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Prostitution in Dresden: DNN beleuchten Dresdens Rotlicht-Szene

Welthurentag Prostitution in Dresden: DNN beleuchten Dresdens Rotlicht-Szene

Das „schmutzige Geschäft“, das „älteste Gewerbe der Welt“, oder einfach nur Prostitution – Sexarbeit für Geld hat viele Namen. Zum heutigen Welthurentag beleuchten die DNN Dresdens Rotlicht-Szene. Ist das Geschäft wirklich noch so „schmutzig“?

 
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Sophie kommt gerade aus der Dusche. Die 27-Jährige ist mit ihrem ersten Freier für diese Nacht fertig. Sie trocknet sich ab, zieht sich ihre Reizwäsche an und gönnt sich noch eine Zigarette an der Tür, bevor sie wieder in einem orangen Stoffsessel vor dem großen Schaufenster Platz nimmt. Die Ungarin arbeitet als Prostituierte in der „kleinen Herbertstraße“ des Eroscenter Dresden. Das Etablissement auf der Hamburger Straße ist eines von sieben Laufhäusern in der Stadt und zugleich das größte.

Seit Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes von 2002 ist Sexarbeit in Deutschland als Gelderwerb anerkannt und nicht mehr sittenwidrig. Dementsprechend hat sich auch das Geschäftsmodell verändert. In Dresden ist der Straßenstrich so gut wie verschwunden, das Prinzip Zuhälter und „feste Mädels“ gibt es ebenfalls nicht mehr – zumindest offiziell. Die Prostituierte von Heute tritt als Selbstständige auf.

Das „schmutzige Geschäft“, das „älteste Gewerbe der Welt“, oder einfach nur Prostitution – Sexarbeit für Geld hat viele Namen. Zum heutigen Welthurentag beleuchten die DNN Dresdens Rotlicht-Szene. Ist das Geschäft wirklich noch so „schmutzig“? Wir haben uns an der Hamburger Straße umgesehen.

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„Die Frauen kommen zu uns und können sich für einen gewissen Betrag in die Zimmer einmieten“, berichtet Uwe Großmann. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner betreibt er das Eroscenter und hat sich an die veränderten Umstände angepasst. 2007 übernahmen die beiden Dresdner das Gelände einer ehemaligen Alkoholfabrik an der Hamburger Straße und entwickelten es ständig weiter. Neben dem „Haus Hamburg“, das direkt an der Straße steht, entstand 2011 die „kleine Herbertstraße“.

„Wir wollten ein kleines bisschen Reeperbahn nach Dresden holen“, so Großmann. In schimmerndem Rotlicht erstrecken sich auf knapp 200 Metern acht aneinandergereihte Zimmer, die jeweils über ein riesiges Schaufenster verfügen. Dahinter sitzen die Huren. Hat sich der Freier für ein Mädchen entschieden, wird ein großer lederner Vorhang geschlossen und an der Außenwand leuchtet eine Lampe rot auf. Großmann und Richter haben kräftig in die Anlage investiert. Moderne Möbel, Fußbodenheizungen und riesige, noble Badezimmer, die eher an ein Fünf-Sterne-Hotel als an ein Laufhaus erinnern.

Sex-Wohnungen sehr beliebt

„Wir müssen den Kunden Qualität anbieten, die einfachen Zeiten der 90er Jahre sind vorbei“, so Großmann. Damit meint er vor allem die Konkurrenz aus der sogenannten „Wohnungsprostitution“, die hauptsächlich über Portale im Internet organisiert wird. Laut der städtischen Expertengruppe aus Polizei, Gesundheitsamt und Branchenvertretern gibt es in Dresden etwa 60 bis 100 solcher „Sex-Wohnungen“.

Damit werden auch die Sperrbezirke aufgeweicht, die 1999 von der Stadt eingeführt wurden, um den „öffentlichen Anstand zu wahren“, wie es in der Verordnung heißt. Demnach dürften beispielsweise in der Innenstadt sowie in etlichen weiteren Ortslagen keine Bordelle oder ähnliche Etablissements zu finden sein. „Eine genaue Zahl und deren Verbreitung können wir nicht angeben, da in Sachsen keine Pflicht zur Gewerbeanmeldung für Prostituierte besteht“, erklärt Sybille Homt, Sozialarbeiterin beim Gesundheitsamt und zuständig für das Thema Prostitution.

Preislich dürften die Freier in den Sex-Wohnungen aber deutlich günstiger kommen als im Bordell. „Bei uns im Eroscenter kostet ein Quickie 50 Euro, die halbe Stunde 70 Euro und eine ganze Stunde 120 Euro“, so Großmann. Trotzdem ist sein Laufhaus regelmäßig gut besucht. „Beklagen kann ich mich nicht. Ganz im Gegenteil. Es ist zwar allgemein schwieriger geworden, aber der Laden läuft gut“, erklärt der 51-Jährige.

Täglich räkeln sich etwa 20 Mädchen in seinen Häusern. Dass diese fast ausschließlich aus Osteuropa kommen, stört die Dresdner Freier aber nicht. „Seit einigen Jahren haben wir fast keine deutschen Frauen mehr in den Zimmern. Das ist schade, lässt sich aber nicht ändern“, so Großmann. Bei der Wohnungsprostitution hingegen sieht das noch einmal anders aus. „Unseren Schätzungen zu Folge sind etwa 50 Prozent der Sexarbeiterinnen Deutsche“, so Sybille Homt vom Gesundheitsamt. Laut der Dresdner Expertengruppe arbeiten derzeit etwa 400 bis 600 Huren in der Stadt.

Prostitution ein sauberes Geschäft?

Die Zeit von Zwangsprostitution und Ausbeutung scheint indes vorbei. „Unsere Mädchen sind absolut frei. Sie mieten sich ein, kommen und gehen wann sie wollen. Manche bleiben nur ein paar Tage, andere ein paar Monate. Sie entscheiden selbst über ihre Kunden. Lediglich den Preis legen wir fest, damit es einheitlich ist“, erklärt Großmann. Was die Huren als Miete für die Zimmer abführen müssen, verschweigt der Geschäftsmann.

Sophie aus Ungarn spricht von einem sehr guten und freundschaftlichen Verhältnis zu den Bordellbetreibern. “Wir dürfen hier unsere private Wäsche waschen und werden gut versorgt. Es gibt sogar kleine Geschenke zum Geburtstag oder Nikolaus“, berichtet die 27-Jährige. Regelmäßig suchen Sittenpolizei, Gesundheitsamt und sogar kirchliche Seelsorger das Bordell auf. „Bei uns ist alles in bester Ordnung“, versichert Großmann.

Eine Prostituierte berichtet

Nicki ist Prostituierte. Seit knapp zwei Monaten bewohnt die 24-Jährige eines der begehrten Glaszimmer im Eroscenter. Vorgestellt hat sich die Ungarin ihren Aufenthalt in Deutschland allerdings anders. Die gelernte Kosmetikerin verließ vor knapp zwei Jahren ihre Heimat, um in Dresden eine neue berufliche Perspektive zu finden. Jetzt bedient sie Männer allen Alters mit Sexarbeit. „Irgendwie bin ich da rein gerutscht, aber der Verdienst ist gut“, erklärt sie.

Zunächst heuerte die Ungarin als GoGo-Tänzerin an, ehe sie die lukrative Arbeit in den Betten fremder Männer zur Hure machte. Ihre Familie weiß nichts von ihrer verruchten Tätigkeit. Auch wenn sie bis zu acht Freier pro Tag bedient, ran lässt sie nicht jeden. „Wer stinkt oder ungepflegt ist, darf nicht ins Zimmer“, so Nicki. Sie sieht ihre Tätigkeit nur als Übergangsengagement: „Spätestens nach diesem Jahr ist Schluss!“

Auch Sybille Homt vom Gesundheitsamt kann bestätigen, dass die Prostitution in der Stadt schon längst kein „schmutziges“ Geschäft mehr ist. „Die Mädchen, die zu uns kommen, machen vorwiegend einen positiven Eindruck, berichten kaum von schlechten Erfahrungen“, so Homt. Zudem seien Fälle von Zwangsprostitution und Menschenhandel in den vergangenen Jahren so gut wie nie in Erscheinung getreten. Das Gesundheitsamt bietet in Dresden die einzige Beratungsstelle für Prostituierte. Im vergangenen Jahr suchten 226 Prostituierte die Fachstelle auf, 110 Einrichtungen wurden besucht.

„Sicherlich gibt es noch eine Dunkelziffer, wir erreichen nicht jede Sexarbeiterin. Aber wir haben keine Hinweise auf regelmäßige Verstöße oder eine organisierte Zwangsprostitution“, so Homt. Einzig und allein die Sex-Wohnungen sieht sie nicht ganz unkritisch. „Frauen sollten sich immer absichern und zumindest jemandem Bescheid geben, wenn sie arbeiten“, so Homt.

Auch der Polizei weiß nicht genau, wo sich alle Sex-Wohnungen befinden. Die bekannten werden zwei Mal jährlich kontrolliert. Dort werden dann auch oftmals Ordnungswidrigkeiten und Gesetzesverstöße festgestellt, erklärt die Polizeidirektion Dresden. „Wir warten zudem gespannt auf das neue Prostitutionsschutzgesetz“, heißt es aus dem Sitten-Kommissariat.

Von Sebastian Burkhardt

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