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Polizei ehrt couragierten Dresdner mit syrischen Wurzeln

Polizei ehrt couragierten Dresdner mit syrischen Wurzeln

Rany Dabbagh ist kein Held. Das würde der 28-jährige Dresdner nie von sich behaupten. "Ich habe angefangen zu zittern und gedacht, oh mein Gott", erinnert er sich an den 20. Januar.

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Rany Dabbagh (r.) bekam von OAZ-Vize-Chef Rüdiger Zwickirsch als Dank Blumen und einen Wimpel.

Quelle: Dietrich Flechtner

Damals hat er sich gegen drei etwa 25 bis 30 Jahre alte Männer gestellt, die auf dem Parkplatz eines Discounters an der Menageriestraße (Friedrichstadt) einen Mann und dessen Tochter angegangen sind. "Einfach so", erinnert sich Rany Dabbagh. Die angetrunkenen Männer seien ihm zuvor aber schon in dem Supermarkt durch ihr Verhalten aufgefallen. "Das waren Nazis", ist er überzeugt, schließlich hätten sie bei ihrem Angriff "Heil Hitler" oder "Sieg heil" gerufen. Dabbagh hat die Männer durch sein mutiges Auftreten vertrieben. Gestern dankte ihm Rüdiger Zwickirsch, stellvertretender Chef im Operativen Abwehrzentrum der sächsischen Polizei (OAZ), für seinen couragierten Einsatz.

"Sie haben gemacht, was wir uns eigentlich von vielen wünschen", lobt Polizeipräsident Bernd Merbitz aus Leipzig, der zugleich das OAZ leitet, die Tat des 28-Jährigen im Text einer Urkunde. Der Dresdner, dessen Vater aus Syrien stammt, hat am 20. Januar keinen Moment gezögert. Nachdem er mitbekommen hatte, dass der 76-Jährige und dessen 37 Jahre alte Tochter von dem Trio auf dem Parkplatz angegangen werden, zückte er sein Handy und sprach sie an. Da hatte einer der Täter bereits einen Reifen am Auto des Seniors zerstochen, gemeinsam liefen die drei Männer auf den 76-Jährigen zu.

"Ich habe versucht, die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken", erinnert sich Dabbagh. Das gelang ihm auch. Nachdem der 28-Jährige zu verstehen gegeben hatte, dass er die Situation gerade filmt, ließen die offensichtlich angetrunkenen Männer von ihren Opfern ab. Einer von ihnen griff sich die Mütze des Dresdners, zwei der Männer schlugen und traten nach ihm. Dabei verlor er seine Brille, sie fiel zu Boden und ging entzwei. Dennoch gab der 28-Jährige nicht auf. Er rief per Handy die Polizei und sagte das auch den Angreifern. Die flüchteten daraufhin. Mit Hilfe des Videos auf dem Handy des jungen Mannes ist es den Fahndern schnell gelungen, die Täter ausfindig zu machen. Sie waren den Ermittlern bereits bekannt. Gegen einen von ihnen hatte die Leitung des Supermarktes sogar ein Hausverbot verhängt.

Rany Dabbagh bekam von Kriminaldirektor Zwickirsch Blumen als Dank für sein Engagement. Und viel Lob. Der 28-Jährige selbst wird die drei Angreifer womöglich noch einmal vor Gericht wiedersehen, wenn er dort als Zeuge gegen sie aussagen muss. Rückblickend beschäftigt ihn vor allem die Frage, warum nicht noch andere Zeugen der Tat eingegriffen haben. "Es waren wenigstens noch zehn Leute auf dem Parkplatz", erinnert sich der 28-Jährige, "aber es hat noch nicht mal jemand die Polizei gerufen". Eine Frage der Courage und der Beweis dafür, dass mutige Menschen wie der junge Dresdner mit syrischen Wurzeln selten sind.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2015

Christoph Springer

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