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Pumpspeicherwerk Niederwartha geht ab Januar 2016 in den "Übergangsbetrieb"

Pumpspeicherwerk Niederwartha geht ab Januar 2016 in den "Übergangsbetrieb"

Schwarz-Weiß-Fotos hängen im Obergeschoss des Heimathauses Cossebaude. Leicht vergilbt zeugen sie von einer Zeit, die längst vergangen ist. Grabungen, unzählige Rohre und umfangreiche Technik sind zu sehen. Die Bilder zeigen den Aufbau des Pumpspeicherwerks Niederwartha.

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Seit 2012 setzt sich eine Bürgerinitative für den Erhalt der 1930 errichteten Anlage in Cossebaude ein. Nach jahrelangem Hin und Her könnte es nun einen Rückschlag für die 160 Mitglieder geben. Die erneute Inbetriebnahme rückt in weite Ferne.

Quelle: Jan Woitas, dpa

Dresden. Schwarz-Weiß-Fotos hängen im Obergeschoss des Heimathauses Cossebaude. Leicht vergilbt zeugen sie von einer Zeit, die längst vergangen ist. Grabungen, unzählige Rohre und umfangreiche Technik sind zu sehen. Die Bilder zeigen den Aufbau des Pumpspeicherwerks Niederwartha, den teilweisen Rückbau 1945 sowie den aktuellen Zustand des maroden Umwälzwerks. Eine Ausstellung der Bürgerinitiative zum Erhalt des Pumpspeicherwerks präsentiert die technische Anlage unter dem Motto "Gestern. Heute. Morgen?". Noch vor der Eröffnung im September fiel die Entscheidung des Betreibers Vattenfall, das Pumpspeicherwerk in Cossebaude ab dem 1. Januar 2016 in den sogenannten "Übergangsbetrieb" zu setzen.

"Das bedeutet, dass die Maschinen ab dem kommenden Jahr nicht mehr regelmäßig arbeiten", erklärt Helfried Hertting, seit der ersten Stunde Sprecher der Bürgerinitiative. Er betont jedoch, dass die Anlage nicht abgeschaltet wird, sondern dass die Maschinen in einer Art Bereitschaft sind. "Übergangsbetrieb heißt, dass die Anlage sich ab 2016 in einem Betriebszustand befindet, der das Anschalten der Anlage ebenso vorsieht", so Lutz Wiese, Sprecher des Betreibers Vattenfall. Seit 2012 setzt sich die Bürgerinitiative zum Erhalt der 1930 errichteten Anlage in Cossebaude ein. Nach jahrelangem Hin und Her könnte es nun einen Rückschlag für die 160 Mitglieder geben.

"Wir haben verschiedene Szenarien zum Fortbestand des Pumpspeicherwerks erörtert", so Lutz Wiese. Noch vor ein paar Jahren hatte Vattenfall prüfen lassen, wie eine Modernisierung der technischen Anlage in Cossebaude aussehen könnte. Sogar von einem Neubau war 2008 die Rede. Doch diese Vorhaben ließ der Energiekonzern fallen, als sich die Bedingungen auf dem Strommarkt änderten. "Deutschland steht aufgrund der derzeitigen Marktbedingungen unter hohem wirtschaftlichen Druck", erklärt Wiese die Entscheidung zum Übergangsbetrieb. So fallen seit einigen Jahren Netznutzungsentgelte auf Pumpstrom an.

"Die Maschinen sind technisch am Ende", so Helfried Hertting von der Bürgerinitiative. Seit 1930 ist die Anlage in Betrieb und der Verschleiß nahm jährlich zu. Die alten Pumpen könnten den hohen Anforderungen nicht mehr gerecht werden, auch deswegen setze Vattenfall das Pumpspeicherwerk in den Übergangsbetrieb. "Das ist eine technische Tatsache. Dagegen können wir nicht demonstrieren", so Hertting. Beim Hochwasser 2002 wurde die Anlage schwer beschädigt und hat eine Modernisierung dringend nötig.

Für die Zukunft des alten Kraftwerkes in Cossebaude gibt es mehrere Möglichkeiten. Man könnte die Maschinen erneuern oder das gesamte Pumpspeicherwerk modernisieren. Die Kosten dafür gehen jedoch in die Millionen. "Wir gehen davon aus, dass die Anlage nun dem Verfall preisgegeben wird", so Hertting. Der Sprecher von Vattenfall gibt zu, dass große Instandhaltungsmaßnahmen in Millionenhöhe, "auch mit Ausblick auf die nächsten Jahre", für den Energiekonzern nicht in Frage kommen. Die erneute Inbetriebnahme rückt damit in weite Ferne. Ein Verkauf könnte eine weitere Möglichkeit sein. "Das sehen wir allerdings skeptisch, denn ein branchenfremder Investor könnte hier viel Schaden anrichten", so Hertting.

Der Übergangsbetrieb ab Januar hat keine Folgen für das beliebte Freibad Cossebaude. "Ein geregelter Badebetrieb ist dort auch weiterhin möglich", verspricht Lutz Wiese. So hat Vattenfall Verpflichtungen für das Pumpspeicherwerk. Der Energiekonzern müsse die Anlage verkehrssicher erhalten und die Wasserstände im Unterbecken im Auge behalten. Mindest- und Höchstwasserstand müssen demnach eingehalten werden. "Vattenfall verpflichtet sich zum Hochwasserschutz, der Dammsicherheit der Anlage, den Belangen des Freibads Cossebaude und dem Umwelt- und Naturschutz", erklärt der Sprecher des Energiekonzerns. Die höchste Priorität liege dabei auf der Dammsicherheit. Zur Sicherung der Anlage seien für die kommenden Jahre entsprechende Gelder vorgesehen.

Wie es nun in Zukunft im Pumpspeicherwerk Niederwartha weitergeht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Vorerst bleiben die Pumpen im Übergangsbetrieb und eine Modernisierung ist in weite Ferne gerückt. Die Bürgerinitiative wird sich auch weiterhin für den Erhalt der Anlage einsetzen. "Der Übergangsbetrieb könnte das Ende für das marode Pumpspeicherwerk in Cossebaude bedeuten, aber eben auch einen Neuanfang", zeigt sich Hertting hoffnungsvoll und sagt abschließend: "Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind der Meinung, dass es sich hier noch nicht ausgepumpt hat."

Die Ausstellung "Pumpspeicherwerk Niederwartha - Gestern. Heute. Morgen?" ist noch bis zum 25. Oktober im Dachgeschoss des Heimathauses Cossebaude, Talstraße 5a, zu sehen. Gezeigt werden etwa 80 historische und aktuelle Fotografien und Dokumente. Der Eintritt ist frei.

Juliane Just

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