Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Rasen rollende Solarien bald durch die Stadt?

VW-Digitalstratege Jungwirth in Dresden Rasen rollende Solarien bald durch die Stadt?

Selbstfahrende Autos werden unsere Gesellschaft ähnlich stark verändern wie vor 300 Jahren die Dampfmaschine, meint Johann Jungwirth, der Digitalisierungs-Chefstratege von Volkswagen. Sächsische Verkehrsforscher hoffen, Dresden als Pionierstandort für Roboterautos etablieren zu können.

Voriger Artikel
Chance für zuckerkranke Kinder
Nächster Artikel
Joker im Ehrenamt in Dresden vergeben


Quelle: Heiko Weckbrodt

dRESDEN. In etwa drei bis fünf Jahren werden die ersten selbstfahrenden Autos auf den Straßen unterwegs sein und eine technologische und wirtschaftliche Revolution auslösen. Diese Prognose hat der Volkswagen-Chefstratege für Digitalisierung, Johann Jungwirth, bei einem Besuch in Dresden abgegeben. Der Besuch in Sachsen dürfte nicht ganz zufällig sein: Hiesige Forscher und Wirtschaftsförderer feilen derzeit daran, Dresden zu einem der Pionier-Standorte für autonomes Fahren zu machen.

„Diese selbstfahrenden Systeme werden sich als eine der ganz großen Kernerfindungen der Menschheitsgeschichte erweisen“, prophezeite der 43-jährige Technologie-Guru, der sich selbst gern als „JJ“ vorstellt. Denn „Self Driving Systems“ (SDS), wie diese Roboterauto-Technologie auch genannt wird, sollen das Fahren nicht nur bequemer machen. Sie werden auch völlig neue Arten von Fahrzeugen auf die Straße zaubern, ist VW-JJ überzeugt: Ein-Mann-Miniautos ebenso wie auch Solarien auf Rädern oder vollelektrisch durch die Städte düsende Büros, in denen die Passagiere die Fahrzeit für Konferenzen, Arbeit oder Erholung nutzen. Der heutige Mensch verbringe in seinem Leben im Schnitt 38 000 Stunden fahrend im Auto, sagte Jungwirth. Diese Zeit könne er sinnvoller als heute nutzen.

Zudem dürfte die neue Technologie für mehr Platz und für deutlich weniger Autos in den Städten sorgen: Heutige Autos sind nämlich 96 Prozent ihrer „Lebenszeit“ irgendwo abgestellt und der Flächenbedarf für all die dafür benötigten Parkplätze und Parkhäuser ist enorm. Wenn sich künftige Roboterautos aber auf Befehl selbstständig zu jedem beliebigen Ziel bewegen können, eröffnet dies auch neue Möglichkeiten, Autos zu teilen: Nutzer A beispielsweise fährt damit von daheim zum Büro. Von dort aus navigiert das Roboterauto dann zu Nutzer B, der in eine Einkaufsfahrt zu erledigen hat. Hat B das Auto wieder abgestellt, fährt es selbstständig wieder zurück vom Büro von A, damit der rechtzeitig wieder zum Dienstschluss einsteigen kann. Durch solche erweiterten „Car Sharing“-Konzepte würden Autos weit besser ausgenutzt als heute. Unterm Strich brauchen diese „geteilten“ Flotten dann auch weit weniger Parkplätze, so die Vision.

Bis dahin sind allerdings noch zahlreiche Probleme zu lösen. So werden die Konstrukteure echter SDS-Autos zum Beispiel superschnelle Datenfunk-Verbindungen benötigen, damit sich solche Roboterfahrzeuge untereinander abstimmen können, um Unfälle zu vermeiden. Auch brauchen diese Autos der Zukunft enorm viel „Künstliche Intelligenz“ (KI) auf kleinstem Raum, um Kameras, Laser-Sensoren und Radar-Augen auszuwerten, richtige Fahr-Entscheidungen zu treffen und Gefahren binnen Mikrosekunden zu erkennen. Etwa 20 bis 30 Mal soviel Rechenkraft wie heutige Oberklasse-Wagen werde solch ein Auto benötigen, schätzt Jungwirth. Ein Problem dabei: Solche Rechner sind derzeit noch zu groß und zu stromhungrig, um in Autos verbaut zu werden.

Dresdner Forscher wollen Teststrecke für autonomes Fahren

Und hier kommen die Dresdner ins Spiel: Zwar erwarten Branchenkenner, dass sich SDS-Autos wohl zuerst in Kalifornien durchsetzen werden, wo Pioniere wie Google und Tesla zu Hause sind. Aber auch die Dresdner rechnen sich gute Chancen aus, ein Vorreiter-Standort für autonomes Fahren zu werden. „Für die SDS-Technologie hat Dresden gute Voraussetzungen“, ist der städtische Wirtschaftsförderungs-Chef Robert Franke überzeugt: „Sensorik, Software, Elektronik und 5G-Funktechnik sind hier stark vertreten.“

Daher hat sich die sächsische Landeshauptstadt um Fördergeld aus einem Programm des Bundesverkehrsministeriums beworben, das Pilotstrecken für hochautomatisiertes Fahren in Deutschland etablieren soll. Im Oktober möchte Franke mehr dazu sagen. Welch Zufall: Etwa zur gleichen Zeit will Volkswagen endlich verraten, wie es mit der Gläsernen VW-Manufaktur am Straßburger Platz weitergeht, die seit dem Phaeton-Aus nicht mehr produziert.

Von Heiko Weckbrodt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
21.08.2017 - 06:54 Uhr

U17 verliert bei Werder Bremen, U19 beim Neuling Niendorfer TSV

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.