Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Google+
Planer fordern weitere Flutrinne für Dresden

Bemerkenswerte Pläne Planer fordern weitere Flutrinne für Dresden

Dresden braucht eine dritte Flutrinne. Das meinen die Experten vom regionalen Planungsverband. Das Problem: die Flächen an der Stadtgrenze zu Radebeul sind bebaut oder sollen es bald werden. Die Stadt warnt vor Schadenersatzklagen.

Die Experten vom regionalen Planungsverband schlagen den Seegraben als weitere Flutrinne vor.
 

Quelle: Stadtverwaltung

Dresden.  Idee mit Zündstoff: Der regionale Planungsverband Oberes Elbtal-Osterzgebirge schlägt für Dresden eine weitere Flutrinne vor. In der Stadtverwaltung wird vor Schadenersatzforderungen gewarnt. Das hat einen einfachen Grund: die betroffenen Flächen sind bebaut oder sollen es in Kürze werden. Die Planer denken langfristig und warnen vor den Folgen eines Extremhochwassers wie 1845.

Ausgangspunkt ist die regelmäßig notwendige Überarbeitung des Regionalplans. Diese legt fest, welche Ziele wo in der Region entlang der Elbe zwischen Bad Schandau und Riesa verfolgt werden sollen. Dabei geht es unter anderem um die Funktion von Gemeinden, die Siedlungsentwicklung und die Flächenverwendung für Wald, Bebauung oder auch Windkraftnutzung, aber auch Verkehrswege, Arten- und Biotopschutz. Für vieles werden Vorranggebiete ausgewiesen. Diese sollen dann nicht für andere Projekte verwendet werden. Die Kommunen im Einzugsbereich des Regionalplans sollen sich an die Planungsvorgaben halten.

Und da beginnt das Problem. Gegenwärtig ist ein Vorentwurf in Umlauf. In ihrer Stellungnahme meldet die Stadt an wesentlichen Punkten Protest an. Viel Zündstoff steckt in Verschlägen der Planer für den Hochwasserschutz. Hier wollen die Planer einen alten Elbarm als Flutrinne aufleben lassen – den Seegraben an der Stadtgrenze zwischen Dresden und Radebeul. Das löst bei der Stadt massiven Widerstand aus. „Dort ist keine neue Flutrinne denkbar“, erklärte die Stadtverwaltung jetzt im Umweltausschuss. Der Seegraben würde ein Gebiet durchziehen, für das ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegt. Dabei geht es um das gesamte Areal nördlich der Kaditzer Flutrinne. Dort werden gerade einzelne Bebauungspläne für Wohnungsbauprojekte im Stadtrat diskutiert – etwa zwischen Sternstraße und Flutrinne sowie an der Flößerstraße. Andere Bereiche des Seegrabens sind mit Kleingärten bebaut. Außerdem quert die Autobahn 4 den alten Elbarm. „Dort müsste ein Durchlass geschaffen werden“, hieß es aus der Verwaltung. Aufgrund des Bebauungsplans sei zudem mit „erheblichen Schadenersatzforderungen“ zu rechnen, wahrscheinlich gegenüber dem Planungsverband.

Dort wird das ganz anders gesehen. Geschäftsführerin Heidemarie Russig rechnet nicht mit Schadenersatzansprüchen, weil die gültigen Bebauungspläne älter als sieben Jahre sein. „Wir wollen, dass die Stadt die jetzigen Pläne überdenkt“, sagte die Verbandschefin gegenüber DNN. Die Seegraben-Flutrinne war bereits Anfang des 20. Jahrhunderts geplant worden, als die Kaditzer und die Flutrinne im Ostragehege entstanden. Damals scheiterte der Seegraben am Widerstand der Radebeuler, daraufhin wurde die Kaditzer Flutrinne etwas breiter gebaut. „Der Seegraben könnte eine große Entlastung für das Stadtgebiet bringen“, erklärt Peter Seifert, zuständiger Referent beim Planungsverband. Das 100-jährige Hochwasser (HQ 100) sein keine Bedrohung mehr, weil der Flutschutz entlang der Flutrinne verstärkt wurde. Ein Hochwasser vom Ausmaß der Flut 1845 sei jedoch viel schwerwiegender. Damals hatte die Elbe einen Pegel von 8,77 in Dresden, doch bei heutiger Bebauung würde der Pegel bei 10 Metern liegen, ein ganzes Stück mehr als die 9,40 bei der Flut 2002. „Wie sollten den Hochwasserschutz an dem ausrichten, was wir kennen“, erläutert Seifert. In Pieschen, Trachau und Mickten könnten erhebliche Auswirkungen eines Extremhochwassers teilweise vermieden mit dem Wasserabfluss über einen Seegraben. Seifert und Russig stellen klar, dass es natürlich nicht um eine kurzfristige Umsetzung gehe. Vielmehr sollten jetzt keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden, die einem Seegraben entgegenstehen. So raten die Planer beispielsweise im Bereich Kaditz-Mickten, an dessen Bebauung derzeit emsig gearbeitet wird, zu einem Grünzug. Damit könnte die Option für den Seegraben erhalten werden. Und wenn eines Tages die Autobahn saniert werden muss, sei möglicherweise auch Gelegenheit über den Durchlass zu diskutieren. Natürlich müsste dann auf Radebeuler Seite der Hochwasserschutz an den Seegraben angepasst werden.

Das klingt nach einer spannenden Diskussion. Der Planungsverband will Ende dieses Jahres, Anfang 2017 den Entwurf öffentlich Auslegen. Dann werden nochmals Stellungnahmen eingeholt und abgewogen. Erst dann wird der Regionalplan beschlossen und erlangt durch die Genehmigung des Innenministeriums dann Rechtskraft. Sollte sich die Stadt dann nicht an die Vorgaben halten, müsste die Landesdirektion einschreiten. Vermutlich stehen dann aber die ersten Häuser im neuen Stadtviertel in Mickten schon.

Von Ingolf Pleil

Seegraben, Dresden 51.081842 13.69412
Seegraben, Dresden
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
19.09.2017 - 13:00 Uhr

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dresden sowie der Verein "Gerede" laden in die Neustadt ein. 

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.