit in der regierungsinternen Beratung. Darauf haben wir keinen Einfluss. Wir haben den Antrag mit Unterstützung der Oberbürgermeisterin und in Absprache mit der Uniklinik eingereicht. Die Argumente sind schlüssig, die Region braucht eine neurochirurgische Versorgung an beiden Standorten. Ich betone: Wir stehen nicht im Wettbewerb zum Uniklinikum. Schwerpunkt ist die Versorgung von Schwerstverletzten und Schlaganfallpatienten, die auf eine spezialisierte Behandlung an Kopf und Wirbelsäule angewiesen sind. Es ist außerordentlich wichtig, diese Versorgung sicherzustellen. Ich verweise auf die Vergangenheit: Auf Bitten der Stadt haben wir die Patienten damals weiter versorgt. Auch in Zukunft lassen wir unsere Patienten nicht im Stich.

Etwa 280 000 Menschen erkranken in Sachsen jedes Jahr neu an Krebs. Die Städtischen Krankenhäuser setzen auch auf ein hochspezialisiertes Zentrum für Onkologie?

Ja. Für das neue Krebszentrum wird in Zukunft neben dem bereits saniertem Haus I das anliegende Haus L in Friedrichstadt saniert und nachgerüstet. Derzeit läuft die Stellenausschreibung für den Chefarzt der neuen Klinik für internistisch-onkologische Medizin. Das neue Krebszentrum erhält zudem ein hochmodernes PET/CT-Gerät für die optimierte Diagnostik von Krebserkrankungen. Dieses Verfahren liefert dreidimensionale Schnittbilder des Körpers und stellt kombiniert die physiologischen Funktionen sowie die veränderte Form von gesundem und krankem Gewebe dar.

Experten warnen seit Monaten vor einem flächendeckenden Kliniksterben. Wie wollen Sie den Herausforderungen der Zeit begegnen?

Dabei handelt es sich um die klassischen Herausforderungen, mit denen die Städtischen Krankenhäuser seit vielen Jahren konfrontiert sind. Wir haben viele professionelle Mitarbeiter, stehen jedoch unter dem Druck von Rahmenbedingungen, die es schwer machen. Es gibt aber auch Krankenhäuser, denen es gut geht und zu diesen werden wir bald wieder gehören.

Nicht zu vergessen, wir profitieren auch von guten Rahmenbedingungen: Wir sind in einer Großstadt angesiedelt, decken mit zwei Standorten eine breite und optimale Versorgung ab und haben eine Bevölkerung, die hinter der Qualität der Krankenhäuser steht; eine Bevölkerung, der die Zukunft der Kliniken sogar einen Bürgerentscheid wert war. Das ist eine Ausgangslage, die wir weiter nutzen werden.

Katrin Tominski

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