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Rede von Ministerpräsident Stanislav Tillich zur Christvesper 2013

Rede von Ministerpräsident Stanislav Tillich zur Christvesper 2013

Jedes Mal, wenn ich zur Frauenkirche komme, denke ich an die Weihnachtsbotschaft. Denn zu Weihnachten feiern wir Christen, dass mit Jesus Christus etwas Neues in die Welt kommt und die Frohe Botschaft das Alte völlig umkrempelt.

Liebe Dresdnerinnen und Dresdner, liebe Gäste unserer Landeshauptstadt, liebe Zuhörer und Zuschauer zuhause,

Dank des Neuen wurde das Alte wieder heil. So ähnlich ist es mit der Frauenkirche. 40 Prozent der Steine, aus denen sie wiederaufgebaut wurde, entstammen dem Trümmerhaufen der Bombennächte, den Überresten der alten Frauenkirche. Aus neuen Steinen und alten Trümmerstücken entstand wieder George Bährs großartige Kirche. Man kann auch sagen: Dank des neuen Geistes der Versöhnung wurde der alte Hass überwunden, den Krieg, Diktatur und Teilung gesät hatten.

So wie Jesus Christus in die Welt kam um den Hass zu überwinden und Versöhnung mit Gott zu stiften. Ein solches Versöhnungswerk ist uns heute genauso nötig wie vor gut 2.000 Jahren. Unsere Gesellschaft, unsere Welt ist geprägt von unendlich vielen und oft uralten Konflikten. Wir sind oft Teil solcher Konflikte, weil wir unversöhnlich auf unserem Standpunkt verharren. Zugleich wünschen wir uns, diese Konflikte mögen auf wunderbare Weise gelöst und wir erlöst werden, ohne unser Zutun. Und dann hören wir die Weihnachtsgeschichte und merken: So funktioniert das nicht. Gott hat uns keinen strahlenden Helden als Retter geschickt, sondern ein hilfloses Kind. Es ist angewiesen auf den Schutz seiner Eltern, darauf, dass sie den Häschern des Herodes rechtzeitig entkommen können.

Darauf, dass ihnen auf der Flucht geholfen wird und sie in Ägypten eine sichere Zuflucht finden. Bei alledem hat Gott seine Hand im Spiel. Doch es kommt auch auf die Menschen an, auf uns. Und vielleicht denkt der eine oder andere so wie ich an die Weihnachtsgeschichte, wenn in den Nachrichten davon die Rede ist, dass Stimmung gegen Asylsuchende und Flüchtlinge gemacht wird. Da geht es wie in der Weihnachtsgeschichte oft um Männer, Frauen und Kinder, die aus höchster Lebensgefahr geflohen sind und hier in Deutschland endlich Sicherheit finden wollen. Man muss freilich kein Christ sein, um das Recht auf Asyl für wichtig zu halten. Und wie viele Deutsche aus der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR in den Westen flohen, um dort als freie Menschen zu leben. Freiheit ist ein unteilbares Menschenrecht. Das meint: Es sollen alle Menschen frei sein. Und: Unsere Freiheit wird nicht kleiner, wenn wir sie mit Anderen teilen, sondern größer. Und noch eines: Zuwanderung ist eine Bereicherung für uns. Blicken wir hinauf zur Laterne der Frauenkirche. Dort leuchtet weithin sichtbar ein Herrnhuter Stern. Herrnhut liegt in der Oberlausitz. Aber seine Wurzeln hat dieser Ort und seine Brüdergemeine im Wirken böhmischer Glaubensflüchtlinge. Sie kamen zu Anfang des 18. Jahrhunderts zu Tausenden nach Sachsen. Nicht nur in die Oberlausitz. Andere böhmische Flüchtlinge ließen sich im sächsischen Vogtland nieder und begründeten dort das heute weltberühmte Musikinstrumentenhandwerk.

Nehmen wir also den Herrnhuter Stern als ein Zeichen der Hoffnung. Nämlich der Hoffnung darauf, dass für uns etwas Gutes daraus werden kann, wenn wir Flüchtlingen und Zuwanderern helfen, hier eine neue Heimat zu finden. Ich glaube, an Weihnachten wird deutlich: Wichtig ist nicht, woher einer kommt und wer er ist. Wichtig ist, ob wir gute Gemeinschaft miteinander halten oder nicht. Ob wir, wie es die Dresdner getan haben, die ganze Welt einladen, mit uns eine Kirche zu bauen. Oder ob wir der Welt die Türe vor der Nase zuschlagen, wie einst die Herbergswirte in Bethlehem. Wir haben vorhin „Macht hoch die Tür“ gesungen und darin die Zeile „meins Herzens Tür dir offen ist“. Öffnen wir unsere Herzen auch für all jene – nicht nur Flüchtlinge – die unserer Hilfe bedürfen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Weihnachtszeit und ein gutes Jahr 2014.

DNN

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