Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+
Protest gegen Schließung des Schifffahrtsamtes in Dresden

Protest gegen Schließung des Schifffahrtsamtes in Dresden

Wenn jemand irgendwo in Sachsen an der Elbe einen Steg bauen will, muss er sich damit gegenwärtig an das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Dresden wenden. Geht es nach dem Willen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) muss der Stegbauer sich bald an ein Amt in Brandenburg halten.

Die Stadt liegt zwar an der Havel, aber das scheint nicht so wichtig. Das WSA Dresden soll ab 2013 zunächst dem WSA Magdeburg unterstellt und bis 2020 abgewickelt werden, heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium. Das Ramsauer-Ressort reagiert vor allem auf den Druck der FDP, die die Reform in den Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Bundesregierung schreiben ließ. In Dresden stoßen die Pläne jetzt auf Widerstand.

"Die Aufgaben sind dann nicht mehr beherrschbar", erklärte Werner Eckelt gestern gegenüber den Dresdner Neuesten Nachrichten. Er ist Vorsitzender der Personalvertretung für die 245 Mitarbeiter, die derzeit zum WSA Dresden gehören. Im Amt in Dresden sind es etwa 40, die übrigen arbeiten in Außenstellen entlang der Elbe in Dresden, Mühlberg, Torgau und Wittenberg. Für knapp 300 Kilometer zwischen der tschechischen Grenze und der Saalemündung in der Nähe von Barby in Sachsen-Anhalt ist das Dresdner Amt zuständig. Das betrifft so ziemlich alles, was am, auf, über und unter dem Fluss passieren soll: Den Bau von Brücken genauso wie die Verlegung von Abwasserkanälen unter dem Strom, die Kennzeichnung für Sportboote, die Zustimmung für das Elbeschwimmen oder die Dampferparade.

Welche Auswirkungen die Reformpläne im Details für die Mitarbeiter haben werden, ist laut Dresdens WSA-Chef, Klaus Kautz, noch nicht bekannt. Auf jeden Fall würden Aufgaben auf Magdeburg und Brandenburg verteilt. Bewerten will der Behördenchef das nicht.

Das macht dagegen Personalratschef Eckelt umso klarer: "Man kann den Schiffsverkehr auf der Elbe nicht von Brandenburg aus überwachen", meint er. Dabei verschließen sich auch die Mitarbeiter nicht grundsätzlich notwendigen Reformschritten. "Es geht uns nicht um das Türschild, es geht um den Standort und um die Bürgernähe, die erhalten werden muss", erklärt Personalvertreter Eckelt, der negative Auswirkungen etwa für die Weiße Flotte oder den Dresdner Elbehafen befürchtet.

Das sieht Detlef Bütow ähnlich. Der Kapitän ist Chef der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH. "Die Region wird verlieren", meint der Hafenchef und schildert ein kleines Beispiel: Wenn jetzt ein Schiffer im Hafen ankommt und von einer Grundberührung berichtet, beseitige das WSA das Problem "ruckzuck" mit einem Bagger. Für Bütow ist kaum vorstellbar, dass dies dann auch von Brandenburg aus noch so funktioniert. Reformen seien vollkommen normal, aber die regionale Verankerung müsse erhalten bleiben. "Die Politik in Sachsen muss reagieren", fordert Bütow.

Die Mitarbeiter sind schon aktiv geworden. An Fraktionen und Präsident im Landtag, Stadtrat, Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sind bereits Brief rausgegangen. Eine Galgenfrist gibt es noch: Ende September befassen sich die Ausschüsse (Haushalt, Verkehr) im Bundestag mit der Sache. Eckelts Sorge: "Wenn die Pläne dort durch sind, sind die Messen wahrscheinlich gesungen."

Ingolf Pleil

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.08.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.